EXTRA TIPP begleitet zivile Polizeikontrolle „Kart“

Jagd auf Auto-Bastler und nervige Poser

Polizist Jochen Wirth nähert sich dem auffälligen BMW von Eugen Ambur. Nach der Kontrolle steht fest: Fast alles in Ordnung. Lediglich die Eintragung eines Luftfilters muss er nachreichen. Foto: Haas

Von Oliver Haas.

Seit 2018 existiert in Frankfurt das Polizei-Projekt „Kart“. Das steht für die Kontrolleinheit Auto-Poser, Raser und Tuner. Der EXTRA TIPP war im Zivilauto hautnah auf Streife dabei.

Frankfurt – Jochen Wirth hat das Fenster des Zivil-Polizeiautos einen Spalt weit offen. „Erst höre ich sie, dann sehe ich sie.“ Was er meint, sind Autos, die viel zu laut sind. So laut, dass sie auf der Straße nicht mehr fahren dürfen. Der 33-Jährige ist Teil der achtköpfigen „Kontrolleinheit Auto-Poser, Raser und Tuner“ – kurz „Kart“. Im März 2018 wurde sie zunächst als Pilotprojekt ins Leben gerufen. Jetzt ist dieses fester Bestandteil der täglichen Polizei-Arbeit. Am Donnerstag saß der EXTRA TIPP bei Jochen Wirth und seinem Partner Samuel Lux auf der Rückbank und schaute den beiden über die Schultern.

„Mit Poser sind solche Fahrer gemeint, die etwa rund um Cafés mit ihren aufgemotzen und lauten Wagen ständig wiederholt vorbeifahren, um damit anzugeben. Und das nervt natürlich die Leute“, erklärt Wirth. Wer dabei erwischt wird, bekommt ein Bußgeld aufgrund „Verstoß wegen unnötigen Lärms“. Das ist mit zehn Euro zwar gering, aber die Polizisten führen eine Liste. Und wer es wiederholt darauf schafft, muss mehr zahlen, im schlimmsten Fall sogar mit Führerscheinentzug rechnen. Wirth ist wichtig, dass es einen großen Unterschied zwischen „Auto-Poser“ und „Auto-Tuner“gibt. Das sogenannte Posen, sprich Durchdrehen oder Quietschen der Reifen und lautes Motoraufheulen, sei einfach nur überflüssig. „Gegen ein Hobby, wie das Tunen von Autos, ist natürlich nichts einzuwenden, solange sich alles im legalen Rahmen bewegt“, sagt Wirth. An diesem Abend ist das nicht bei allen Autofans in Frankfurt so. Der erste Fahrer wird vor einer Kreuzung gestoppt. Wirth kommen die Scheinwerfer des Mitsubishis auffällig hell vor. Und Volltreffer: Die eingebauten Xenon-Lampen passen nicht in die dafür vorgesehene Scheinwerfervorrichtung. „Damit blendet er erheblich den Gegenverkehr.“ Weil es noch nicht so dunkel ist, darf er zwar weiterfahren, muss sein Auto aber schnell umrüsten. Und es werden 90 Euro Bußgeld fällig.

Im Frankfurter Bahnhofsviertel hat dann der Fahrer eines Seat Leon Cupra weniger Glück. Nicola A. hatte den 246-PS starken Sportflitzer erst am Dienstag gekauft. Während Wirth und Lux sein Auto unter die Lupe nehmen und Eintragungen prüfen, fachsimpelt er mit leuchtenden Augen über die Vorzüge seines Wagens. Bis kurz vor Ende der Kontrolle sieht es so aus, als ob er weiterfahren darf. Alle verbauten Teile scheinen vom Vorbesitzer ordentlich eingetragen. Doch dann misst Wirth mit einem Schallpegelmessgerät die Lautstärke des Motors. Statt den erlaubten 85 Dezibel zeigt das Gerät 102 an. „Dazu muss man sagen, dass sich für das menschliche Gehör schon zehn Dezibel doppelt so laut anhören“, erläutert Wirth. Um herauszufinden, warum der Seat so viel Lärm macht, muss Nicola A. mit aufs Revier. Dort wird der Wagen auf die Hebebühne gefahren und der Krachmacher schnell entdeckt: Die mittlere Auspuffanlage ist nur für Rennwagen erlaubt und hat im normalen Straßenverkehr nichts verloren. Jetzt wirds richtig bitter für den Rumänen: Sein vor zwei Tagen gekauftes Fahrzeug muss über Nacht auf dem Revier bleiben. Der nötige Gutachter kommt erst am nächsten Tag. Zudem muss er inklusive Bußgeld und Gutachterkosten wohl 400 Euro berappen.

Als Nächstes wird am Main der 4er BMW von Eugen Ambur kontrolliert. Tiefergelegt, Sportauspuff, auffällig schwarz-weißes Muster. Via Lufthydraulik-System lässt sich sein Wagen mit Knopfdruck wie ein Lowrider nach oben pumpen. Der Frankfurter will auffallen, ist stolz auf sein Schmuckstück. Er erzählt, dass er damit alias „Coonwox“ auf Instagram und Youtube Reiseberichte veröffentlicht. Auch er ist sich sicher, dass die Polizei nichts findet. Er irrt. Ein Blick in den Motorraum zeigt: Ein Luftfilter steht so nicht in den Papieren. Ist aber nur eine Kleinigkeit. Deshalb bekommt er zwei Wochen Zeit, das in Ordnung zu bringen. Und: Er darf weiterfahren.

Wieder eine krasse KART-Kontrolle: Frankfurt: Polizei stoppt grünen Lamborghini in der City - weil Fahrerin DIESEN Fehler gemacht hat, wie extratipp.com* berichtet.

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