Kampfsport

Frankfurt: Krav Maga - die krasse Verteidigung aus Israel boomt

Julian Schmitt (Mitte) erklärt seinen Krav-Maga-Schülern Dori Saliaj und Max Sirsch wie sie sich gegen Angriffe wehren. Foto: oh

Von fairem Sport ist diese Kampfmethode weit entfernt. Bei Krav Maga geht es nur darum, sich zu verteidigen – und das mit allen dreckigen Mitteln. Der EXTRA TIPP sprach mit Julian Schmitt aus Frankfurt, der Israels Export-Schlager anderen beibringt.

Frankfurt – „Es geht nur darum, gefahrlos aus der Situation und sicher nach Hause zu kommen.“ Kampfsport-Trainer Julian Schmitt von Strikefit betont, dass die von ihm gelehrte Kampfkunst Krav Maga (hebräisch: Kontaktkampf) keinesfalls dazu dienen soll, um in eine lange Auseinandersetzung hineingezogen zu werden. „Es ist das allerletzte Mittel, wenn Flucht oder andere Deeskalationsmaßnahmen erschöpft sind. Nur dann wenden wir diese Techniken an“, sagt Schmitt. 

Und es ist, im Gegensatz etwa zu echten Kampfsportarten wie Kickboxen oder Karate, alles erlaubt. Auch „dreckige“ Schläge und Tritte. Denn: „Auf der Straße hält sich natürlich niemand an irgendwelche Regeln. Wenn ich plötzlich angegriffen werde, dann muss ich blitzschnell Schwachstellen ausnutzen. Das heißt, wenn ich als Schwächerer Angst um mein Leben habe, dann darf ich dem Mann auch zwischen die Beine treten. Es ist letztlich alles erlaubt, was mich aus der Gefahr bringt.“ Entscheidend sei, dass das potenzielle Opfer die ersten zwei bis drei Sekunden schadlos übersteht, einen Angriff abwehren und flüchten kann.

Dieses Prinzip wird in der Kampfsportmethode Krav Maga in einem speziell entwickelten Konzept gelehrt. Seinen Ursprung hat es in Israel. In der dortigen Armee und beim Geheimdienst Mossad wird Krav Maga bereits jahrelang praktiziert. Aber auch die deutsche Bundeswehr und die Polizei haben die Vorzüge von Krav Maga mittlerweile entdeckt. „Das System unterläuft einer ständigen Entwicklung und Anpassung an aktuelle Gefahren und Bedrohungen. Deshalb müssen wir als Trainer auch jedes Jahr wieder nach Israel, um dort unsere Lizenz zu aktualisieren“, erzählt Schmitt. 

Er sei überzeugt, dass es derzeit kein moderneres Selbstverteidigungssystem gibt. In seine Kurse kommt ein bunt gemischtes Publikum. „Wir haben Frauen, Männer, aber auch Rentner und Teenager, die Krav Maga lernen wollen.“ Angst, dass er dreckige Techniken an die Falschen weitergibt, hat er nicht: „Wenn ich ein komisches Gefühl bei einem Schüler habe, dann lasse er sich das Führungszeugnis zeigen.“ Nur einmal habe er einen Bewerber abgelehnt. „Er hatte in der ersten Stunde wissen wollen, wie er einen Gegner ,so richtig fertig machen‘ kann. Ich machte ihm schnell klar, dass er dann hier nicht richtig ist.“ In den Trainings soll vor allem auch die Stresssituation simuliert werden, die im Fall der Fälle auftritt. 

Schmitt erläutert: „Oft verfallen Menschen in eine Schockstarre, wenn sie angriffen werden. Das ist völlig normal und evolutionsbedingt. Denn wenn in Urzeiten der Säbelzahntiger kam, dann war das vielleicht eine Möglichkeit, der Gefahr zu entkommen.“ Im Jahre 2019 ist das natürlich keine gute Variante. Und deshalb bringt der 33-Jährige seinen Schülern einfache, aber effektive Schlagtechniken und Bewegungsabläufe bei. „Und das Ganze verbinden wir im Training natürlich mit viel Spaß und es ist darüber hinaus eine gute Möglichkeit, um sich fit zu halten. Jedes Training ist anders“, sagt Schmitt.

Von Oliver Haas

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