Frankfurt (Hessen)

Gänse aus dem Stall geklaut: Wo sind Emil und Berta?

Trauer in Oberrad: Unbekannte haben die Hausgänse der Gärtnerei Stoll gestohlen. Nicht nur die Familie hofft, dass Emil und Berta noch leben. Auch die Spaziergänger vermissen die Gänse. Von Kristina Bräutigam

Frankfurt – Die eingezäunte Wiese ist leer, kein Geschnatter ist zu hören. „Es ist sehr, sehr traurig“, sagt Christoph Stoll, Inhaber der Gärtnerei Stoll. Jeden Abend, vor dem Schlafengehen, hat er noch einmal nach den beiden Hausgänsen geschaut. Jetzt sind Emil und Berta weg, geklaut aus dem Nachtstall. „Das war keine spontane Tat. Derjenige ist über den Zaun gestiegen, hat das Vorhängeschloss an der Tür geknackt und die Gänse mitgenommen“, sagt Christoph Stoll. In der Nacht vom 20. auf den 21. März schlug der Dieb zu. Seitdem fehlt von den beiden Gänsen jede Spur. „Nicht zu wissen, was mit ihnen passiert ist, lässt uns keine Ruhe“, sagt der Gärtnerei-Chef.

Vor sechs Jahren hatte die Familie die beiden Gänse gerettet. Emil und Berta sollten als Weihnachtsbraten enden. Stattdessen fanden sie auf dem Gelände der Gärtnerei am Ortsrand von Oberrad ein neues Zuhause. „Meine größte Angst ist, dass die Gänse gequält werden“, sagt Christoph Stoll. Möglich sei auch, dass der Dieb Emil und Berta geschlachtet hat, ohne zu wissen, dass die stattlichen Gänse sechs Jahre alt sind – und damit praktisch ungenießbar. „Wenn sie sterben mussten, weil sie jemand essen wollte, und am Ende landen sie einfach im Müll, das wäre tragisch.“ Bereits im Oktober hatten Unbekannte gezielt 15 Hähne und große Hühner geklaut. Auch hier vermutet die Familie, dass Tiere geschlachtet wurden. Dennoch: Christoph Stoll will die Hoffnung nicht aufgeben, dass Emil und Berta noch am Leben sind. „Ich möchte glauben, dass es ein Tierfreund war, der die Gänse gern haben wollte, weil er sich keine eigenen leisten kann, und dass Berta und Emil in einem Vorgarten sitzen“, sagt Christoph Stoll. Nach anfänglichem Zögern beschließt er, den Diebstahl anzuzeigen und sich an die Öffentlichkeit zu wenden. „Der Dieb soll wissen, dass es nicht irgendwelche Gänse waren, sondern dass sie uns etwas bedeutet haben.“ Zwar habe es mittlerweile einige Hinweise gegeben, etwa weil in einem Garten plötzlich Gänse stehen. Doch vor Ort ist schnell klar: Es sind nicht Emil und Berta, die an ihrem amputierten Flügel leicht zu erkennen ist.

Die Familie und die Mitarbeiter der Gärtnerei hoffen trotzdem, dass es ein Wiedersehen mit Emil und Berta gibt. Und auch viele Oberräder sind traurig: An den Zaun des Geheges haben Kinder Bilder gehängt: „Ihr bleibt in unseren Herzen“, steht auf einem Zettel.

Der Dieb könne die Gänse einfach in eine Kiste setzen und nachts vor dem Gärtnereigelände abstellen. „Hauptsache, er bringt sie uns zurück“, sagt Christoph Stoll.

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