Abgabe nur gegen Bezahlung: Müllsammler sind sauer

Günther Lange (Mitte) mit Lydia Mainusch und Werner Matzke beim Müllsammeln im Wald entlang der Hans-Fleißner-Straße in Egelsbach. Foto: kb

Günter Lange, Vorsitzender der Naturfreunde Egelsbach-Erzhausen, und zwei Mitstreiter sammeln Müll im Wald. Doch am Wertstoffhof Langen sollen sie für die Abgabe zahlen. „Ein Unding“, finden die ehrenamtlichen Müllsammler. Von Kristina Bräutigam

Egelsbach/Langen – Leere Schnapsflaschen, Zigarettenschachteln, Kaffeebecher: Überall entlang der Hans-Fleißner-Straße in Egelsbach liegt Müll. „Es ist eine Schande“, sagt Günter Lange. Der Vorsitzende der Naturfreunde Egelsbach-Erzhausen engagiert sich seit vielen Jahren für den Umweltschutz in seiner Heimatstadt. Umso mehr ärgert den Egelsbacher, was er vergangene Woche erlebt: Am Samstag ist Günther Lange gemeinsam mit Lydia Mainusch und Werner Matzke in dem Waldstück nahe des Flugplatzes unterwegs, um einen Krötenzaun aufzustellen. Wie schon im vergangenen Jahr sammeln die drei auch den Müll auf, anderthalb Stunden lang. „Drei Säcke waren am Ende voll“, sagt der 83-jährige Werner Matzke. Nach der Arbeit fahren die Müllsammler zum zentralen Wertstoffhof Langen, der seit Januar 2019 sowohl Bürgern der Stadt Langen als auch der Gemeinde Egelsbach zur Verfügung steht. Doch als Günther Lange die drei Müllsäcke abgeben will, die Überraschung: „Der Mitarbeiter sagte uns, dass wir den Müll nur gegen Bezahlung abgeben könnten. Fünf Euro pro Sack sollten wir zahlen.“ Die Information, dass der Müll aus dem Wald bei Egelsbach stammt, habe den Mitarbeiter nicht interessiert. Erst als Lydia Mainusch droht, den Vorfall öffentlich zu machen, habe der Mitarbeiter bei seinem Vorgesetzten nachgefragt. „Plötzlich hieß es, dass wir ausnahmsweise den Müll kostenlos abgeben dürfen. Das nächste Mal müssten wir aber zahlen“, sagt Lange. Der Vorsitzende der Naturfreunde will das nicht akzeptieren. „Für mich ist das ein Unding. Wenn schon ein einzelne Bürger die Eigeninitiative ergreifen, sollte man sie doch wohl unterstützen, anstatt sie vor den Kopf zu stoßen.“ Auch Lydia Mainusch ist stinksauer. „Wir investieren freiwillig unsere Zeit und sollen dann auch noch dafür zahlen. Sollen wir den Müll das nächste Mal besser liegen lassen?“

Auf EXTRA TIPP-Anfrage verteidigt Manfred Pusdrowski, Geschäftsführer der Stadtwerke Langen, das Vorgehen des Wertstoffhof-Mitarbeiters. „Es ist im Interesse aller Müllgebührenzahler in Langen und Egelsbach, dass die Anlieferung von Müllmengen ab einer bestimmten Größenordnung Geld kostet. Der Gleichbehandlungsgrundsatz gilt aus guten Gründen für alle Anlieferer gleichermaßen.“ Den Mitarbeitern sei es nicht gestattet, Ausnahmen zu machen, da sie sonst permanent verhandeln müssten. Ausnahmen und Sonderregelungen seien aber trotzdem möglich. Voraussetzung dafür ist eine Genehmigung der Stadt Langen oder der Gemeinde Egelsbach beziehungsweise der Kommunalen Betriebe. „Eine solche Genehmigung und damit Kostenfreistellung erteilen wir in begründeten Ausnahmefällen gern, wenn es sich um eine angemeldete Müllsammelaktion handelt“, sagt Pusdrowski. Der Stadtwerke-Chef wolle deshalb Kontakt mit Günther Lange aufnehmen. „Ich bin mir sicher, dass wir für die Zukunft eine vernünftige Regelung finden werden.“ Bis nach Langen müssen die Müllsammler allerdings gar nicht fahren: Laut Egelsbachs Bürgermeister Tobias Wilbrand gibt es am Bauhof für freiwillige Müllsammler bereits seit Sommer 2018 spezielle Säcke mit Stempel, die kostenlos abgegeben werden können.

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