Neue Strategie

Gibt es in Frankfurt demnächst Gratis-Heroin und Crack um die Junkies von der Straße zu holen? 

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Ein Drogenabhängiger schläft nach einem Schuss Heroin.

Drogenabhängige lagern vor den Druckräumen, in den Hauseingängen rauchen Süchtige Crack – trotz Polizeipräsenz. Ulrich Mattner fordert nun einen neuen Ansatz: Die kostenlose Vergabe von Heroin und Crack an untherapierbare Abhängige – und bekommt Rückenwind vom OB.

Frankfurt/Main – Man kann die Erfolge der neuen Polizeibrigade im Bahnhofsviertel nicht von der Hand weisen. Dennoch hat sich die gefühlte Sicherheit kaum erhöht. Zumindest in den Teilen, in denen die Druckräume für Heroinabhängige angesiedelt sind. Vor den Einrichtungen lagern im Wechsel zahlreiche Junkies, Abhängige, die durch sämtliche Raster der Drogenhilfe gefallen sind, die nur noch ausgemergelte Schatten ihrer selbst sind. Die einen im Heroin-Rausch zusammengesunken, die anderen vom Crack laut, wirr und aggressiv.

Gratis-Heroin und Crack unter medizinischer Aufsicht?

„Es gibt nach wie vor Bereiche, in denen man lieber die Straßenseite wechselt“, sagt Bahnhofsviertel-Fotograf und Gewerbevereinsvorsitzender Ulrich Mattner. Er fordert deshalb die Stadt auf, ganz neue Wege in der Drogenpolitik zu gehen: „Die Zeit ist reif für einen wissenschaftlich begleiteten Versuch, bei dem ausgesuchten, schwerkranken Drogensüchtigen in einem abgeschlossenen Bereich im Bahnhofsviertel kostenlos Crack und Heroin unter medizinischer Aufsicht zur Verfügung gestellt wird.“ Dieser abgeschlossene Bereich muss, so Mattner, ein Rückzugsort sein, in dem sich die Szene unbehelligt treffen kann, damit sie nicht mehr vor den Druckräumen rumhängen muss. Mattner: „Ziel ist es, dem Elend ein Ende zu bereiten und die Leute von den Straßen des Bahnhofsviertels und damit auch aus dem Kreislauf der Dealer und der Beschaffungskriminalität zu bekommen.“ Vorbild seiner Idee ist die Stadt Zürich, die ihre Drogenszene mit einem ähnlichen Schritt schon vor langer Zeit in den Griff bekommen hat.

Rückenwind vom Oberbürgermeister

Und offenbar trifft Mattner mit seiner Forderung bei Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann auf offene Ohren. Der will nun offensichtlich den Frankfurter Weg weiterentwickeln. „Wir haben als Stadt gemeinsam mit dem Land, der Bahn, der VGF, Gewerbetreibenden und Bewohnerinnen und Bewohnern des Bahnhofsviertels ein großes Maßnahmenpaket geschnürt. Es wurde zum Beispiel eine neue Polizeistation mit mehr als 130 Polizisten eingerichtet, die Stadtpolizei hat Stellen aufgestockt. Wir haben Schnittstellen zwischen verschiedenen Ämtern, Behörden und Gesellschaften aufgebaut, um schneller ordnungsrechtlich reagieren zu können. Seitens der Stadt gehört da definitiv die Weiterentwicklung des Frankfurter Wegs in der Drogenpolitik dazu.“

Grenzen müssen gesetzt werden

Und offenbar will Feldmann konkrete Taten folgen lassen. „Das heißt, dass wir zusammen mit den Gesundheitsbehörden neue Erkenntnisse im Umgang mit Drogensüchtigen und auch Modelle aus anderen Ländern analysieren müssen“, kündigt Feldmann an. Intern sind die Planungen aber offenbar noch konkreter. Aus dem Rathaus heißt es, dass Feldmann sogar daran denkt, sich selbst vor Ort, etwa in Zürich, über die Erfahrungen mit der kostenlosen Abgabe von harten Drogen an Süchtige zu informieren. Allerdings scheint der Oberbürgermeister nun auch in anderer Hinsicht durchgreifen zu wollen, um die Situation auf den Straßen zu verbessern. „Denn es gehört auch zum Frankfurter Weg, dass wir Grenzen setzen, was Sicherheit und Belästigung im öffentlichen Raum angeht. Toleranz hat dort Grenzen, wo Sucht die Nutzung öffentlicher Räume einschränkt und deren Qualität verletzt. Für mich gehört da das Alkoholverbot im Kaisersack dazu.“

Christian Reinartz

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