Nach dem Transferhammer

Adi Hütter ist neuer Eintracht-Trainer - aber wer ist der Typ, den keiner auf dem Zettel hatte?

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Passt Adi Hütter zu Eintracht Frankfurt? Auf den ersten Eindruck: ja!

Adi Hütter soll der neue Trainer von Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt werden. So tickt der Österreicher wirklich. 

Frankfurt - Er führte den BSC Young Boys Bern nach 32 (!) Jahren wieder an die Spitze des Schweizer Fußballs - und wie. Trainer Adi Hütter coachte den Hauptstadklub an der Dominanz des FC Basel vorbei zu einem Meistertitel, der bereits vier Spieltage vor Schluss feststand - und an dem es spätestens seit der Winterpause nicht den Hauch eines Zweifels mehr gegeben hatte. Am 27. Mai hat er zudem die Chance auf den Gewinn des Schweizer Pokals. Nun soll Hütter nach übereinstimmenden Medienberichten zur neuen Saison Trainer von Eintracht Frankfurt werden.

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Doch wer ist Adi Hütter überhaupt? Was zeichnet ihn aus? Der gebürtige Österreicher stand als Spieler unter anderem bei Austria Wien, Grazer AK und Red Bull Salzburg unter Vertrag und hat sich nach dem Ende seiner Profilaufbahn als Trainer einen Namen gemacht. Der 14-fache österreichische Nationalspieler halft nicht nur bei Salzburgs Aufstieg in die erste Liga mit, er gewann mit ihnen auch das österreichische Double. 2015 übernahm er dann den schwer angeschlagenen Hauptstadtklub aus der Schweiz und führte ihn zurück in die Erfolgsspur.

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Die Bundesliga war immer das Ziel Hütters

Gegenüber einer Zeitung sagte er kurz nach dem Gewinn der Meister Ende April, dass dieser Erfolg viel wertvoller gewesen sei, als das österreichische Double. In der Schweizer Medienlandschaft ist man sich sicher: Gewinnt er auch noch den Pokal, macht er sich unsterblich. Umso schwerer dürfte da der Abschiedsschmerz sein. Doch Hütter hat auch immer wieder betont, dass ihn die Bundesliga reize. Er war schon einmal im November vergangenen Jahres mit Werder Bremen in Verbindung gebracht worden, nun also offenbar der überraschende Wechsel nach Frankfurt.

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In der Mainmetropole wird sich Hütter an das höhere Niveau des deutschen Fußballs gewöhnen müssen - und womöglich daran, erst einmal nicht international spielen, was ihm in der Schweiz mit Bern möglich gewesen wäre. Denn der Schweizer Meister nimmt an der Qualifikation zur Champions League teil. Dennoch könnte es für ihn der nächste Schritt auf der Karriereleiter sein, um sich auch außerhalb von Österreich und der Schweiz einen Namen zu machen. Das wird ihm auch von Fachkreisen wie den 11Freunden zugetraut.

Der Österreicher Adolf „Adi“ Hütter (48) wird bei Eintracht zur neuen Saison Nachfolger von Niko Kovac.

Wie gut funktioniert die Achse Hütter-Bobic?

In Bern war Hütter allerdings nur ein Teil des Erfolges, so wie der scheidende Niko Kovac (46), der als Coach die Frankfurter Eintracht in Richtung des Pokalgegners FC Bayern München verlässt, nur ein Teil war. Der andere Teil war der Sportvorstand. In Hütters Fall hieß der Christoph Spycher, ehemaliger Spieler von Bern - und Ex-Kapitän von Eintracht Frankfurt. Bei seinem potenziellen neuen Arbeitgeber heißt er Fredi Bobic. Und auch der steht gemeinsam mit Kovac von der Umformung des Vereins von einem Abstiegskandidaten in eine Mannschaft, die im Mittelfeld gut mitspielen kann und bei idealem Saisonverlauf sogar Chancen auf die internationalen Plätze hat. 

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Hütters Stil in Bern: offensiv, stabil, mannschaftlich geschlossen. Bereits vor der Meistersaison sagte er, dass jeder gehen könne, der damit nicht umgehen kann, auch mal weniger zu spielen. Er stellt sich selbst vollständig in den Dienst des Vereins - und erwartet das auch von seinen Spielern. Es wird interessant zu sehen sein, wie er diese Philosophie bei der Multikulti-Truppe in Frankfurt durchsetzt. Damit hat er allerdings in Bern auch schon Erfahrungen gemacht. Daneben eilt im der Ruf voraus, Talente fördern zu können. Und er ist erfolgshungrig. Ihm reicht es nicht ein Spiel zu gewinnen, er will sie alle gewinnen. Deshalb wurde er in Österreich geliebt, in der Schweiz als "Trainergott" verehrt. Ein "Ausbildungstrainer" will er aber nicht sein. Die Tatsache, stets die besten Spieler abgeben zu müssen, ließ ihn schließlich aus Salzburg gehen.

In der Ruhe liegt Hütters Erfolg

Frankfurt war in dieser Saison, das lässt sich selbst vor dem Saisonabschluss mit dem Pokalfinale bereits sagen, ebenfalls immer nur dann so richtig erfolgreich, wenn jeder für den anderen gerannt ist und gekämpft hat. Sie kamen über das Kollektiv. Genau dieses gilt es für Hütter nach dem etwas unrühmlichen Kovac-Abgang und dem schwachen Saisonendspurt mit dem nach dem Verlauf der Runde enttäuschenden Rang acht im Abschlussklassement neu zu beschwören.

Adi Hütter war Trainer bei RB Salzburg. 

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Seine Philosophie scheint dazu zu passen. Denn in Bern sagte er einmal, er wolle den Leuten nicht als Großmaul in Erinnerung bleiben, sondern als Trainer, von dem es heiße, er habe dem Club ­weitergeholfen und Spuren hinterlassen. Das kann er in Bern inzwischen zweifellos bejahen, in Frankfurt bleibt es abzuwarten. Sein Arbeitsstil im Team, seine Philosophie und sein Erfolgshunger würden der SGE in jedem Fall gut zu Gesicht stehen. Hoffentlich darf er genauso wie in Bern in Ruhe arbeiten, denn dann kommt sicher auch der Erfolg.

Philipp Keßler

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