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Frankfurt-Schock: Ärzte verweigern Blinder den Zutritt – der Grund macht sprachlos

Die blinde Regina Löw ist auf Assistenzhund Charlie angewiesen. Denn einen sehenden Partner, der sie begleitet, hat sie nicht. Foto: nh

Die blinde Regina Löw bekommt keinen Termin beim Orthopäden. Der Grund: Assistenzhund Charlie. Dabei gilt das Tier als Hilfsmittel und muss überall Zutritt haben. Dass die Offenbacherin kein Einzelfall ist, zeigen auch andere Fälle im Rhein-Main-Gebiet.

Frankfurt – Seit Monaten sucht Regina Löw einen Orthopäden. Vergeblich. Niemand will die Blinde dauerhaft behandeln. „Ich war seit einem Dreivierteljahr nicht mehr beim Orthopäden“, sagt sie. Dabei bräuchte sie dringend Einlagen und einen Arzt, der ihre kranke Halswirbelsäule untersucht. Grund dafür ist nicht etwa ein Patienten-Aufnahmestopp, sondern Löws Assistenzhund Charlie. 

„Die Ärzte begründen die Ablehnung mit der Hygiene-Verordnung“, sagt die Offenbacherin (in der Nähe von Frankfurt). Anfangs will sie sich die Zurückweisung nicht gefallen lassen. Schließlich ist ihr Golden Retriever nach dem Gesetz kein Tier, sondern ein Hilfsmittel wie ein Rollstuhl oder Blindenstock, das überall Zutritt haben muss. „Ich habe mich an den Blindenverband gewendet“, sagt die Offenbacherin. Doch nachdem Druck von offizieller Stelle gekommen sei, habe sie der Orthopäde nicht mehr zuvorkommend behandelt. Regina Löw begibt sich erneut auf die Suche. Zwar findet sie zwischenzeitlich einen Mediziner, der sie aufnimmt, jedoch nur für kurze Zeit. Auch er bittet die 64-Jährige zu gehen. Der Grund: „Der Arzt sagte, dass er zu viele muslimische Patienten habe, die ein Problem mit Hunden haben.“

Frankfurt: Schock! Ärzte verweigern Blinder den Zutritt – der Grund macht sprachlos

Nach diesem Vorfall gibt Regina Löw aus Offenbach in der Nähe von Frankfurt den Kampf auf. „Mittlerweile frage ich vorher, ob ich mit Hund kommen darf“, sagt sie. Doch auch das hilft der Alleinstehenden nicht weiter. Auch bei Cafés oder Backshops in Offenbach steht Regina Löw immer wieder vor Türen, die für sie verschlossen sind. „Die Mitarbeiter haben oft Angst, dass sie ihren Job verlieren, wenn sie mich mit Charlie reinlassen“, sagt die Sehbehinderte. Natürlich könne sie das Ordnungsamt informieren. Doch sie habe kein Interesse daran, eine Existenz zu zerstören. „Schließlich gibt es noch genügend andere Cafés, in die ich gehen kann“, sagt sie.

Ähnliche Erfahrungen hat auch Manuel Almeida gesammelt. Auch ihn haben Verkäufer einer Bäckerei in Hanau gebeten, diese mit seinem Blindenführhund zu verlassen. „Ich kann verstehen, dass an bestimmten Orten unangebracht ist, den Hund mitzunehmen“, sagt er. Allerdings könne er sich mit dem Blindenstock behelfen. Doch genau das kann Regina Löw nicht. „Die Wege dauern mit Stock deutlich länger“, sagt sie. Denn sie laufe mit dem Hilfsmittel häufig erst gegen ein Hindernis, bevor sie um es herum laufen könne. Charlie zeigt der Blinden hingegen, wo sie entlang gehen muss, ohne dass sie sich stößt. Außerdem sucht er ihr eine Sitzgelegenheit und reagiert auf den Befehl „Such Mülleimer“.

Dass Regina Löw aus Offenbach bei Frankfurt und Charlie kein Einzelfall sind, zeigt der Appell von Johannes Baron, Dezernent im Amt für Arbeit und Soziales im Main-Taunus-Kreis. Er forderte Geschäftsinhaber und Veranstalter erst kürzlich dazu auf, Menschen mit Führhunden Zutritt zu gewähren. „Ich habe während einer Sitzung des Kreisbehindertenbeirates erfahren, dass Blinde hier immer wieder Probleme haben“, sagt Johannes Baron. Die Sorge, dass die Tiere in Geschäften oder Kinos für Unruhe sorgen könnten, sei unbegründet. Denn Assistenzhunde seien immer ganz nah bei ihren Besitzern.

Das bestätigt auch Regina Löw: „Wenn Charlie in seinem Hundegeschirr ist, weiß er, dass er sich auf mich konzentrieren muss.“

Von Anna Scholze

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