Die Farce mit den „Quotendeutschen“

Warum die Eintracht Mühe hat, acht deutsche Spieler zu melden

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Mannschaftsfoto 2018/2019

Frankfurt - Paragraph 53 der DFB-Spielordnung regelt die Anzahl der erlaubten ausländischen Spieler in der Bundesliga. Da heißt es wörtlich: „Jeder Club ist verpflichtet, zwölf Lizenzspieler deutscher Staatsangehörigkeit unter Vertrag zu halten.“ Von Peppi Schmitt

Hinter dieser Regelung, die für alle Vereine bindend ist, um überhaupt eine Erlaubnis für die Teilnahme am Ligabetrieb zu bekommen, steckte einst der gute Wille, etwas für den eigenen Nachwuchs zu tun, Platz zu schaffen für Jugendspieler aus dem eigenen Verband. Darum schreibt die „Lizenzordnung Spieler“ ergänzend auch vor, dass die Vereine acht lokal ausgebildete Spieler, davon vier im Verein, unter Vertrag haben müssen. Hört sich sinnvoll an, hat sich aber in den letzten Jahren immer mehr zur Farce entwickelt. Denn die Vereine halten sich nur noch formal an diese Regelungen, erfüllen den Geist der Regelung aber nicht mehr.

Das liegt in erster Linie daran, dass viele Vereine die „Internationalisierung“ in ihren Mannschaften längst als Geschäftsmodell entdeckt und weiterentwickelt haben. Die Frankfurter Eintracht ist dafür ein Paradebeispiel. Seit Sportvorstand Fredi Bobic das Sagen hat, wurde das Scouting nicht nur numerisch, sondern auch geografisch immer weiter ausgedehnt. Die Frankfurter Späher suchen neue, interessante und vor allem bezahlbare Spieler immer öfter im Ausland, zuletzt bevorzugt in Frankreich, Portugal oder Spanien. Das korrespondiert sicher nicht mit den oben genannten Regeln, hat sich bei der Eintracht aber als sportlich wie wirtschaftlich durchaus gewinnbringend herausgestellt. Dahinter steckt die Tatsache, dass ausländische Talente noch preiswerter zu haben sind wie die deutschen, die von fast allen Clubs umworben werden.

Die Eintracht fährt seit Jahren gut mit ihrer „Multi-Kulti-Truppe“, die inzwischen mit Spielern aus 17 verschiedenen Nationen zusammengestellt ist. Das Publikum feiert die Spieler völlig unabhängig von ihrer Herkunft. Das war in der internationalsten deutschen Stadt schon immer so, erinnert sei hier nur den Star der Meistermannschaft von 1959, den Ungarn Istvan Sztani, oder spätere fußballerische Helden wie den Ghanaer Anthony Yeboah, den Nigerianer Jay-Jay Okocha oder den Norweger Jan-Aage Fjörtoft. Frankfurt wird leicht zur Heimat internationaler Spieler. Vielleicht ist so ja auch die Begeisterung der Fans rund um die Spiele der Europa-League zu erklären.

Viele andere Vereine in der Bundesliga gehen aus finanziellen Gründen einen ähnlichen Weg. So fischt auch der Nachbar aus Mainz bevorzugt und erfolgreich im Teich französisch-stämmiger Spieler. Alle Clubs müssen aber jeweils zu Beginn von Vorrunde und Rückrunde genau hinschauen, ob die Vorgaben der Verbände erfüllt sind. Das führt ab und an zu absurden Konstruktionen, was auch wieder am Beispiel der Eintracht deutlich wird. Die zwölf geforderten deutschen Lizenzspieler sind aktuell: Kevin Trapp, Marco Russ, Danny da Costa, Sebastian Rode, Marc Stendera, Timothy Chandler, Jan Zimmermann, Sahverdi Cetin, Noel Knothe, Mischa Häuser, Patrice Kabuya und Tobias Stirl. Cetin, Häuser, Kabuya und Stirl spielen in der A-Jugend und sind meilenweit weg von Einsätzen bei den Profis, gehören nur selten zur Trainingsgruppe. Zimmermann ist der dritte Torhüter, Knothe ebenfalls chancenlos für einen Kaderplatz. Die Frankfurter müssen also drei, vier oder gar fünf „Quotendeutsche“ unter Vertrag haben, um das vorgeschriebene Soll zu erfüllen. Was sicher nicht dem Ziel dient, den eigenen Nachwuchs zu fördern. Im Grunde behindert es sogar dieses Ziel, denn Knothe wäre sicher bei einem Verein, bei dem er Spielpraxis sammeln könnte, besser aufgehoben.

Marktwerte der Spieler von Eintracht Frankfurt: Bilder

Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Nelson Mandela Mbouhom: 100 Tausend Euro © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Noel Knothe: 100 Tausend Euro © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Deji Beyreuther: 100 Tausend Euro © Hübner
Fussball 1.Bundesliga, Eintracht Frankfurt Fototermin 2018/19 - 1.BL Porträttermin 2018/2019
Mischa Häuser: 100 Tausend Euro © Hübner
Fussball 1.Bundesliga, Eintracht Frankfurt Fototermin 2018/19 - 1.BL Porträttermin 2018/2019
Patrice Kabuya: 200 Tausend Euro © Hübner
Fussball 1.Bundesliga, Eintracht Frankfurt Fototermin 2018/19 - 1.BL Porträttermin 2018/2019
Tobias Stirl: 200 Tausend Euro © Hübner
Fussball 1.Bundesliga, Eintracht Frankfurt Fototermin 2017/2018
Sahverdi Cetin: 200 Tausend Euro © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Jan Zimmermann: 250 Tausend Euro © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Felix Wiedwald: 600 Tausend Euro (zuvor 1 Millionen Euro) © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Marco Russ: 750 Tausend Euro (zuvor 1 Million Euro) © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Branimir Hrgota: 750 Tausend Euro (zuvor 1 Million Euro) © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Makoto Hasebe: 1 Million Euro © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Allan Souza: 1 Million Euro (zuvor 1,25 Millionen Euro) © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Taleb Tawatha: 1,5 Millionen Euro © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Gelson Fernandes: 1,5 Millionen Euro © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Marc Stendera: 2 Millionen Euro © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Nicolai Mueller: 2,5 Millionen Euro (zuvor 3 Millionen Euro) © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Frederik Rönnow: 2,5 Millionen Euro (zuvor 3 Millionen Euro) © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Jonathan de Guzman: 3 Millionen Euro (zuvor 2,5 Millionen Euro) © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Goncalo Paciencia: 3 Millionen Euro © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Marco Fabian: 3 Millionen Euro (zuvor 4,5 Millionen Euro) © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Simon Falette: 3,5 Millionen Euro (zuvor 4 Millionen Euro) © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
David Abraham: 3,5 Millionen Euro (zuvor 4 Millionen Euro) © Hübner
Chico Geraldes: 4 Millionen Euro © Eintracht Frankfurt
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Lucas Torro: 5 Millionen © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Timothy Chandler: 5 Millionen Euro © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Jetro Willems: 6,5 Millionen Euro (zuvor 7 Millionen Euro) © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Danny da Costa: 8 Millionen Euro (zuvor 5 Millionen Euro) © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Mijat Gacinovic: 9 Millionen Euro (zuvor 8 Millionen Euro) © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Carlos Salcedo: 10 Millionen Euro © Hübner
Eintracht Frankfurt präsentiert Kevin Trapp
Kevin Trapp: 10 Millionen Euro © picture alliance/dpa
Fussball 1.Bundesliga, Eintracht Frankfurt Training
Filip Kostic: 10 Millionen Euro (zuvor 6 Millionen Euro) © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Evan N'dicka: 15 Millionen Euro (zuvor 6 Millionen Euro) © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Sebastien Haller: 35 Millionen Euro (zuvor 15 Millionen Euro) © Hübner
Fussball 1.Bundesliga, FC Schalke 04 - Eintracht Frankfurt
Ante Rebic: 35 Millionen Euro (zuvor 30 Millionen Euro) © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Luka Jovic: 40 Millionen Euro (zuvor 20 Millionen Euro) © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Marktwert des gesamten Kaders: 223,85 Millionen Euro © Hübner

Die Verbände, DFB und DFL, scheint dies alles nicht zu stören. Und auch der europäische Verband UEFA, zieht da mit. Unter den für die Champions-League und Europa-League gemeldeten 25 Spieler müssen acht sein, die für die Nationalmannschaft des jeweiligen Verbandes, hier also Deutschland, spielberechtigt wären. Auch da müssen die Clubs Kompromisse eingehen. Das hat bei der Eintracht dazu geführt, dass mit Deji Beyreuther und Noel Knothe zwei Spieler gemeldet werden mussten, die sportlich keine Rolle gespielt haben. Es wäre sicher eine Aufgabe der Verbände, die durchaus auch juristisch umstrittenen Einschränkungen zu ändern.

Quelle: op-online.de

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