Personalkosten senken

Aldi Süd stellt auf Aushilfen um: Müssen Tausende Menschen um ihren Job bangen?

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Mehr Mitarbeiter für weniger Lohn? Aldi Süd will rund 10.000 neue Arbeitnehmer einstellen, das behauptet zumindest die Lebensmittel Zeitung. Dabei setze der Discounter auf Aushilfen, statt ausgebildete Fachkräfte – um Personalkosten in den Griff zu bekommen.

Frankfurt – Eigentlich ist die Supermarkt-Kette als Arbeitgeber sehr beliebt. Im Gegensatz zu anderen Discountern setzt Aldi Süd auf ausgebildete Fachkräfte, stellt Minijobber und Aushilfen nur begrenzt ein. Nun soll sich die Personalpolitik jedoch grundlegend ändern, wie lebensmittelzeitung.de berichtet.

"Aldi Süd versucht mit einem stärkeren Einsatz von Aushilfen seine steigenden Personalkosten in den Griff zu bekommen. Bei den Wettbewerbern ist das schon länger Usus", schreibt das Online Portal. Weiter heißt es, der Discounter wollte rund 10.000 neue Mitarbeiter, darunter – im Gegensatz zu früher – auch viele Aushilfen einstellen.

Aldi Süd wirbt mit merkwürdigem Slogan um Aushilfen

Der Grund: Die Personalkosten sind laut BR – gemessen am Umsatz – auf 8,4 Prozent gestiegen. Deshalb wolle Aldi Süd laut Insider-Informationen jetzt ebenfalls auf den günstigeren Zug aufspringen. Und tatsächlich: Auf der Internetseite des Großkonzerns wird derzeit nach Aushilfen gesucht

Als Mini-Jobber (6 Stunden) oder Ladenhilfe (20 Stunden) sollen die neuen Mitarbeiter ihrer Kollegen tatkräftig unterstützen. Ihre Aufgabenbereiche: Warenaufbau, Präsentation der Waren, Aktionen, Kasse. Dabei wirbt Aldi Süd mit einem merkwürdigen Slogan um die neuen Angestellten: "Raus aus dem Alltag und eintauchen in die Welt des Einzelhandels." Von dieser romantischen Vorstellung halten die Gewerkschaften allerdings wenig. 

Verdi Hessen klagt: Mitarbeiter "von Armut bedroht"

Es sei eine Entwicklung, die in vielen Bereichen zu sehen, erklärt Bernhard Schiederig von Verdi Hessen in Frankfurt gegenüber Extratipp.com. Der Landesfachbereichsleiter für das Thema Handel ist sicher, dass diese Umstellung bei Aldi Süd "dramatische Auswirkungen" auf alle Mitarbeiter hat. 

Denn Aushilfen stehen ständig unter Druck: Sie müssen sich nach den vorgegebenen Arbeitszeiten beugen, sonst verlieren sie ihren Job. Meist sind sie nur in den Stoßzeiten gebucht. Das ist gut für den Konzern, denn Arbeitnehmer in Vollzeit brauchen Pausen und können nicht acht Stunden lang 100 Prozent geben. Aushilfen hingegen schon – in ihrer kurzen Anwesenheit. 

Der Fokus auf mehr Aushilfen bei Aldi Süd hätte laut Verdi Hessen "dramatische Auswirkungen".

Noch dazu verdienen sie monatlich nur wenig Geld: "Diese Menschen sind oft von Armut bedroht", erklärt Schiederig. Außerdem werden Aushilfen oft nicht richtig zum Team gezählt, schließlich bleiben sie nicht lange. Seine Schlussfolgerung: Aldi Süd setzt verstärkt auf Flexibilität – bei den Arbeitszeiten und dem Personal. Eine Frage blieben ihm aber noch offen: "Welcher sozialen Verantwortung wird man damit gerecht? Das halte ich für fragwürdig."

Vorwürfe von Lohn-Dumping: So reagiert Aldi Süd

Auf Nachfrage bei dem Großkonzern in Mühlheim an der Ruhr wird allerdings schnell klar: Die Lage ist nicht ganz so dramatisch. Zwar stellt die Supermarktkette tatsächlich Aushilfen, Studenten und Mini-Jobber, aber: "Der Schwerpunkt liegt weiterhin auf unseren langjährigen und unbefristet beschäftigten Mitarbeitern", erklärt Aldi Süd gegenüber Extratipp.com. 

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Auch soll das Verhältnis der Angestellten gleich bleiben: "Aushilfen bilden einen geringen Anteil unserer Mitarbeiter im Verkauf. Das Verhältnis zwischen Aushilfen und übrigen Mitarbeitern wird sich n icht signifikant ändern." Auch würde man aktuell gar nicht nach 10.000 neuen Mitarbeitern suchen: "Diese Zahl entspricht den geschalteten Stellen auf unserer Webseite und nicht den tatsächlichen Vakanzen", schreibt Aldi Süd etwas kryptisch als Erklärung. Soll heißen: Insgesamt wurden 10.000 Stellen ausgeschrieben, so viele werden aber nicht besetzt. 

Lisa Fraszewski

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