Geld und Gesang

Schauspielnachwuchs überzeugt mit Musicalrevue in den Kammerspielen

Absurd und zeitgemäß: Bei „Alles was zählt“ singt das Studiojahr Schauspiel über Zählbares. Foto: Jessica Schäfer/Schauspiel
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Absurd und zeitgemäß: Bei „Alles was zählt“ singt das Studiojahr Schauspiel über Zählbares.

Frankfurt – Kurzweil ist regelmäßig gewährleistet bei solchen Abenden. Eine Gruppe von Nachwuchsschauspielerinnen und -schauspielern singt Lieder, die sich um ein Thema drehen. „Geld und Schulden“ lautet es diesmal. Von Stefan Michalzik

„Alles was zählt“, ist der Titel des Programms, das in den Kammerspielen des Frankfurter Schauspiels Premiere hatte. Es ist eine liebenswerte Leistungsschau von Mitgliedern des Studiojahrs Schauspiel, die zusammen mit der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst ausgerichtet wird.

Das kommt daher wie eine kabarettistische Musicalrevue, ohne Dialoge, flott und raffiniert inszeniert von Michael Lohmann. Martin Holzauer hat ein paar Bürotische und Stühle arrangiert, im Hintergrund sitzt der zupackend begleitende Pianist und Arrangeur Günter Lehr am Flügel. Die siebenköpfige Gruppe plus Pianist tragen grellfarbige, bei den Frauen teils obskur turm- oder vogelnesthafte Perücken sowie Jacketts, Hosen oder Krawatten mit Dollardessin von Martina Suchanek.

Was den Gesang anbelangt, machen alle eine gute Figur. Das reicht vom Musicalhaften bei Eva Bühnen, samt einer entsprechend melodramatischen Darstellung in „Brother Can You Spare a Dime“, und einem versierten Sprechgesang, etwa bei David Campling in Marius Müller-Westernhagens „Geiler is’ schon“. Mit viel Furor gibt Andreas Gießer den Motivator in der Gospelnummer „Good Morning“ nach Max Frost.

Eine allzu naheliegende Nummer wie Abbas „Money Money Money“ wird klugerweise bloß kurz in einem Medley angetippt. Dafür stimmt die Gruppe als Chor die Zeilen „Wir stechen das Gemüse im Spargelfeld/Und sammeln Plastiktüten nach der Loveparade“ aus dem „Ein Euro Blues“ von Fettes Brot an. Danach formieren sich die vier Frauen zu Marilyn Monroes „Diamonds Are A Girl’s Best Friend“. In die Kategorie Sprechgesang fällt Julian Benedikt Melchers gleichwohl intim-wirkungsvolle Anverwandlung des Schubertliedes „Der Leiermann“.

Einen pompösen Auftritt hat Laura Teiwes mit dem mit dem Hardrock-Kracher „Eye Of The Tiger“ von Survivor. Mächtig Stimmung macht Andreas Gießer als Sänger und riff- wie solostarker Gitarrist in AC/DCs „What Do You Do For Money Honey“ – samt „originaler“ Angus-Young-Show. Lustig.

Selbstverständlich gehört zum Kapitalismus die Krise, nach der Pause wird das mit Songs von Rainald Grebe, Dota, Stoppok und K.I.Z.s „Hurra die Welt geht unter“ kommentiert. Ein Teil des Abends gilt dem klassischen Kabarettchanson, unter anderem mit Katharina Kurschats wunderbar in sich ruhender Version von Friedrich Hollaenders „Wenn ich mit was wünschen dürfte“. Insgesamt eine fulminante Ensembleleistung.

Quelle: op-online.de

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