Es soll sogar Geld sparen

Historischer Wiederaufbau: Sie wollen das alte Schauspielhaus zurück

Bröckelnde Decken und rissige Wände: Die städtischen Bühnen müssen für viel Geld saniert werden. Eine Verein legt nun ein Konzept für die Rekonstruktion des historischen Schauspielhauses vor – und wirbt mit großer Eleganz und kleinen Kosten. 

Frankfurt – „Schauen Sie mal in die Gesichter, der Menschen, die hier entlanggehen“, sagt Mediendesigner Jürgen Aha, der am Willy-Brandt-Platz vor dem Schauspielhaus steht. „Keiner schaut sich dieses Gebäude an. Fotos werden allenfalls von der Euro-Skulptur oder dem Märchenbrunnen geschossen.“ Zu dem Glasgebäude, in dem Oper und Schauspiel untergebracht sind, hat Aha eine klare Meinung. „Aus meiner Sicht ist das eine Bausünde!“

Doch der Frankfurter und einer Gruppe Alt-Architektur-Enthusiasten wittern Hoffnung: Das marode Gebäude-Ensemble muss dringend und für viel Geld saniert werden, weshalb das Stadtparlament auch einen Neubau diskutiert. Doch die von Aha initiierte Aktionsgemeinschaft Schauspielhaus will verhindern, dass ein neuer „schwerer städtebaulicher Fehler“ begangen wird – und bei der Stadt die historische Rekonstruktion des originalen Neorenaissance-Baus von 1902 durchsetzen. „Selbst viele alte Frankfurter wissen nicht, dass unter der Glasfassade noch ein Großteil der alten Bausubstanz schlummert“, sagt der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft, Tobias Rüger. Im zweiten Weltkrieg sei nur ein Teil zerbombt worden und die historischen Überreste seien 1962 einfach überbaut worden. Was überstand, wurde abgeschlagen. Aha hält ein Plakat des damaligen „Seeling-Baus“ in den Händen. Das prachtvolle Gebäude mit triumphbogenartigem Eingangsportal, Jugendstilverzierungen und großer Kuppel ist für die Vereinsmitglieder nicht nur ein Traum. Denn ganze Fassaden lägen unter der „ungeliebten Glaskiste“. „Man müsste sie nur freilegen. Das würde ein traumhaftes Bild abgeben. Noch schöner als der Opernplatz!“, schwärmt Aha. Allein der Nachbau des Restaurants mit Außenterrasse würde den Platz beleben.

Doch nicht nur von optischen Vorzügen schwärmt der neue Verein: Die Mitglieder sind überzeugt, mit ihrem Konzept die von der Stadt veranschlagten Kosten für Sanierung oder Neubau um ein Vielfaches zu unterbieten. „Das Gesamtkonzept würde 510 Millionen Euro kosten“, sagt Aha. Und bliebe damit weit unter den rund 850 Millionen Euro, die über die Machbarkeitsstudie der Stadt ermittelt wurden. Allerdings nur, sofern Bund und Land das Projekt fördern. Der Plan der Aktionsgemeinschaft beinhaltet die historische Rekonstruktion des Schauspielhauses plus Neubau der Oper an anderer Stelle – wie auf dem Kulturcampus oder dem Sparkassen-Areal an der Taunusanlage. Ermittelt haben diese Summe drei Architekten für das Aktionsbündnis.

Im August will der Verein sein Konzept der Stadt vorstellen. Er hofft auf den „politischen Willen“ und darauf, von der aktuellen Begeisterung über die neue Altstadt zu profitieren. Doch zumindest der politische Weg dürfte steinig werden. Kulturdezernentin Ina Hartwig sieht in der Idee des Vereins keine, die die Stadt in Erwägung zieht. „Die Theaterdoppelanlage in seiner jetzigen Form repräsentiert ein Stück Nachkriegsdemokratie und den gelungenen Aufbruch in die Moderne. Diese Tradition und dieser Geist sollen fortgesetzt werden.“ Die Vereinsmitglieder halten aber auch einen Bürgerentscheid für möglich. Aha ist überzeugt: „Fragen Sie neun von zehn Leuten: Sie werden sich für das alte Gebäude entscheiden.“

Rebekka Farnbacher

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