Frankfurter Forscher erklären den Stand der Dinge

Sind selbstfahrende Autos die Zukunft im Verkehr?

Für eine Testfahrt ist das selbstfahrende Auto CUbE von Continental bereits über den Campus an der Frankfurter University of Applied Sciences gefahren. Zum Start des Museumsuferfestes in Frankfurt soll das Shuttle am gesperrten Mainkai entlang fahren. Foto: Kevin Rupp/Frankfurt UAS

Selbstfahrende Autos werden als Lösung für viele Probleme im Straßenverkehr gesehen. Forscher sagen, dass dadurch die Verkehrstoten in Deutschland von rund 3500 auf null gesenkt werden könnten. Von Oliver Haas

Welche Herausforderungen dafür noch bewältigt werden müssen, erklären Frankfurter Experten.

Region Rhein Main – „ In zehn Jahren werden im Straßenverkehr zehn Prozent vollautomatisierte Autos ohne menschliche Fahrer unterwegs sein.“ Dies sagt Professorin Martina Klärle, Vizepräsidentin für Forschung, Weiterbildung und Transfer an der Frankfurter University of Applied Sciences (UAS). Doch sie hat einen berühmten Gegner dieser These: TV-Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar glaubt nicht daran: „In zehn Jahren wird es nicht mal ein Prozent sein.“ Die beiden haben um eine Kiste Wein gewettet. Die Auflösung folgt in zehn Jahren.

Bereits jetzt machten Experten bei einem kürzlich gehaltenen Forschungskolloquium der UAS klar, dass es in der Tat noch eine Menge Herausforderungen gibt, aber auch große Lichtblicke. Denn: Im vergangenen Jahr hatten die Wissenschaftler den selbstfahrenden Shuttlebus CUbE von der Firma Continental auf dem Campus der Uni getestet. Petra Schäfer, Professorin für Verkehrsplanung und Leiterin der Fachgruppe Neue Mobilität, erinnert sich: „Wir hatten ein sehr sicheres Gefühl bei der Fahrt mit einem autonomen Shuttle. Uns hat vor allem gewundert, dass die Studenten eine so geringe Hemmschwelle hatten und sich alle wie selbstverständlich reinsetzen.“ Auch seien die Studenten ganz normal vor dem Fahrzeug herumgelaufen und vertrauten darauf, dass das Auto rechtzeitig stoppt. Damit das funktioniert, hat es unterschiedliche Sensoren. Bis zu 200 Meter weit kann es damit schauen.

Zum Start des diesjährigen Museumsuferfestes am 23. August soll der CUbE dann auf dem gesperrten Mainkai hin- und her fahren. „Leider wird er noch nicht an den öffentlichen Verkehr angebunden“, bedauert Schäfer. Ihre Idee sei nämlich gewesen, dass das Shuttle bis zur U-Bahn Station Dom/Römer fährt. „So hätte man gleich eine Anbindung an die Öffentlichen Verkehrsmittel testen können. Aber da traut sich die Stadt noch nicht ran“, sagt die Forscherin.

Ken Schmitt, Wissenschaftler bei Continental, zeigt klar, welche großen Herausforderungen es beim autonomen Fahren noch gibt: „Die Technologie muss zu einhundert Prozent funktionieren, da reichen keine 99,9.“ Das Wichtigste: Die Umgebung muss von den Sensoren perfekt aufgenommen werden. „Was ist etwa, wenn auf der Straße plötzlich eine Tüte weht? Als Mensch erkenne ich das und fahre einfach drüber. Umgekehrt reagiere ich anders, wenn da eine Holzkiste steht“, sagt er. Die Maschine müsse dies dann auch so erkennen. Zudem beschreibt er Verkehrssituationen, wie komplizierte Verkehrsführungen bei Baustellen oder etwa das Zusammenspiel mit Radfahrern. Alles das müssten die Entwickler der vollautomatischen Wagen noch perfekt lösen.

Wohl das beste Argument für das autonome Fahren ist die Reduzierung der tödlichen Verkehrsunfälle. Rund 3500 Opfer fordert der Straßenverkehr in Deutschland. Unachtsamkeit, schnelles Fahren oder Drogenkonsum sind die Hauptursachen. Und das sind alles Punkte, die bei einem von einer Maschine gelenkten Fahrzeug nicht mehr zutreffen. Darin sind sich die Forscher einig. Großer Konsens besteht darin, dass null Verkehrstote erreicht werden können. „BMW hat das Ziel ausgegeben, dass ihre autonomen Autos keinen Unfall mehr haben“, sagt Verkehrsforscher Thomas Kinsky von der Firma Humanetics. Über 1800 Forscher würden für BMW dafür arbeiten. Laut Kinsky ist das größte Problem der Mischverkehr. Also wenn autonome Autos sich gemeinsam mit normalen Autofahrern auf den Straßen befinden. „Das Problem müssen wir schnellstens lösen“, sagt Kinsky.

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