Zum Henninger-Fest: Rätsel um alte Gold-Flasche

Walter Schelbert und seine Frau Roselinde präsentieren die Goldflasche zum 125-jährigen Jubiläum. Das Etikett (kleines Bild) weist auf den damaligen runden Geburtstag hin. Heute wird das 150-jährige Bestehen gefeiert. Im Hintergrund der Vitrinenschrank, in dem noch weitere Schätze lagern. Fotos: agk

Von Axel Grysczyk.

Die Henninger-Brauerei feiert heute ihr 150-Jähriges. Ein Offenbacher hat noch eine Flasche, die zum 125-jährigen Jubiläum herausgebracht wurde. Also vor 25 Jahren. Doch der Rentner meint, die Flasche sei viel älter.

Offenbach/Frankfurt – Zwischen alten Bierkrügen, Apfelweingläsern aus den 1930ern und zahlreichen Miniatur-Motorrädern steht in der Wohnzimmer-Vitrine der Schelberts ein ganz besonderer Schatz. Eine komplett goldene Bierflasche, verziert mit dem Etikett der Henninger, angefertigt zum 125-jährigen Bestehen der Brauerei. Walter Schelbert hütet sie seit Jahrzehnten. Nur wie lange, dass er weiß nicht ganz genau. „Ich habe damals bei der Henninger gearbeitet. Zum 125-Jahr-Jubiläum bekamen wir einen Kasten Bier. In dem Kasten war eine goldene Flasche, die habe ich immer aufgehoben“, erzählt der 77-Jährige. Er meint, dass sei bereits Ende 60er, Anfang der 70er des 20. Jahrhunderts gewesen. Doch da klafft eine nicht erklärbare Lücke, feiert die Brauerei doch heute 150-Jähriges. Auf der Flasche ist klar vermerkt „Zum 125-Jährigen“. Das bedeutet: Entweder ist die Flasche aus dem Jahr 1994 oder die vermerkten 125 Jahre auf dem Etikett beziehen sich auf einen anderes geschichtsträchtiges Datum in der Brauerei-Historie.

Durch den EXTRA TIPP wurden Schelbert und seine Frau Roselinde der Bierflaschen-Schatz wieder präsent. Denn in unserer vergangenen Ausgabe hatten wir über das anstehende Henninger-Fest zum 150-Jährigen der Brauerei am heutigen Sonntag berichtet. Rund um den Henninger Turm wird gefeiert.

Schelbert habe die 0,5er Flasche als Erinnerung an seine Henninger-Zeit aufgehoben. Als er mithalf, den Henninger-Turm zu bauen oder die Etikettiermaschine beaufsichtigte. „In der Nachtschicht sagte der Chef manchmal, wenn’s heiß war, wir sollten ruhig mal eine Qualitätskontrolle machen, ob das Bier auch gut genug ist“, erinnert sich Schelbert. Zwölf Jahre war er in den 60ern bei der Brauerei beschäftigt, ehe er wieder in seinen ursprünglichen Beruf als Metzger wechselte. Trinken werde er den Inhalt auf keinen Fall. „So altes Bier habe ich noch nie probiert“, sagt er. Auch wenn er nicht ganz genau weiß, wie alt es wirklich ist.

Licht ins Dunkel bringt Claudia Geisler, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Binding-Brauerei in Frankfurt. „Diese Flasche gab es als Kastenbeilage 1994 zu 125 Jahre Henninger. Viele Brauereien haben dagegen protestiert, weil die Flasche im Rücklauf auch zu anderen Brauereien kam, die keine Verwendung dafür hatten.“

Die Erinnerung hat Walter Schelbert also einen Streich gespielt. Doch ob 60er, 70er oder 1994: Der Rentner sieht’s gelassen. Er hebt gerne Dinge auf, sagt seine Frau. Aber wenn ihm jermand einen guten Preis bezahlt, würde er die Gold-Flasche mit dem schwarzen Etikett und den 4,8 Prozent Alkohol auch verkaufen. Wer Interesse hat, kann sich an den EXTRA TIPP wenden.

Schelbert’s Liebe zum Bier bleibt sowieso. Schließlich wohnt er in Offenbach in der Straße „Großer Biergrund“.

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