Fans feiern ihren „Fußball-Gott“

Ein Tor wie ein Gemälde: „Alex Meier ist Eintracht Frankfurt“

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Frankfurt - Es gibt Tore, die man nie vergisst. Einige davon sind im Frankfurter Stadion gefallen. Erinnert sei an Jay-Jay Okochas Tänzchen mit Oliver Kahn, damals noch beim Karlsruher SC im Tor. Es war am 31. August 1993 das 3:1 für die Frankfurter Eintracht. Oder an Jan-Aage Fjörtofts Übersteiger gegen den 1. FC Kaiserslautern am 29. Mai 1999 zum 5:1. In diese Kategorie gehört das Tor von Alexander Meier am Samstag. Von Peppi Schmitt

Der 5. Mai 2018 wird unvergesslich bleiben. In der 87. Minute wurde Meier eingewechselt, in der 91. Minute traf er zum 3:0 gegen den HSV. Es war ein Tor wie ein Gemälde. „Ganz großer Sport“, fasste Präsident Peter Fischer treffend zusammen. Es ist eine dieser Geschichten, die nur der Fußball schreibt. Keiner kann sie erfinden, weil eigentlich zu kitschig. In diesem Fall aber wieder Realität. Ein Jahr war Meier verletzt, musste zwei Fußoperationen über sich ergehen lassen. Acht Wochen hat er zuletzt wieder im Training gestanden. Am Tag vor dem Spiel hatte Trainer Niko Kovac sich dazu durchgerungen, Meier ins Aufgebot zu nehmen. „Eine Sache des Respekts“, hatte der Trainer gesagt. Am Samstag hat Kovac dann noch einen draufgesetzt: „Alex Meier ist Eintracht Frankfurt“.

Was hätte er auch sonst sagen können. Der Jubelsturm war zu einem Orkan angeschwollen, als Meier zur Bank gerufen wurde. Als er dann auch noch den Treffer erzielte, schien die Arena zu explodieren. „Es war ein grandioser Empfang, dafür möchte ich mich bedanken“, sagte Meier später. Die Beschreibung des Tores war dann ein typischer Meier. „David hat eine Super-Flanke geschlagen, ich habe ihn dann gut getroffen, drin war er“, erklärte Meier. Na ja, das war untertrieben. Mit welcher Präzision, mit welcher Selbstverständlichkeit der 35 Jahre alte Frankfurter Stürmer den Ball mit links ins lange Eck platziert hatte, das war große Klasse. Wie er sich freigelaufen hatte, wie er den Kollegen Mijat Gacinovic gestenreich auf einen anderen Weg geschickt hatte, um Platz zu bekommen, das war der angeborene Instinkt eines Torjägers. Meier eben.

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Frankfurt hat danach seinem „Fußball-Gott“ zu Füßen gelegen. Selbst die Mitspieler haben gestaunt. „Seit ich hier bin, haben mir alle gesagt. Alex sei brutal im Strafraum“, erzählte der Schweizer Gelson Fernandes, „jetzt habe ich es selbst gesehen“. Auch Marius Wolf hat zum ersten Mal mit Meier gespielt. „Das war einfach Wahnsinn“, sagte er staunend. Und da waren dann noch jene, die den Treffer vorhergesagt hatten. „Ich hätte mein Vermögen darauf gesetzt, dass er ein Tor macht“, versicherte der alte Weggefährte Marco Russ. Und der Präsident lies es sich nicht nehmen, in der Kabine ein „Selfie“ mit Meier zu schießen. Er habe diese zum ersten Mal getan, weil es „es ein besonderer Moment war“. Am Donnerstag war Fischer mit Meier beim Abendessen. „Da habe ich ihm gesagt, wie es kommen wird“. Es ist so gekommen.

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Meiers Spielervertrag läuft zum Saisonende aus. Es gibt einen in den Aufgaben nicht näher definierten Anschlussvertrag. Meier aber hat klare Ziele. „Ich will weiterspielen und am liebsten bei der Eintracht“, sagte er. Gegen den HSV hat der den Beweis angetreten, dass es noch reicht für die Bundesliga. „Ich bin schmerzfrei, aber natürlich habe ich noch keine Kraft für 90 Minuten“, sagte er. Er hofft auf weitere Einsätze in dieser Saison („Na klar, ich bin doch Fußballer“) und er hofft auf einen neuen Vertrag. Wie groß die Chancen sind? „Ich kann da keine Prozentzahl nennen, da müssen sie andere Leute fragen“, sagt er.

Die Kollegen würden weiter gerne mit Meier spielen. „Der ganze Verein, Mannschaft, Vorstand, Fans und die ganze Stadt wissen, was sie an ihm haben“, lobte Marco Russ, „Alex hat sich diesen Status erarbeitet.“ Wichtig sei bei Meier alleine die Gesundheit. Russ: „Wenn er gesund ist, tut er jeder Mannschaft gut, auch mit 35 Jahren. Wenn ich gefragt werde, ob er bleiben soll, na klar. Ich bin ganz klar pro Alex Meier.“ Die Entscheidung treffen werden aber andere. Sportvorstand Fredi Bobic, aber in erster Linie natürlich der neue Trainer. Man werde das „intern besprechen“ kündigte Bobic an, „dabei werden wir Realismus wahren und nicht Fantasie oder Herzgeschichten in den Vordergrund stellen.“ Ganz Frankfurt hofft, dass dieser Realismus zu einem weiteren Jahr mit dem Fußball-Gott führen wird. Was spricht eigentlich dagegen?

Quelle: op-online.de

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