Verbrechensbekämpfung 

Brennpunkt Allerheiligen: So kommt die Videoüberwachung bei den Frankfurtern an

Eine Überwachungskamera an der Kreuzung Breite Gasse/Allerheiligenstraße soll jetzt für mehr Sicherheit sorgen.

Seit einer Woche hat das Allerheiligenviertel eine Überwachungskamera. Der EXTRA TIPP hat vor Ort nachgefragt: Ist das Viertel zum kriminellen Brennpunkt verkommen? Und ist die neue Videoüberwachung ein wirksames Mittel zur Verbrechensbekämpfung?

Frankfurt/Main – Drogendealer, Schlägereien, Messer-Attacken: Das Frankfurter Allerheiligenviertel, auch bekannt als zweites Rotlichtviertel Frankfurts, ist in den vergangenen Jahren zum Brennpunkt geworden. Eine Überwachungskamera an der Kreuzung Breite Gasse/Allerheiligenstraße soll jetzt für mehr Sicherheit sorgen. „Ziel der neuen mobilen Videoüberwachung für zunächst ein Jahr ist es, potenzielle Täter von Tatbegehungen abzuhalten oder diese zu erschweren“, sagte Polizeipräsident Gerhard Bereswill. Zudem werde die Landespolizei ihre Präsenz im Allerheiligenviertel weiter ausbauen.

"Die Kamera ist das Beste, was man machen kann."

Auch die Anwohner und Geschäftsinhaber vor Ort äußern sich positiv zu der neuen Maßnahme. Insbesondere weil Gewaltdelikte an Tagesordnung sind. Fälle von Körperverletzung bekomme Kiosk-Inhaber Baris Sahan fast tagtäglich mit. „Die Kamera ist das Beste, was man machen kann. Insbesondere für die Geschäfte ist das gut.“ Auf Kriminelle wirke die Überwachung definitiv abschreckend. Das bestätigt auch Mareike Hübscher – auch wenn die Überwachungsanlage für sie zu spät kommt. Die 31-Jährige wurde vor ihrer Wohnung im Allerheiligenviertel Opfer eines Messerangriffs und zog daraufhin weg. „Die Kreuzung, wo die Kamera hängt, ist genau die richtige Stelle, da passiert das meiste. Vielleicht hätten dadurch auch meine Angreifer gefasst werden können.“ Auch die vermehrte Polizeipräsenz befürwortet Hübscher: „Ich habe mich immer gefragt, warum im Allerheiligen-, im Gegensatz zum Bahnhofsviertel, so selten Polizisten zu sehen sind.“

Kiosk-Inhaber Baris Sahan findet die Kameras gut. 

Erste Erfolge kann Ali Ildas, Inhaber des ansässigen Friseursalons Vedat, bereits wenige Tage nach der Installation der Kamera erkennen. „Es ist schon jetzt besser geworden“, sagt er. Man werde auf der Straße nicht mehr so oft gefragt, ob man Drogen kaufen wolle. „Ich habe mir schon lange gewünscht, dass eine Kamera hierher kommt.“

Kamera hängt ein Jahr auf Probe

Tatsächlich hat die Entscheidung lange gebraucht, bis sie im Stadtparlament von allen Regierungsfraktionen akzeptiert wurde. Ein Jahr soll die Kamera nun auf Probe dort hängen. Danach wird entschieden, ob sie sinnvoll ist. Ein Trinkhallen-Inhaber, der anonym bleiben möchte, kennt die Antwort schon jetzt. „Das bringt gar nichts“, sagt er. „Die Kriminellen wissen genau, wo die Kamera hängt, und verziehen sich einfach in andere Straßen.“ Ortsvorsteher Oliver Strank bezeichnet das allerdings als Totschlagargument. „Ich halte die Kamera für den richtigen Weg“, sagt der SPD-Politiker. Es gehe schließlich auch um die gefühlte Sicherheit. Viele Anwohner fühlten sich bedroht, sagt der Ortsvorsteher. Und in Gesprächen hätten sich die meisten für die Überwachungstechnik ausgesprochen. Die Verletzung der Privatsphäre sei kaum ein Thema.

Ortsvorsteher Oliver Strank: "Ich halte die Kamera für den richtigen Weg."

„Das Viertel ist schon seit mehreren Jahren ein Brennpunkt.“ Gastronomen hätten laut Strank teilweise sogar Angst, die Polizei zu rufen, weil sie Rache fürchteten. Trotzdem hält er das Allerheiligenviertel für eine Gegend mit Potenzial, in bester Stadtlage. Um das Areal aufzuwerten, müsse aber die Sicherheit gewahrt werden.

Rebekka Farnbacher

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