Frankfurt

Kaninchen auf Instagram: Züchterin wirbt für ihr Hobby

Züchterin Shanice Kleine mit Kaninchen Nummer H452-5717, genannt Snow, ein Zwergwidder weiß Blauauge. Ihre zweite Rasse sind die Zwergwidder Satin thüringerfarbig. Fotos: kb

Bei Shanice Kleine dreht sich nicht nur an Ostern alles ums Langohr: Die 26-jährige Hanauerin züchtet Rassekaninchen. Sogar einen eigenen Instagram-Account haben ihre Wackelnasen. Von Kristina Bräutigam

Region Rhein-Main – Der Champion sitzt im Stall ganz oben rechts. Ein stattlicher Rammler der Rasse Zwergwidder weiß Blauauge, Vereinsnummer H452-5717. „Das ist mein erstes V-Tier“, sagt Shanice Kleine vom Kaninchenzuchtverein H 452 Fortschritt Großauheim stolz. „V“ steht für „vorzüglich“, die höchste Auszeichnung, die ein Rassekaninchen auf einer Schau erzielen kann. Für Shanice Kleine ist der Rammler damit ein Sechser im Lotto. Die 26-Jährige züchtet Rassekaninchen. Und die sollen vor allem eins: Dem Zuchtziel möglichst nahe kommen. Um einen Platz auf dem Siegertreppchen geht es dabei nur am Rande. „Das Wichtigste ist, zum Erhalt der Rasse beizutragen.“

Wie das perfekte Langohr auszusehen hat, steht im „Standard für Kaninchen“, der Bibel des Zentralverbands Deutscher Rassekaninchen-Züchter (ZDRK). So sollte der Körper eines Zwergwidder weiß Blauauge kurz, gedrungen und breitschultrig sein, der Nacken kräftig ohne sichtbaren Hals, die Ohren behaart und nicht faltig. „Besonders wichtig ist der Kopf. Er muss kurz und kräftig sein, mit einer breiten Schnauzpartie, starken Kinnbacken und einer breiten Stirn“, sagt Shanice Kleine. Weil die Preisrichter auch den Pflegezustand bewerten, bekommen ihre Langohren vor jeder Schau außerdem eine Schönheitskur verpasst – Krallenschneiden, Säubern der Geschlechtsecken und eine Ladung Trockenshampoo inklusive.

Vorbildlicher Kopf, idealer blockartiger Körper: Zuchtrammler Joshi.

Das Hobby kostet viel Zeit und macht Arbeit. Ein Grund, warum es vielen Vereinen an Nachwuchs mangelt. Shanice Kleine will das ändern: Unter dem Namen „Auheimer Kaninchenfarm“ betreibt sie nicht nur eine Homepage, auch eine eigene Instagram und Facebook-Seite haben ihre Wackelnasen. Hier setzt die Züchterin ihre Siegerkaninchen mit Pokal und Wimpel in Szene, informiert über die neuesten Würfe oder lässt die Langohren mit Weihnachtsmütze posieren. Die meisten Likes kassieren die Jungtiere. Gerade erst gab es mehrere Würfe in der Hobby- und der Rassezucht, zu der mittlerweile auch Zwergwidder Satin thüringerfarbig gehören. Für Shanice Kleine beginnt dann das Warten. Etwa acht Wochen nach der Geburt erkennt sie, welche Jungtiere zur Zucht taugen – und welche aufgrund grober Fehler aussortiert werden müssen. Beim Zwergwidder weiß Blauauge sind rote Augen eine Katastrophe. Auch Jungtiere mit schmalen Körpern und Köpfen sind für Zuchtzwecke unbrauchbar und werden als Liebhabertiere weitervermittelt.

Um böse Überraschungen zu vermeiden, besteht Genetik-Profi Shanice Kleine vor dem Kauf auf den Abstimmungsnachweis. Umso mehr ärgert sie sich über Leute, die draufloszüchten, ohne Ahnung zu haben. „Das führt schlimmstenfalls zu Gendefekten, die der Rasse schaden.“ Dass über Kleintierzüchter oft geschmunzelt wird, stört die 26-Jährige dagegen nicht. Auch Freund Christoph hat kein Problem mit dem ungewöhnlichen Hobby seiner Liebsten. Er züchtet Rassetauben und -geflügel. Zum Problem wird die Langohr-Liebe nur einmal im Jahr: An Weihnachten, wenn es bei Oma Kaninchen gibt. Shanice Kleine isst mit, allerdings nur widerwillig und mit Einschränkung. „Meine eigenen Tiere könnte ich niemals essen“, sagt sie.

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