Immer mehr Leistungssportler schwören drauf

Frankfurterin begeistert Ex-Eintracht-Kicker für Veganismus

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Aleksandra Keleman will immer mehr Profis von der veganen Idee überzeugen. Hier mit mit Ex-Eintracht-Profi und heutigem SC Freiburg-Spieler Luca Waldschmidt.

Region Rhein-Main – Vegane Ernährung wurde unter Sportlern lange belächelt. Kein Fleisch und damit zu wenige Proteine! Studien belegen mittlerweile klar: Es ist eines von vielen Vorurteilen. Auch immer mehr Profis ernähren sich mittlerweile rein pflanzlich. Von Oliver Haas

Es werden immer mehr: Leistungssportler, die sich vegan ernähren. In der Fußballbundesliga hat sich kürzlich Bayerns Serge Gnabry als veganer Kicker geoutet, auch Dortmunds Star Mario Götze gab jetzt zu, zumindest zu Hause dem Fleisch-, Fisch- und Milchkonsum abgeschworen zu haben.

Die Frankfurterin Aleksandra Keleman berät seit Jahren Leistungssportler in Sachen veganer Ernährung und freut sich über diese Entwicklung. Sie selbst ernährt sich seit 2011 vegan. „Ich hatte Hautprobleme und nachdem ich Milchprodukte weggelassen hatte, wurde es schnell besser.“ Dann sei sie vor allem aus Tierschutz- und Umweltschutzgründen vegan geworden. Die Idee, das Engagement für den Veganismus mit einem Nebenberuf zu verbinden, hatte die Studentin (Wirtschaftsingenieurswesen in Darmstadt) dann 2014. Seitdem kontaktiert sie deutschlandweit Leistungssportler aus allen Disziplinen, um sie von der veganen Idee zu überzeugen.

WM-Titel 2014 war Inspiration

Inspiriert wurde sie vom damaligen Koch der Fußball-Nationalmannschaft. „Der hatte damals bei der WM in Brasilien erzählt, dass er komplett auf Pflanzenmilch setzt. Außerdem hat er weniger Fleisch serviert.“ Ihr Gedanke: Wenn das für den WM-Titel reicht, sollte die Ernährungsweise doch auch für die Kicker in der Bundesliga und andere Leistungssportler funktionieren. Sie las sich in das Thema ein und weiß mittlerweile über Nährstoffe und Co. vor allem für Sportler bestens Bescheid.

Aleksandra Keleman hat sich aber vor allem Leistungssportler als Ansprechpartner für die vegane Idee ausgesucht, weil diese von vielen oft als Vorbilder gesehen werden. „Wenn ein berühmter Profi vegan lebt, dann kann das die Menschen vielleicht eher überzeugen, wie gut diese Ernährung ist“, hofft die 26-Jährige.

Sie überzeugte mehrere Profi-Fußballer

Den Durchbruch schaffte sie 2015, als sie zusammen mit den Eishockeyprofis Thomas Brandl und Sebastian Osterloh die Facebook-Gruppe „Top Athletes Vegan“ gegründet hatte. Darin tauschen sich mittlerweile fast 2500 Leistungssportler aus ganz Deutschland aus. Auf ihrer Homepage www.aleksandra-keleman.de finden sich zahlreiche Fotos und Interviews, die sie mit Profisportlern zum Thema vegane Ernährung geführt hat. Darunter Profifußballer wie Augsburgs Torwart Andreas Luthe, Leipzigs Diego Demme oder auch der Ex-Frankfurter und heutige SC-Freiburg-Spieler Luca Waldschmidt.

Aleksandra Keleman shoppt mit Ex-Eintracht-Profi und heutigem SC Freiburg-Spieler Luca Waldschmidt. Foto: nh

Aber auch aus vielen anderen Bereichen konnte sie Leistungssportler überzeugen. „Die meisten hatten mit veganer Ernährung vorher nichts am Hut. Ich schicke ihnen dann Artikel und informiere sie“, sagt Keleman. Später geht sie mit den Sportlern auch einkaufen und berät sie für ihren Speiseplan. Und das Feedback nach ihren Beratungen kann sich sehen lassen. Leichtathlet Marc Reuther (Bester 800 Meter-Läufer Deutschlands 2018) von der Frankfurter Eintracht sagte nach der Umstellung auf die vegane Ernährung: „Meine Regeneration und allgemeine Fitness haben sich deutlich verbessert. Insgesamt fühle ich mich einfach viel wohler, sowohl beim Sport als auch sonst.“

Auch Leichtathlet Marc Reuther, immerhin bester deutscher 800 Meter-Läufer von der Frankfurter Eintracht, bestätigt die Vorteile veganer Ernährung für seinen Sport.  

Und die Volleyball-Nationalspielerin Berit Kauffeldt war überrascht: „Eine Sache, die ganz krass ist: Als ich viel Fleisch gegessen habe, war ich deutlich müder. Und dass ich jetzt ohne Fleisch viel mehr Energie habe.“

Ernährungsmedizinerin empfiehlt Sportlern vegane Ernährung

Doch ist es tatsächlich ratsam, als Sportler komplett auf Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte zu verzichten? Die Bad Homburger Fachärztin für Allgemein- und Ernährungsmedizin Dr. Petra Brachtüber die vegane Ernährung: „Wenn es eine Ernährungsweise gibt, die den Sportler optimal mit allen notwendigen Nährstoffen, bis auf Vitamin B12, versorgt, dann ist es die vollwertige pflanzliche Nahrung. Durch den hohen Gehalt an Ballaststoffen, wertvollen sekundären Pflanzenstoffen, den besten Fetten und den Mikronährstoffen wird die Darmgesundheit optimiert. Diese ist für ein funktionierendes Immunsystem die Voraussetzung.“ Gesunde vegane Kost sei eine basische Ernährung und wirke somit der Übersäuerung entgegen. Das bedeute für den Leistungssportler zusätzlich eine verringerte Verletzungsanfälligkeit, die gleichzeitig mit einem Leistungsanstieg einhergehe, so die Expertin. Und Aleksandra Keleman nennt für Zweifler gerne den Namen Patrik Baboumian. Der gewann 2011 den Titel „Stärkster Mann Deutschlands“– als Veganer.

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