“Die Welt wird zur realen Dystopie”

Erste Science-Fiction-Lounge “Think Ursula” auf der Buchmesse

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Sci-Fi-Lounge Buchmesse Frankfurt

Frankfurt - Unbekannte Welten, neue Technologien, eine mögliche Zukunft - darum geht es bei der ersten Sci-Fi-Lounge auf der Frankfurter Buchmesse. Bei “Think Ursula - Science Fiction and beyond” diskutieren acht Autoren über den wirklichen Wert von Science-Fiction-Literatur.

“Wir machen keinen Hehl daraus, dass bei uns alles erfunden ist”, sagt Dietmar Dath, Autor von “Venus siegt” und “Pulsarnacht”. Zusammen mit sieben weiteren Schriftstellern diskutiert er im Frankfurt Pavillon im Hof des Messegeländes über den Wert von Science Fiction. Moderiert wird die in wenigen Monaten organisierte Lounge von Katja Böhme, Geschäftsleiterin Marketing und Kommunikation, und Jochen Dreier. Namensgeberin für die erstmalige Veranstaltung ist Ursula K. Le Guin (1929 bis 2018). Die Autorin schuf zahlreiche Welten wie beispielsweise die Erdsee-Reihe, mit denen sie die Science-Fiction-Literatur maßgeblich gestaltete. 

In nur sechs Monaten stellte Böhme in Zusammenarbeit mit dem Phantastik-Autoren-Netzwerk, kurz PAN, sowie der Unterstützung der Verlage Heyne, Piper, Europa und Fischer Tor die Veranstaltung auf die Beine. Eine recht kurze Zeit für eine solche Diskussionsrunde, gesteht die Geschäftsleiterin. 

Das merken die Besucher leider auch: Der volle Pavillon leert sich nach und nach, an der Bar hinter den Stuhlreihen wird es dafür voller und lauter. Gemurmel geht durch die Reihen während Karen Nölle von ihrer Übersetzer-Arbeit berichtet. Die Zuhörer haben etwas anderes erwartet. Keine Buchvorstellung oder -besprechung, sondern eine Diskussion. Eine, wie sie schließlich von Andreas Brandhorst (“Ewiges Leben”) und Dietmar Dath auch angestoßen wird. Sie sprechen von der Bedeutung von Science Fiction für die jetzige Zeit. “Wir liefern Ideen”, sagt Brandhorst. Ideen oder auch Gedankenexperimenten, die der Frage nachgehen “Was wäre, wenn…?”. Es seien Ideen, mit denen sich Politiker befassen sollten. Science Fiction zeige auf der einen Seite auf, was für Möglichkeiten es für die Zukunft gebe. Eine utopische Welt. 

Auf der anderen Seite stehen die dystopischen Auswirkungen von Überwachung, Genmanipulation oder dem ewigen Leben. “Sci-Fi ist immer von der wirklichen Welt inspiriert”, sagt Judith Vogt (“Roma Nova”). Die Gattung löse sich nie ganz von der realen Welt ab, sondern spinnt das weiter, was vorhanden ist. Sie zeige Extreme auf, um dem Leser bewusst zu machen, was passiert, wenn sie ihre Freiheiten verlieren, erläutert Dmitry Glukhovsky („Metro 2033“). “Die Welt entwickelt sich immer mehr zur Dystopie, vor der wir mit unseren Geschichten warnen.” 

All dies seien Gründe, weswegen die Science Fiction mehr Beachtung verdiene, ernst genommen werden müsse. “Sie ist von innen größer, als man von außen sieht - ähnlich wie die Tardis aus Doctor Who”, fasst Dath die Worte seiner Vorredner zusammen. “Es ist die einzige Kunstrichtung, die weiß, dass es immer noch etwas anderes gibt.”

Quelle: op-online.de

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