Zebrastreifen: Autofahrer kennen kein Halten mehr

Der Zebrastreifen am Klinikum Hanau: Laut Polizei gab es hier seit 2009 insgesamt fünf Unfälle mit vier leichtverletzten Personen. Brenzlige Situationen gibt es laut Anwohnern jedoch täglich. Foto: kb

Zebrastreifen sollen helfen, dass Fußgänger sicher über die Straße kommen. Doch das interessiert viele Autofahrer nicht: Immer wieder kommt es zu gefährlichen Situationen. Auch der Bund der Fußgänger warnt. Von Kristina Bräutigam

Region Rhein-Main – Fußgänger oder Patienten, die auf Höhe der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Hanau über die Straße wollen, haben schlechte Karten. Zwar gibt es einen Zebrastreifen. Doch statt anzuhalten, geben viele Autofahrer Gas – selbst wenn ein Fußgänger den Überweg bereits betreten hat. „Hier gibt es fast täglich brenzlige Situationen. Erst am Montagabend ist eine ältere Frau fast umgefahren worden“, erzählt eine Hanauerin, die direkt um die Ecke wohnt. „Statt Einsicht zu zeigen, hat der Fahrer noch gehupt.“ Eine Mitarbeiterin der gegenüberliegenden Hautklinik benutzt den Zebrastreifen nur, wenn kein Auto in Sicht ist. „Die Fahrer sehen einen durch die Kurve viel zu spät, vor allem im Dunkeln.“ Zwar besagt die Straßenverkehrsordnung klar: Fußgänger haben Vorrang (siehe Infos Artikel links). Immer mehr Autofahrer interessiert das allerdings nicht. Das zeigt auch ein Blick auf die Polizeimeldungen aus Rhein-Main: Am Mittwochabend wird eine 28-Jährige in Kronberg angefahren, und leicht verletzt, als sie gerade auf dem Zebrastreifen geht. Die Fahrerin hatte sie übersehen. Bereits am 3. März erfasst ein Auto eine Elfjährige in Flörsheim, als sie gerade über den Zebrastreifen läuft. Die Schülerin wird leicht verletzt. In Bad Homburg wird am 11. März eine 49-Jährige auf einem Zebrastreifen von einem Omnibus angefahren und leicht verletzt, der Busfahrer flüchtet. Riesiges Glück hat ein Sechsjähriger am 7. März in Neu-Isenburg. Er betritt kurz vor seiner Mutter und der kleinen Schwester den Zebrastreifen, als ein Audi mit erhöhter Geschwindigkeit heranrast und ungebremst über den Zebrastreifen fährt. Laut Polizei verfehlt das Auto den Jungen um wenige Zentimeter.

Dass Bürger Fehlverhalten an Fußgängerüberwegen melden, ist keine Seltenheit. „Teilweise erscheinen Bürger auf der Dienststelle und zeigen Fahrzeugführer an“, sagt Felix Geis, Sprecher des Polizeipräsidiums Südosthessen. Gehen Beschwerden bei der Polizei ein, werden im Rahmen des täglichen Dienstes Kontrollmaßnahmen durchgeführt. „Zudem informieren wir die Stadt und unsere Verkehrsinspektion.“ Bernd Irrgang, Vorsitzender des Vereins „Bund der Fußgänger“, reicht das nicht. „Angesichts der heutigen Verkehrsdichte und der zunehmenden Aggressivität halte ich Zebrastreifen für bedenklich.“ Das Einzige, woran sich Pkw-Fahrer halten, seien rote Ampeln, sagt der Frankfurter, der sich mit dem Verein seit 25 Jahren für die Sicherheit von Fußgängern einsetzt. „Ich plädiere deshalb für ampelgeregelte Übergänge.“ Wer dennoch einen Zebrastreifen nutzt, solle am Bordstein warten, die Hand heben und sich durch Blickkontakt vergewissern, dass der Autofahrer auch wirklich anhält. „Gerade ältere Menschen, die langsamer gehen, tun sich damit jedoch schwer“, weiß Irrgang. Für Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV), sind Zebrastreifen noch immer eine relativ sichere Querungsmöglichkeit. Allerdings nur, wenn die Überwege vorschriftsmäßig angelegt sind.

„Doch genau das ist vielerorts nicht der Fall“, sagt Brockmann. Die häufigsten Defizite seien eine schlechte oder fehlende Beleuchtung und Markierung, eine ungünstige Lage etwa im Kurvenbereich, und fehlende Sichtbeziehungen, beispielsweise wenn Parkflächen bis an den Zebrastreifen heranreichen. „Leider gibt es noch viele Altanlagen, die über diese Mängel verfügen. Diese halte ich wirklich für gefährlich“, sagt der UDV-Leiter. Der Problem-Zebrastreifen in Hanau gehört für Brockmann abgeschafft, auch wenn es laut Polizei „keine signifikante Beschwerdelage“ gibt. „Im Bereich einer Kurve und ohne Beleuchtung ist das Unfallrisiko viel zu hoch“, sagt Brockmann.

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