Trotz Anmeldung kein Betreuungsplatz

Frankfurt: Teure Tagesmutter statt Kitaplatz

Jacqueline (rechts) und Nina Kunzmann müssen ihren Sohn Paul von einer Tagesmutter betreuen lassen. Foto: rf

Jacqueline und Nina Kunzmann wohnen gegenüber einer neu gebauten Kita. Dort wäre zwar Platz für ihren einjährigen Sohn, aber es fehlt Personal. Jetzt müssen sie auf eine teure Tagesmutter zurückgreifen.

Frankfurt – Die Diskussion um fehlende Kitaplätze in Frankfurt reißt nicht ab. Nachdem der EXTRA TIPP über den Platzmangel am Riedberg berichtete (nachzulesen auf www.extratipp.com), wendet sich Jacqueline Kunzmann an die Redaktion. „Auch in Nieder-Eschbach haben wir Probleme mit den Kitaplätzen“, klagt die 38-Jährige. Dabei dachte die Mutter, dank ihrer Wohnung, die direkt neben einer neu gebauten großen Kita liegt, diese Misere würde sie nicht betreffen. „Wir haben unseren Sohn schon vor der Geburt in dieser Kita angemeldet.“ Paul ist mittlerweile eins. „Aber bis heute ist kein Kitaplatz frei, weil Personal fehlt.“ Auch könnten die Mitarbeiter nicht in Aussicht stellen, wann mit einer Zusage zu rechnen ist. „Es ist eine Schande, eine nagelneue Kita zu haben und die Gruppen bleiben zu, weil Personal fehlt! Die Stadt muss doch wissen, dass sie anhand der Geburtenraten zusätzliche Betreuungsplätze schaffen muss.“

Auf Anfrage erklärt Jasmin Misev, Sprecherin im Frankfurter Bildungsdezernat: „Wie andere Großstädte auch ist Frankfurt mit einem berufsübergreifenden Fachkräftemangel konfrontiert.“ Davon seien alle Frankfurter Kinderbetreuungseinrichtungen betroffen. Im Hinblick auf die Krippenplätze in Nieder-Eschbach sei die U3-Versorgung „rein rechnerisch gut aufgestellt.“ Mit 49 Prozent (144 Plätze für 291 Kinder) sei der Versorgungsgrad verhältnismäßig hoch und liege über dem Versorgungsziel von 40 Prozent im Stadtteil. Allerdings sei es in der Tat so, dass es im Kinderzentrum (Kiz) Gladiolenstraße, bedingt durch Ausfälle, Schwangerschaften und Erkrankungen, als einzige Einrichtung nicht einfach sei, offene Stellen zu besetzen. „Um das vorhandene Personal zu schützen und nicht dauerhaft eine Notbetreuung installieren zu müssen, ist eine Krippengruppe tatsächlich nicht belegt“, so Misev. Der Fall der Familie Kunzmann sei der Betriebsleitung nicht bekannt. „Falls noch nicht geschehen, kann sie sich an die Infobörse des Stadtschulamtes wenden.“ Ein schwacher Trost für Jacqueline Kunzmann und ihre Frau Nina. Nachdem auch in sämtlichen umliegenden Stadtteilen kein Kitaplatz in Frage kam, entschied sich das Paar, den kleinen Paul von einer Tagesmutter betreuen zu lassen. Die 38-Jährige wird ab September wieder arbeiten gehen, denn die Familie ist auf das Gehalt beider Elternteile angewiesen. Doch auch hierbei war es nicht einfach, jemand Geeignetes zu finden. „Jetzt müssen wir bis nach Bad Homburg fahren, um unser Kind unterzubringen, und dann zu überteuerten Preisen, weil Tagesmütter in Bad Homburg mehr verlangen dürfen als den üblichen Satz, der an die Stadt gezahlt wird.“ Mit 425 Euro monatlich zahlen sie nun mehr als doppelt so viel wie für einen Krippenplatz. „So wandert das verdiente Geld direkt an die Tagesmutter. Wie soll man da als Familie noch leben?“, fragt sich Jacqueline Kunzmann.

Von Rebekka Farnbacher

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