Widerstand gegen Projekt steigt

Frankfurt: Umfrage zur Mainkai-Sperrung „Die haben Ruhe und wir die Hölle!“

George Mihaescu sieht Probleme durch die Umleitung der Autos.

Seit dreieinhalb Monaten ist das nördliche Mainufer für den Verkehr gesperrt. Vor allem Autofahrer und Sachsenhäuser Anwohner laufen Sturm gegen das Projekt. Der EXTRA TIPP hat die Frankfurter nach ihrer Meinung gefragt.

Frankfurt – Seit dem 30. Juli ist das nördliche Mainufer für den Autoverkehr gesperrt. Zwischen Alter Brücke und Untermainbrücke dürfen probeweise für 13 Monate nur noch Fußgänger, Rad- und Rollerfahrer sowie ein autonom fahrender Bus die Straße Mainkai nutzen. Das führt zu mächtig Zoff. Vor allem die Einwohner Sachsenhausens würden unter den umgeleiteten Verkehrsmassen leiden, beschwert sich die Bürgerinitiative „Sachsenhausen wehrt sich“ und sorgt für reichlich Wirbel in der politischen Diskussion. Der EXTRA TIPP ist auf Stimmenfang gegangen und hat Frankfurter nach ihrer Meinung gefragt.

„Ich finde die Sperrung prinzipiell gut, aber nicht gut umgesetzt“, sagt Maria Attenberger, die im Gallus wohnt. Den Umweg, den sie dabei zu fahren hat, findet sie nicht dramatisch. Sie kritisiert vielmehr, dass der Ort nicht sonderlich einladend ist. „Ich fände es gut, wenn die Straße zur Wiese wird und dort Cafés oder vielleicht ein Biergarten eröffnen würden. Dann müsste es aber für die Gastronomen Planungssicherheit geben und klar sein, dass die Sperrung auch nach der Testphase bestehen bleibt.“

Auch für andere Frankfurter ist die vermeintliche Flaniermeile zu trostlos. „Die Stadt hat keinen Plan. Das ist einfach chaotisch umgesetzt“, sagt Kunsthandwerker Hassan, der an seinem Stand am Mainkai Schmuck verkauft. Ideen habe er viele: Ein Spielplatz, ein Wochenmarkt, Cafés, die Erweiterung des Weihnachtsmarkts. Prinzipiell begrüßt er die Verkehrsberuhigung: „Mit Autoverkehr ist es unglaublich laut hier. Und ich habe schon zahlreiche Unfälle gesehen.“

Auch Lajos Horvath, stellvertretender Geschäftsführer des Mainkai-Cafés, würde sich über mehr Engagement zur Belebung der Straße freuen. „Wir profitieren von der Sperrung, das merkt man schon“, sagt er. Er ist Mitglied in der Initiative „Mehr Lebensqualität am Mainufer“, die eine Gegenbewegung zum Protest aus Sachsenhausen bildet. Mit den Autofahrern hat er kein Mitleid. „Man sollte Autos grundsätzlich aus der Innenstadt verbannen. Hier am Mainkai geht es den Fahrern eigentlich nur darum, ihre Autos zur Schau zu stellen und mal schön Gas zu geben.“

Eine Meinung, die nicht jeder teilt. „Für den Berufsverkehr ist das auf der gegenüberliegenden Mainseite schon eine Belastung“, sagt George Mihaescu, der die Straßensperrung prinzipiell gut findet. Aber dass sich die Autos jetzt extrem am Schaumainkai stauen, merke man. „Mich stört es nicht. Es betrifft mich aber auch nicht“, sagt der Frankfurter.

Ganz anders klingt das an dem Ort, wo die Blechlawinen Tag für Tag stehen. „Die haben da drüben Ruhe und wir die Hölle“, sagt Helmut Merz, der seit 19 Jahren direkt am Museumsufer wohnt. Seine Frau brauche seit der Sperrung 20 Minuten länger für ihren Arbeitsweg, der Verkehr staue sich über die gesamte Untermainbrücke, über die umgeleitet wird. Wegen des Lärms müssten sie die Fenster der Wohnung dauerhaft geschlossen halten. Merz findet das ungerecht: „Die Belastung ist extrem geworden für uns. Das muss doch ausgeglichen sein.“

Auch Herbert Schmoll, Gründer der Initiative „Sachsenhausen wehrt sich“, findet klare Worte: „Es ist einfach ungerecht, anderen Stadtteilen Autos aufzudrängen, die man an anderer Stelle nicht haben will.“ Er spricht von 20.000 zusätzlichen Fahrzeugen in den Straßen von Sachsenhausen und der Innenstadt. Auch wenn er nicht direkt betroffen sei, die Handwerker beklagen eine Verdoppelung der Fahrzeiten in der Stadt. „Die Stadt geht das Projekt autofreie Innenstadt vollkommen dilettantisch an. Man braucht eine Planung, die sicherstellt, dass weniger Verkehr in der Stadt unterwegs ist, bevor man so eine Hauptverkehrsstraße sperrt.“

Von Rebekka Farnbacher

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