Überangebot im Mittelfeld

Die Nacht der Entscheidung: Hütter sortiert Spieler aus

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Frankfurt - Eintracht Frankfurt hat ein Überangebot an Spielern im Mittelfeld. Noch vor dem Trainingslager, das die Frankfurter ab Sonntag im italienischen Gais beziehen, will der Trainer handeln. Drei, vier Profis wird er wohl zu Hause lassen. Von Peppi Schmitt

Johnny de Guzman, Makoto Hasebe, Gelson Fernandes, Lukas Torró, Marijan Cavar, Marco Fabián, Marc Stendera und Allan Souza haben zwei Dinge gemeinsam: Sie stehen bei der Frankfurter Eintracht unter Vertrag und sie sind Mittelfeldspieler. Mit Mijat Gacinovic und Daichi Kamada sind zwei weitere Spieler im Kader, die im offensiven Mittelfeld eingesetzt werden können. Und mit Francisco „Chico“ Geraldes werden die Frankfurter noch einen weiteren Mittelfeldspieler verpflichten. Selbst aus Sicht von Trainer Adi Hütter sind das eindeutig zu viele. Noch vor dem Trainingslager, das die Frankfurter ab Sonntag im italienischen Gais beziehen, will er deshalb einen „Cut“ machen, also überzählige Spieler aussortieren. "Wir wollen an taktischen Feinheiten arbeiten und das mit 28 Spielern einfach nicht möglich", sagte Hütter. Gerade im Mittelfeld sei das Angebot zu groß. „Zu viele Spieler“, sagt Hütter knallhart. Drei, vier Profis wird er wohl zu Hause lassen.

Über Nacht werden also einige zittern müssen. Marc Stendera gehört zu den Streichkandidaten, obwohl er zuletzt stark gespielt hatte. Daichi Kamada, dem alle großes Talent bescheinigen, sicher auch. Aber beide sind eben Mittelfeldspieler. Erwischen kann es auch einen Abwehrspieler wie Noel Knothe oder Stürmer wie Branimir Hrgota und Nelson Mandela. Für jeden Spieler wäre die Ausbootung das ultimative Signal, dass sie sich nach einem neuen Verein umschauen sollen. Seine Entscheidungen will Hütter noch am Freitag bekannt geben. Die „Aussortierten“ werden zu Hause in Frankfurt unter der Anleitung des Technischen Direktors Marco Pezzaiuoli trainieren, der ja schon Bundesligaerfahrung als Coach der TSG 1899 Hoffenheim gesammelt hat. Dass Spieler vor einem Trainingslager gestrichen werden, ist bei der Eintracht nicht neu. Unter Trainer Niko Kovac hatte es in den letzten Jahren unter anderen Johannes Flum, der kurz darauf zum FC St. Pauli gewechselt war, und Slobodan Medojevic, inzwischen bei Darmstadt 98, getroffen.

Das Testspiel an diesem Freitag gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth soll keinen Einfluss mehr haben auf die Entscheidungen des neuen Frankfurter Trainers. Hütter hat die letzten drei Wochen genutzt, um nun Urteile fällen zu können. Gerade in diesem Zusammenhang ist es durchaus bemerkenswert, dass sich die Eintracht entschlossen hat, den Brasilianer Allan Souza für ein Jahr vom FC Liverpool auszuleihen. „Er hat uns im Training überzeugt“, sagt Hütter, „er ist ein guter Techniker, ein anderer Typ wie seine Konkurrenten.“ Geholfen hat bei der Einschätzung ein Telefongespräch von Hütter mit Souzas größtem Fürsprecher Jürgen Klopp.

Der 21 Jahre alte Souza ist dankbar für die Chance, die ihm der Trainer des FC Liverpool eröffnet hat. „Ich bin glücklich, dass Jürgen Klopp so über mich spricht“, sagt er, „ich würde mir wünschen, es ihm eines Tages auf dem Platz zurückzahlen zu können.“ In ferner Zukunft möchte Souza mal für Liverpool spielen, jetzt aber gilt seine gesamte Konzentration der Eintracht. Klopp habe ihm viel erzählt von der „Größe und der Historie“ des Clubs. „Es ist eine große Chance, die ich ergreifen will“, hat er sich vorgenommen, „ich fühle mich schon wie zu Hause hier.“ Da aktuelle Klima mit tropischen Temperaturen erinnert ihn an seine Heimat Brasilien. Das Probetraining in den letzten Wochen hatte er als Herausforderung betrachtet. „Ich bin froh, dass ich die Prüfung bestanden habe“, sagt er. Jetzt möchte er sich „einen Namen machen“ und länger bleiben als nur das bislang vereinbarte Jahr. Sein erstes Kind, eine Tochter, wird Ende Oktober in Frankfurt geboren werden und die Bindung an die neue sportliche Heimat noch verstärken.

Quelle: op-online.de

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