Wildtierretter warnen: Zahl der verletzten und getöteten Tiere steigt dramatisch

Todesfalle Mähroboter: Immer mehr Igel geraten unters Messer

Immer öfter werden die Gärten Rhein-Mains zur Todes-Arena für Igel. Die übermächtigen Gegner: Mähroboter. Ihre Klingen lassen den kleinen Tieren kaum eine Chance. Massive, teils tödliche Verletzungen sind die Folge. Wildtierretter schlagen jetzt Alarm. Von Julia Oppenländer

Region Rhein-Main – Ein Roboter mit messerscharfen Klingen, der einen bedroht – klingt wie ein Horrorfilm, ist für viele Igel in Rhein-Main inzwischen aber Realität. Denn gegen die in immer mehr Gärten fahrenden Mähroboter haben sie keine Chance: Die dämmerungs- und nachtaktiven Tiere rollen sich bei Gefahr ein – und genau dieses Schutzverhalten wird ihnen zum Verhängnis. „Viele Menschen lassen ihre Mähroboter inzwischen abends oder in der Nacht durch den Garten fahren“, sagt Tanja Schäfer, Leiterin der Wildtierhilfe Schäfer in Dreieich. „Aber die Geräte erfassen so kleine Tiere wie Igel nicht als Hindernis und fahren einfach dagegen oder darüber.“ Die Folgen sind katastrophal. Die Tiere erleiden schlimme Schnittverletzungen am ganzen Körper, kommen oft nur knapp mit dem Leben davon. Kleine Tiere werden sogar komplett überrollt und zerhäckselt. „Wir hatten schon Tiere, da fing die Verletzung vorne an der Schnauze an und hörte erst am Rücken auf“, sagt auch Sabine Klein von den Wildtierfreunden Hanau. „Die Igel werden oft so schwer verletzt, dass sie sich danach schlimm quälen“, sagt Tanja Schäfer traurig. Die stacheligen Vierbeiner schreien nicht, weil sie keine Feinde auf sich aufmerksam machen wollen. Stattdessen schleppen sie sich mit den Verletzungen noch eine Weile durch die Gegend. „Doch oft infizieren sich die offenen Wunden – gerade bei dieser Hitze. Dann legen Fliegen Eier in die Wunden und Maden schlüpfen.“ Sabine Klein weiß: „Das mit den Maden dauert keine acht Stunden.“

Fünf Igel mit solchen Mähroboter-Verletzungen betreut die Wildtierhilfe in Dreieich aktuell. Die meisten haben Kopfverletzungen, abgesenste Stacheln oder Schnitte am Rücken. Einem der Igel musste sogar das Hinterbein amputiert werden. „Es ist wirklich erschreckend, wie viele Tiere wir inzwischen gebracht bekommen. Allein in diesem Jahr waren es schon zehn Stück. Die Dunkelziffer von betroffenen Igeln dürfte aber noch viel höher sein“, ist sich die Wildtierhilfe-Leiterin sicher. Davon ist auch Sabine Klein von den Wildtierfreunden Hanau überzeugt: „Die toten Tiere bekommen wir gar nicht erst zu Gesicht.“ Vier durch Mähroboter verletzte Igel haben auch die Hanauer dieses Jahr schon gebracht bekommen. „Weil sie so tiefe Wunden hatten, mussten wir die Kleinen von ihrem Leid erlösen.“ Die fünf in Dreieich betreuten kleinen Säugetiere dagegen sind inzwischen auf dem Weg der Besserung. Sie können vermutlich in den nächsten Wochen wieder ausgewildert werden. „Der Heilungsprozess bei solchen, teilweise wirklich schlimmen Verletzungen dauert schon mal rund sechs Wochen“, sagt Tanja Schäfer.

Angesichts der steigenden Verletzungszahlen appellieren die Wildtierretter jetzt an die Gartenbesitzer, die Mähroboter nur tagsüber und, wenn möglich, unter Aufsicht fahren zu lassen. „Von der Gefahr durch diese Geräte sind schließlich nicht nur Igel, sondern auch andere kleine Lebewesen wie Kröten, Insekten, Eidechsen oder Spinnentiere betroffen. Sie alle haben gegen die Klingen der Mähroboter keine Chance“, sagt Sabine Klein. Sie fordert außerdem das Anbringen eines Schutzgitters an den elektrischen Geräten. Dadurch berühren sie auch kleine Gegenstände auf dem Rasen und der Stoßsensor löst aus. Das wäre wohl die Rettung für alle kleinen Gartenbewohner in Rhein-Main.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare