One-hit-wonder oder der Anfang für „goldene Zeiten“?

Kommentar: Eintracht nach dem Pokalsieg - jetzt zählt Nachhaltigkeit

Das macht die Faszination des Fußballs, und speziell des Pokals aus. Dass es noch diese Spiele gibt, in denen man vorher (ziemlich) genau weiß, wer gewinnt, und am Ende dann doch die andere Mannschaft gewonnen hat. Von Jochen Koch

Sportlich und finanziell liegen Welten zwischen Bayern München und Eintracht Frankfurt. Umso schöner, dass der Außenseiter demonstriert hat, wie man die scheinbar übermächtigen Bayern nur drei Wochen nach einer 1:4-Niederlage im viel wichtigeren Spiel besiegen kann.

Das technisch und spielerisch unterlegene Hessen-Kollektiv hat die mia-san-mia-Auswahl mit Kraft, Mut und Leidenschaft bezwungen. Der Glaube und natürlich auch das nötige Quäntchen Glück haben geholfen.

Der Druck für die Eintracht war vor dem Pokalfinale gering, der für Niko Kovac riesengroß. Aber mit der perfekten Einstellung seiner Mannschaft, taktisch und mental, hat der Eintracht-Trainer alle Kritiker innerhalb und außerhalb des Vereins wiederlegt.

Die Zweifel über seine Qualität als Trainer und seine Qualifikation für das schwere Heynckes-Erbe in München hat er mit seinem ersten Titelgewinn zerstreut. Im Umgang mit Frankfurts Fußball-Gott Alex Meier hat Kovac auch gleich ein Zeichen an die Stars nach München gesendet. Frühere Verdienste interessieren nicht, was zählt ist das Jetzt.

Bei der Eintracht muss Adi Hütter jetzt den großen Umbruch nach Kovac moderieren. Leistungsträger gehen weg. Das ist der Preis des Erfolges. Den muss die Eintracht im Fall der Abgänge Hradecky (sicher) und Wolf (wahrscheinlich) zahlen, vielleicht folgen ihnen die begehrten Rebic, Mascarell und Boateng. Der letzte Pokalsieg 1988 hatte der Eintracht kein Glück gebracht. Die Frankfurter hatten ihren Pokalhelden Lajos Detari für viel Geld verkauft, aber schlecht eingekauft.

Kovacs Meisterstück: Triumph gibt Schwung für Bayern-Mission

Als letzte Amtshandlung als Eintracht-Trainer gewann Niko Kovac den DFB-Pokal. Foto: Andreas Arnold
Als letzte Amtshandlung als Eintracht-Trainer gewann Niko Kovac den DFB-Pokal. Foto: Andreas Arnold © Andreas Arnold
Auch Eintracht-Präsident Peter Fischer feierte ausgelassen auf dem Balkon des Römer. Foto: Andreas Arnold
Auch Eintracht-Präsident Peter Fischer feierte ausgelassen auf dem Balkon des Römer. Foto: Andreas Arnold © Andreas Arnold
Die Anhänger von Pokalsieger Eintracht Frankfurt hatten sich auf dem Römerberg versammelt. Foto: Andreas Arnold/dpa Pool
Die Anhänger von Pokalsieger Eintracht Frankfurt hatten sich auf dem Römerberg versammelt. Foto: Andreas Arnold/dpa Pool © Andreas Arnold
Frankfurts Pokalheld: Stürmer Ante Rebic. Foto: Frank Rumpenhorst
Frankfurts Pokalheld: Stürmer Ante Rebic. Foto: Frank Rumpenhorst © Frank Rumpenhorst
Die Macher des Erfolgs ließen sich während des Autokorsos feiern. Foto: Arne Dedert
Die Macher des Erfolgs ließen sich während des Autokorsos feiern. Foto: Arne Dedert © Arne Dedert

Die Mannschaft wurde überschätzt, man landete auf dem drittletzten Platz und rettete sich mit viel Glück über die Relegation. Auch diesmal kann die Eintracht mit viel Geld auf Shoppingtour gehen. Bleibt der Pokalsieg ein sogenanntes one-hit-wonder, oder ist er der Anfang für „goldene Zeiten“? Auf Sportchef Fredi Bobic und Trainer Adi Hütter wird es jetzt ankommen, wie nachhaltig dieser Pokalsieg wirken wird.

Quelle: op-online.de

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