„Bis zu 25.000 Euro Monatsgehalt sind möglich“

19-Jähriger aus Bad Soden ist Profi-Computerspieler

Tristan Schrage beim Zocken.
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Tristan Schrage beim Zocken.
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Tristan Schrage ist E-Sportler aus Bad Soden und lebt seit zwei Jahren in Berlin. Als „Power of Evil“ ist er international ein gefeierter Star in der Computerspielszene. Im Online-Spiel „League of Legends“ gehört der 19-Jährige zu den Besten der Welt. Von Oliver Haas

Herr Schrage, was würden Sie jemandem entgegnen, der sagt: „Das ist doch kein Sport, was Sie machen!“

Ich muss natürlich zustimmen, dass es kein traditioneller, physischer Sport wie Fußball oder Ähnliches ist. Aber es ist auf jeden Fall ein harter Sport. Bei den Turnieren muss ich bis zu sechs Stunden voll konzentriert und multitaskingfähig sein. Man muss seine Tastatur blind benutzen können, ständig auf den Bildschirm schauen und sich mit seinem Team absprechen. Dabei müssen in Millisekunden ständig Entscheidungen getroffen werden. Das Spiel verändert sich immer, worauf man sich blitzschnell anpassen muss. Schach ist schließlich auch ein anerkannter Sport. Und ich würde sogar sagen, dass Schach noch weniger Sport ist. Bei E-Sport passiert viel mehr gleichzeitig und man muss mehr und schneller entscheiden, als es beim Schach der Fall ist.

Sie verdienen seit zwei Jahren Ihr Geld mit Computerspielen, sind sogenannter E-Sport-Profi für das Online-Spiel „League of Legends“. Was sagen Ihre Eltern zur Berufswahl?

Da mein Bruder und mein Vater auch in der Spielszene integriert sind, haben sie es von Anfang an akzeptiert. Meine Familie unterstützt mich voll. Sie schauen sich auch alle meine Spiele an und rufen mich danach immer an. Vor Kurzem haben sie mich auch in Berlin besucht.

Gab´s im Verwandten- oder Freundeskreis auch böse Stimmen?

Eigentlich nicht. Da ich viele Freunde aus dieser Szene habe, gab es meistens positive Stimmen darüber. Aber natürlich haben sich Leute auch mal negativ geäußert. Allerdings ist es weniger sowas wie „Wir akzeptieren nicht, was du machst“, sondern sie wissen nicht genau, was sie davon halten sollen. Für viele ist es einfach eine völlig neue Welt. Ich musste ihnen das erst mal ein bisschen erklären, was ich eigentlich mache.

Dann erklären Sie bitte mal unseren Lesern, was Sie genau machen.

Beim Spiel „League of Legends“ kontrolliert jeder eine Spielfigur, die bestimmte Fähigkeiten und mehrere Leben hat. Das Ziel ist es, die gegnerische Basis zu zerstören. Das erreicht man, indem man als Team mit fünf Mitgliedern agiert. Dabei ist es natürlich wichtig, dass man sich immer gut untereinander abspricht. Entscheidend ist natürlich auch, dass man seine individuellen Fähigkeiten, wie bestimmte Zauberkräfte, optimal einsetzt.

Wie viele Stunden pro Tag trainieren Sie dafür?

Im Team trainieren wir täglich sieben bis acht Stunden. Zusätzlich kommen dann immer vier bis fünf Stunden individuelles Spielen dazu.

Wird das nicht irgendwann mal langweilig?

Nein. Im Gegensatz zu anderen Computerspielen startet das Spiel immer wieder vorne. Das heißt, man ist immer wieder auf Stufe eins. Und man beginnt mit einem neuen Helden. Die Gegner haben natürlich auch immer neue Spielfiguren. Dadurch ist jedes Spiel einzigartig. Und im Grunde wird es einem Fußballspieler, der jeden Tag kickt, auch nicht langweilig. Da gibt´s immer neue Spielszenen und es fallen schließlich immer andere Tore.

Haben Sie durch über zwölf Stunden tägliches Computerspielen körperliche Beschwerden?

Damit hatte ich noch nie Probleme. Wichtig ist, dass man vorbeugt und Dehnübungen macht. Dann sollte da nichts passieren. Seit diesem Jahr gehe ich mit meinem Team als Ausgleich auch ins Fitnessstudio.

Wieviel verdient man als Profi-E-Sportler?

Jeder Profi-Gamer hat mindestens 2000 Euro Monatsgehalt. Dann kommt es auf die Organisation oder das Team an, bei dem man unter Vertrag ist. Es sind auf jeden Fall Gehälter bis zu 25.000 Euro monatlich möglich.

Wie kam es dazu, dass Sie Profi geworden sind?

Ich habe eigentlich nicht auf die Profikarriere hingearbeitet. Am Anfang waren es kleinere Amateurturniere, die ich mit Freunden und meinem großen Bruder gespielt habe. Irgendwann habe ich mein erstes Turnier gewonnen. Damals gab es nur zehn Euro und eine Maus als Gewinn. Aber gefreut habe ich mich trotzdem. Als ich immer mehr dieser Turniere gewonnen habe, kam ich in der Rangliste sehr schnell hoch und wurde von Teams angefragt. Dann kam recht überraschend eines zum Anderen. Mit 17 habe ich dann die Chance bekommen ins Gaming-House nach Berlin zu ziehen, um dort eine Profikarriere zu starten. Dafür musste ich mein Abitur abbrechen. Aber dadurch konnte ich mein Hobby zum Beruf machen.

Was machen Sie, wenn der Erfolg nachlässt? Wie sieht der berufliche Plan B aus?

Ich versuche als Spieler, Coach oder YouTuber in der Szene zu bleiben. Oder hole meinen Abschluss als Fernabitur nach. Was dann ist, darüber habe ich noch nicht nachgedacht. Ich bin ja erst 19 Jahre alt. Seit ich aus der Schule raus bin, spiele ich in der ersten Liga und konzentriere mich aktuell voll auf meine Profikarriere.

Die fünf Profi-Tipps von Tristan Schrage für Spieler von "League of Legends"

1. Schaut immer wieder auf die kleine Karte rechts am Spielfeldrand. Am besten alle zwei bis drei Sekunden drauf schauen, um einen Überblick über das Spielfeld zu haben. Um etwa gleich zu sehen, ob Gefahr droht oder nicht.

2. Nach dem Spiel immer analysieren, welchen Fehler man im Spiel gemacht hat. Man sollte dann schauen, wie man den Fehler im nächsten Spiel verhindern kann.

3. Konzentriert euch nur auf euer Spiel! In der Online-Welt gibt´s einfach zu viel Abwechslung. Surft nicht auf anderen Seiten und hört auf zu chatten während ihr spielt.

4. Wichtig ist, dass man mit seinem Helden immer auf einer Spielposition bleibt. Im Grunde ist es wie bei anderen Sportarten. Wenn du Stürmer bist, dann bleibst du Stürmer. Im Spiel heißt es, dass man eben auch auf der einen Richtung bleibt und seine drei, vier Helden spielt und nicht versuchen sollte, alle über hundert Helden meistern zu wollen.

5. Im Spiel muss man einen sogenannten "Last Hit", also letzten Schlag, auf eine Figur zu machen, um sie zu besiegen. Der ist extrem wichtig und muss man wie einfach immer wieder neu üben. Da gibt´s mittlerweile auch einen Trainingsmodus, wo man das trainieren kann. Vor allem für Anfänger ist das sehr wichtig

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