Schutzhundesport: Sarah und Hank sind echte Champions

„Die Bindung zum Tier muss unbedingt da sein“

Sie sind ein eingespieltes Team und lassen die Konkurrenz hinter sich: Die 16-jährige Sarah Dittrich aus Rodgau und ihr Schäferhund Hank vom Silvano sind die Deutschen Jugendmeister im Schutzhundesport – es ist nicht ihr erster Sieg. Von Julia Oppenländer

Rodgau – Während sich andere Mädels in ihrem Alter hauptsächlich für Klamotten und Make-up interessieren, verbringt Sarah Dittrich aus Rodgau ihre Freizeit am liebsten auf dem Hundeplatz des Vereins für Deutsche Schäferhunde im Stadtteil Weiskirchen. Hier trainiert die 16-Jährige mehrfach die Woche mit ihrem fünfjährigen Schäferhund Hank vom Silvano. Das, was die beiden machen, nennt sich Schutzhundesport. Kennengelernt hat Sarah diesen durch ihre Familie. Seit sie neun Jahre alt ist, geht sie diesem Hobby selbst nach – seit fünf Jahren auch intensiver. Und der Erfolg gibt ihr recht: Mehrfach wurde sie Hessische Jugendmeisterin, qualifizierte sich im April für die Deutsche Jugendmeisterschaft. Auch hier setzten sie und Hank sich gegen die Konkurrenz durch.

„Im Schutzhundesport ist es besonders wichtig, dass die Bindung mit dem Tier da ist“, sagt Sarah. Bei den Prüfungen müssen sie und Hank schließlich ein eingespieltes Team sein. Ein Dreivierteljahr haben die beiden deshalb zusammen trainiert, ehe sie das erste Mal bei einem Wettkampf antraten. Diese sind immer in drei Teile aufgegliedert. Im ersten suchen die Hunde Fährten, laufen also eine gelegte Spur ab und verweisen auf verlorene Gegenstände. Im zweiten geht es um Unterordnung. Da zeigen die Teilnehmer, ob ihr Hund aus der Bewegung heraus auf Kommandos wie Sitz, Platz und Steh hört. Der letzte Teil heißt Schutzdienst. Der Hund sucht nach einem Scheintäter. Wenn er ihn findet, zeigt er dies an und wartet auf weitere Kommandos seines Trainers. Unter anderem kann er sich dann auch in einen Schutzarm verbeißen, den er als Beute sieht.

Doch die Ausbildung zum Schutzhund ist umstritten, einige sprechen sogar von Tierquälerei. Die Kritik kann auch Sarahs Onkel Thomas Eberius nachvollziehen: „Der Außenstehende sieht erst mal nur, dass der Hund eine Person beißt. Dass er danach stolz mit dem Schutzarm der Person als Beute über den Platz läuft, sehen viele gar nicht mehr. Es geht den Hunden nicht um den Angriff auf den Menschen.“ Um Vorurteile abzubauen, bietet der Verein in Weiskirchen deshalb regelmäßig Tage der offenen Tür an. Besucher können sich dabei selbst einen Eindruck von den Ausbildungstechniken verschaffen. Diese kommen im Gegensatz zu früheren Zeiten völlig ohne Gewalt aus und sind vor allem nicht zum Scharfmachen der Tiere gedacht. „Die Wettkampfrichter wollen übrigens auch einen fröhlichen Hund sehen und keinen, der aus Angst die Befehle seines Trainers befolgt“, sagt Eberius.

Auch Sarah musste sich schon kritischen Fragen ihrer Freunde stellen. „Viele glauben, dass Hank gar keine Lust drauf hat, diese Aufgaben zu erfüllen. Aber für ihn ist das ein großes Spiel, an dessen Ende er sein Spielzeug bekommt. Er hat da richtig viel Spaß dran, ist in Bewegung und ausgelastet“, sagt sie. „Und ist Hank glücklich, bin ich es natürlich auch. Das haben meine Freunde inzwischen auch verstanden.“

Vor Hank hatte Sarah die Schäferhündin Fly vom Erdnuckel an ihrer Seite. „Sie ist seit 2017 aber im wohlverdienten Ruhestand auf der Couch bei meinem Onkel“, sagt Sarah lachend. „Auch Hunde kommen irgendwann in das Alter, in dem diesen Sport nicht mehr ausüben können.“

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