Frankfurt: Braucht Frankfurt einen Nachtbürgermeister?

Mirko Ferenczy

Anwohner beschweren sich über Lärm und Dreck, Partygänger und Veranstalter fühlen sich von Vorschriften gegängelt: In Frankfurt soll künftig ein Nachtbürgermeister solche Konflikte schlichten. Was halten Menschen aus der Szene von diesen Plänen?. Von Rebekka Farnbacher

Frankfurt – Städte wie New York, Amsterdam und Mannheim machen es vor – jetzt will auch Frankfurt einen Nachtbürgermeister einsetzen. Dieser soll als Vermittler zwischen Gastronomen, Veranstaltern und Anwohnern sowie der Politik fungieren, dadurch Konflikte verhindern und gleichzeitig das Nachtleben beleben. Bereits im Sommer soll er zum Einsatz kommen, probeweise für ein Jahr. Laut Antrag sollen 68.000 Euro in die Hand genommen werden. Es muss nur noch geklärt werden, wie eine geeignete Person für den Posten gefunden werden kann.

Wie die Römerkoalition in ihrem Antrag schreibt, sei das Konfliktpotenzial im Nachtleben nicht von der Hand zu weisen, insbesondere an öffentlichen Plätzen, wie dem Mainufer, dem Friedberger Platz oder in Alt-Sachsenhausen. „Beschwerden von Anwohnern über Lärm und Schmutz schlagen regelmäßig hohe Wellen und das Sicherheitsgefühl sinkt zu später Stunde rapide“.

Davon weiß auch Mirko Ferenczy zu berichten, der im Irish Pub in Alt-Sachsenhausen arbeitet. „Gerade auf der Straße herrscht viel Stress und Gewalt. Das ist wie ein Pulverfass und du weißt nicht, wann es explodiert“, sagt Ferenczy. Erst Anfang Februar eskaliert die Situation in dem Partyviertel: Mehrere Gruppen gehen aufeinander los, ein 18-Jähriger wird per Messerstich verletzt, zwei Männer werden mit Tritten und Schlägen attackiert. „Für eine Schlägerei wäre ein Nachtbürgermeister zwar nichts, aber prinzipiell finde ich die Idee gut, dass es jemanden gibt, der zwischen den Gastronomen, Anwohnern und Behörden vermittelt“, sagt Ferenczy. Allerdings dürfe das keine Person aus der Politik sein: „Es braucht jemanden, der das Nachtleben und die Veranstalter seit vielen Jahren kennt und mit dem die Gastronomen auf einer Wellenlänge reden können.“

Auch Nazim Alemdar aus dem Kultkiosk Yok Yok im Bahnhofsviertel ist der Meinung, dass diesen Job jemand übernehmen müsste, der aus dem Nachtleben stammt. Denn er kennt die Kommunikationsschwierigkeiten mit den Behörden: „Nehmen Sie das Beispiel Pokalsieg der Eintracht. Da können Sie den Feiernden nicht sagen, dass sie um 22 Uhr ruhig nach Hause gehen sollen.“ Gleiches gilt für Touristen, die das nächtliche Flair im Bahnhofsviertel erleben wollen. „Das verstehen Beamte oft nicht.“ Prinzipiell hält er einen Nachtbürgermeister für sinnvoll. Dieser sollte auch Gewerbetreibende dafür sensibilisieren, dass sie ihre Ladenfront sauber halten – für den Kioskbetreiber ein täglicher Standard. „Die Stadt sollte sich bitte erst mit ein paar Leuten aus dem Nachtleben unterhalten, bevor einfach jemand benannt wird“, sagt Alemdar. Und was sagen Clubbetreiber zur Idee des nächtlichen Schlichters? „Grundsätzlich bin ich immer für eine Verbesserung der Kommunikation zwischen Clubs, Bars, Anwohnern und der Stadt“, sagt Wolf Heilig, Betreiber des Clubs Ponyhof. „Wenn dadurch Probleme schneller gelöst werden, bin ich natürlich dafür. Ein Nachtbürgermeister, der auch Dinge entscheiden darf, wäre natürlich ein noch spannenderes Konzept.“

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