Von Axel Grysczyk

Emotionen sollen Pause machen

Von Axel Grysczyk

Die Willensbildung in einer Demokratie basiert auf Fakten. Die können unterschiedlich beurteilt werden. Aber es geht um Fakten, nicht jedoch um Emotionen. Auf der Basis von Emotionen werden Entscheidungen verfälscht, nicht haltbar und letztlich undemokratisch sein.

Derzeit erleben wir, dass Emotionen im Vordergrund stehen. Wer Stimmungen bedient, wähnt sich im Vorteil. Das ist nicht die Lösung.

Dass die „Migration die Mutter aller Probleme ist“, ist so eine Stimmungsmache. Der Ausspruch von Innenminister Horst Seehofer pauschalisiert und stellt eine völlig heterogene Gruppe als Problem dar. Da wirbt die Polizei für neuen Nachwuchs unter Zugewanderten, da holen Jungs mit ausländischen Wurzeln für Deutschland – für ihr Land – den Fußball-WM-Titel, da zahlen Millionen ehrliche Bürger ihre Steuern und werden dann als „Mutter aller Probleme“ vom Innenminister abgekanzelt. Diese fiese Stimmungsmache bringt Menschen gegeneinander auf und befriedet nicht gerade ein Land, das durch diese zahlreichen Stimmungsmacher verunsichert ist.

Es gibt zahlreiche weitere Beispiele: Da gibt der Präsident des Verfassungsschutzes hanebüchene Interviews, in denen er linken Gruppen unterstellt, Videos mit „menschlichen Hetzjagden“ ins Internet gestellt zu haben. Später fühlt er sich dann missverstanden. Bitter: Die Ermittlungen rund um das Video sind noch gar nicht abgeschlossen.

Fakten und Sachlichkeit müssen wieder den Ton angeben, Emotionen helfen nicht bei der politischen Willensbildung. Ansonsten schwächen wir unser eigenes, stabiles System.

Von Axel Grysczyk

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