Wissenschaftlicher Blick aus Frankfurt auf das beliebte Fantasy-Epos

Experte weiß: Deshalb macht „Game of Thrones“ süchtig!

Jon Schnee ist einer der Helden des „GoT“-Universums. Ein Medienexperte analysiert, warum die Serie „Game of Thrones“ so beliebt ist.

Wer im Büro spoilert, sprich, ungesehene Details verrät, zieht schnell den Zorn seiner Kollegen auf sich. Die Finalstaffel der Blockbuster-Serie „Game of Thrones“ wurde jetzt in Deutschland ausgestrahlt. Warum das Fantasy-Epos so viele Fans hat, weiß ein Serien- Experte aus Frankfurt. Von Oliver Haas

Region Rhein-Main – Für die Fans des Fantasy-Epos „Game of Thrones“ oder kurz „GoT“ ist eine traurige Zeit. Denn: Nach neun Jahren wurde die Serie jetzt mit der finalen achten Staffel beendet. Warum die die Geschichte um Tyrion Lannister, Jon Schnee oder Arya Stark so erfolgreich war und weltweit Millionen Fans hatte, untersuchte Professor Claus-Peter Ernst, Wissenschaftler der Frankfurt University of Applied Sciences sowie der SRH Hochschule Heidelberg. Er hatte unter anderem Ende 2018 eine Studie zur Identifikation mit Serienfiguren veröffentlicht.

Professor Claus-Peter Ernst

„Verschiedene Faktoren sorgen dafür, dass Fernsehserien wie Game of Thrones für Menschen so attraktiv sind. Sie stillen klassische menschliche Bedürfnisse, wie den Wunsch, Freunde zu haben und sich zugehörig zu fühlen“, sagt Ernst. Die Zuschauer würden die Serienfiguren dann als Vertraute sehen, an deren Geschichte sie gefühlten Anteil haben. „In Game of Thrones findet sich für jeden eine Identifikationsfigur; jeder Figur werden bestimmte Charakterzüge zugeordnet.“ Menschen würden sich vor allem mit den Figuren identifizieren, wenn ihr eigenes Leben Parallelen zum erzählten Leben des fiktiven Charakters aufweist. So könne sich jemand, der in seiner eigenen Familie eine Außenseiterrolle einnimmt, etwa mit der Figur des Kleinwüchsigen Tyrion Lannister identifizieren. „Manchmal fühlen sich Menschen auch Figuren zugehörig, die so sind, wie sie gern wären, oder Figuren, die sie sich als Vorbilder suchen, wie beispielsweise die mutigen Frauen Arya Stark oder Daenerys Targaryen.“ Die Serie gebe ihnen das Gefühl, diese Figuren sehr gut zu kennen, und sie könnten diese als eine Art erweiterte Familie oder erweiterten Freundeskreis wahrnehmen. Dazu komme, dass die Serie neun Jahre produziert wurde und man etwa die Stark-Kinder sogar aufwachsen sah.

Auch das Böse in der Serie fasziniert

Eine weiterere Besonderheit, die den Erfolg begünstigen könnte, seien die überraschenden Wendungen. „Viele Fernsehserien sind so aufgebaut, dass man trotz der Cliffhanger davon ausgehen kann, dass der Held oder die Heldin überleben. Bei Game of Thrones kann es aber passieren, dass die Lieblingsfigur plötzlich stirbt. Die Spannung, die bei vielen anderen Formaten verloren gegangen ist, wird hier aufrechterhalten“, sagt Ernst. Und: Es werden viele grausame Dinge schonungslos gezeigt. Aber selbst das könnte ein Erfolgsfaktor sein. „Es gibt so etwas, wie die Faszination des Bösen. Also, dass ich etwas sehe und es abscheulich finde, aber trotzdem interessiert hinschaue. Die Beliebtheit von Horrorfilmen ist ja ein gutes Beispiel dafür“, sagt Ernst.

Doch es kann auch negative Auswirkungen bei diesen Erfolgsserien geben. „Es kann vorkommen, dass Menschen so viele Folgen konsumieren, dass man von einer psychischen Abhängigkeit sprechen muss. Und Netflix und Co. sorgen dafür, dass man schnell und einfach an die ,Suchtmittel‘ gelangen kann“, warnt Ernst. Die betroffenen Personen würden dann gereizt reagieren oder sich niedergeschlagen fühlen, wenn sie mal nicht so viele Folgen ihrer Lieblingsserien sehen können, wie sie wollen. „Spätestens dann muss das eigene Verhalten selbst oder durch andere hinterfragt werden“, sagt Ernst.

Mehr zum Thema: „Game of Thrones“-Wahnsinn! Netflix kündigt neue Staffel an, wie extratipp.com* berichtet. 

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare