Im Trainingslager für sich werben

Weniger Kilos, mehr Chancen: Der Kampf von Marc Stendera

+
Marc Stendera

Frankfurt - Sieben Nationalspieler sind noch nicht wieder zurück, werden erst nach einem dreiwöchigen Sonderurlaub nach der Weltmeisterschaft wieder zum Kader stoßen. Andere wichtige Spieler werden überhaupt nicht wiedergekommen, sie haben den Verein verlassen. Von Peppi Schmitt

Im Kader der Frankfurter Eintracht ist in diesen Tagen und Wochen viel Bewegung. Gerade jene, mit denen niemand mehr so wirklich rechnet, die zwar noch Verträge haben, deren Beratern aber mitgeteilt wurde, dass sie sich einen neuen Arbeitgeber suchen sollen, kämpfen um ihre letzte Chance. Dazu bietet das Trainingslager in den USA die beste Gelegenheit. In der Hitze von Salt Lake City wollen sie dem neuen Trainer Adi Hütter beweisen, dass sie der Mannschaft doch noch helfen können. Taleb Tawatha zum Beispiel, der schon beim ersten Testspiel in Offenburg (7:1) mit viel Offensivgeist aufgefallen war. Oder Max Besuschkow, dessen kurzer Ausflug zu Holstein Kiel in der Rückrunde nicht wirklich erfolgreich verlaufen ist. Auch Branimir Hrgota, dem ein Angebot aus Hannover vorlag, das er aber nicht angenommen hat.

Und vor allem Marc Stendera. „Ich bin bei der Eintracht und habe momentan nicht vor, etwas anderes zu machen“, hat Stendera nach dem Spiel in Offenburg gesagt. Er wolle sich beim Training „anbieten“, hat er noch hinzugefügt. Stendera, der in 71 Bundesligaspielen seine Qualitäten nachgewiesen hat, will nicht aufgeben. Der Vertrag läuft noch bis 2020, den Rückschlägen in der letzten Saison, als er von Trainer Niko Kovac kaum noch eingesetzt wurde, will er trotzen. Dafür hat er einiges getan in der abgelaufenen Sommerpause. Er hat trainiert, ziemlich hart, angeleitet von einem Personaltrainer. Das Ergebnis ist für jedermann sichtbar. Stendera, dem immer den Hang zum Übergewicht nachgesagt wurde, hat abgenommen, insgesamt vier Kilo. Das sieht man. Er ist schlank und rank aus dem Urlaub zurückgekehrt und will es jetzt wieder wissen.

Mit Kevin-Prince Boateng und Omar Mascarell haben zwei Mittelfeldspieler den Verein verlassen, mit Lucas Torró ist erst ein Neuer hinzugekommen. Nicht nur deshalb sieht der 22 Jahre alte Stendera eine Chance. Die Ernährung hat er umgestellt, das Gewicht hat er reduziert, nun arbeitet er daran, sein Hauptmanko, die fehlende Schnelligkeit, wenigstens etwas zu verkleinern. Zweifellos wird aus Stendera kein Sprinter mehr werden, er muss andere Elemente ins Spiel bringen. Seine gute Technik, das gute Auge für die Mitspieler, die Leidenschaft und die gute Schusstechnik. Als er vor inzwischen schon fünf Jahren aus der Jugend zu den Profis gekommen war, galt das Eigengewächs zum Beispiel auch als Freistoßspezialist. Dieses Talent ist eine Station weiter oben verschüttet gegangen. Wie so vieles in den letzten Monaten. Obwohl endlich einmal von Verletzungen verschont, hat es zwischen ihm und dem Trainer nicht mehr funktioniert. Irgendwann hatte Niko Kovac das Vertrauen in Stendera verloren. Nur siebenmal hat er ihn eingesetzt in der letzten Saison. Ein verlorenes Jahr also. Nun startet „Stender“ einen Neuanfang.

Eintracht wieder am Ball: Bilder zum Trainingsauftakt

Ganz ähnlich geht Max Besuschkow ins Rennen. Vor einem Jahr galt er kurzzeitig als „Entdeckung des Trainingslagers“. Das war in Gais in Südtirol, wo der von der Regionalligamannschaft des VfB Stuttgart gekommene Mittelfeldspieler eine eindrucksvolle Trainingswoche hinter sich gebracht hatte. Doch dann konnte er die Trainingsleistung in den Testspielen nicht bestätigen und verschwand in der Versenkung, Besuschkows Vertrag läuft noch bis Juni 2020. „Ich will mich zeigen, ich will mich empfehlen“, hat er sich für die Arbeit auf den Trainingsplätzen der „Real Salt Lake Academie“ vorgenommen., „wichtig ist, dass ich eine Chance bekomme.“

Wie bei Stendera besteht beim 21 Jahre alten Besuschkow wegen der Vertragsdauer die Gelegenheit für die Eintracht, sie weiter zu verleihen. Die Entscheidungen darüber wird am Ende Trainer Hütter fällen müssen, wenn er sich ein genaues Bild vom Leistungsvermögen der einzelnen Spieler gemacht hat.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare