Verein will Gasthaus „Zur Sonne“ retten

Traditionslokale sterben aus

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Wollen das Gasthaus „Zur Sonne“ neu beleben (v.l.): Eva Wick, Jan Barthel und Roland Lüpold vom Verein „Inter Esse“. 

Immer mehr Gasthäuser in Rhein-Main müssen schließen, weil die Betreiber keine Nachfolger finden. Der Gaststättenverband spricht von alarmierenden Zahlen. Doch es gibt Hoffnung auf lokaler wie regionaler Ebene.

Region Rhein-Main – Die Nachricht war ein Schock, nicht nur für Frankfurter. Das seit 240 Jahren bestehende Traditionslokal „Zur Sonne“ auf der Berger Straße soll verkauft werden. Die Eigentümer fühlen sich zu alt, um die Gaststätte weiter zu betreiben. Für 2,5 Millionen Euro bietet ein Makler das denkmalgeschützte Fachwerk-Ensemble zum Verkauf an und wirbt damit, dass es auch zu Wohnraum umfunktioniert werden kann. Viele fürchten nun, dass die „Sonne“ für immer unter geht. Nicht nur in Frankfurt, im gesamten Rhein-Main-Gebiet sterben klassische Gaststätten nach und nach aus. „Immer mehr Betriebe schließen, weil sie keinen Nachfolger finden, und das teilweise nach vielen Generationen. Damit geht Kulturgut und ein Stück Vielfalt in Hessens Gastronomielandschaft für immer verloren“, sagt Gerald Kink, Vorsitzender des hessischen Hotel- und Gastronomieverbands (Dehoga). 

Satte 700 Lokale hätten in Hessen allein von 2015 auf 2016 zugemacht. Tendenz steigend. Das sind laut Kink alarmierende Zahlen. „Immer mehr Bürger erkennen, dass ohne Gasthaus im Dorf etwas Wichtiges fehlt: Ein Ort der Begegnung, des Austausches, der Gemeinschaft, der Lebensfreude und des kulinarischen Genusses.“ Aktuell finde ein gigantischer Generationenwechsel in den hessischen Gasthäusern statt, so der Dehoga. In den meisten Fällen finde sich jedoch kein Nachfolger. Hinzu kommen Sanierungskosten und teure Investitionen für die in die Jahre gekommenen Wirtshäuser. Das Geld können viele nicht aufwenden. Der Dehoga fordert daher die hessische Landesregierung zur Unterstützung auf. Ein auf fünf Jahre angelegtes Sonderprogramm mit einem Gesamtvolumen von zehn Millionen Euro solle Gastronomie und Hotellerie vor allem im ländlichen Raum stärken. Auch für die Frankfurter „Sonne“ gibt es Hoffnung. 

Der im Juli gegründete Verein „Inter Esse“ hat jüngst eine Petition mit 5400 Unterschriften an Oberbürgermeister Peter Feldmann überreicht und einen Vorschlag mitgeliefert, wie das Lokal erhalten werden könne. „Wir wollen einen sozialen Treffpunkt schaffen, auf kreative Art das Konzept Apfelweinkneipe weiterentwickeln“, sagt Vereinsmitgründer Roland Lüpold. Dabei gehe es den Mitgliedern nicht um Profit, sondern um die Vernetzung der Menschen. Und um ein nachhaltiges Gastro-Konzept mit Selbstbedienung, regionalen Produkten vom Bauern und weniger Wegwerf-Mentalität. „Dadurch werden die Kosten gesenkt und auch Menschen, die nicht viel Geld haben, können kommen“, sagt Lüpold. In Kürze soll eine Crowdfunding-Aktion starten, um auf die 2,5 Millionen Euro für den Kauf zuzuarbeiten. Für Lüpold ist klar: „Alles steht und fällt mit dem Geld, das wir zusammenkriegen.“

Rebekka Farnbacher

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