Kaderplaner der Eintracht arbeitet im Hintergrund

Ben Manga: „Der dritte Mann“ und der Elfmeter

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Dreigespann in - und bei der - Eintracht: Kaderplaner Ben Manga, Sportdirektor Bruno Hübner und Sportvorstand Fredi Bobic (von links).

Frankfurt - Eintracht Frankfurt hat einen Sportvorstand, Fredi Bobic. Die Eintracht hat einen Sportdirektor, Bruno Hübner. Und sie hat einen Kaderplaner, den 44 Jahre alten Ben Manga. Dieses Trio ist in erster Linie für die Zusammenstellung der Mannschaft verantwortlich, in mal mehr und mal weniger enger Abstimmung mit dem jeweiligen Trainer. Von Peppi Schmitt

Bobic und Hübner sind der Öffentlichkeit wohl bekannt, Manga dagegen wirkt eher im Hintergrund. „Head of Scouting“ lautet der offizielle Titel des „dritten Mannes“. Er ist also der Chef der Scouting-Abteilung, die in den letzten Jahren unter Bobics Regie immer weiter ausgebaut worden ist.

Ben Mangas Wohnort ist zwar Frankfurt, doch in der Metropole am Main ist er nur selten anzutreffen, vielleicht drei, vier Nächte pro Monat. Er fliegt von Land zu Land, von Kontinent zu Kontinent, von Spiel zu Spiel. Immer auf der Jagd nach dem guten Spieler, der der Eintracht weiterhelfen könnte.

Übrigens sitzt er nicht nur im Flugzeug, sondern auch im Auto. Dann nämlich, wenn in Deutschland Spieler beobachtet werden. „Da sind wir genauso am Ball“, versichert er. Viele gute Spieler hat er in den letzten Jahren entdeckt, gesammelt und gelistet werden sie alle auf Telefon und Tablet. Einige haben schon für die Eintracht gespielt, einige stehen aktuell im Team, andere auf der „Warteliste“.

Zu jenen, die für Furore gesorgt haben und zuvor der breiten Öffentlichkeit nicht so wirklich bekannt waren, haben Jesus Vallejo und Omar Mascarell gehört, die schon wieder weitergezogen sind. Im aktuellen Kader sind es unter anderen Lucas Torró, Chico Geraldes oder Gonzalo Paciencia, auf die Manga die Eintracht aufmerksam gemacht hat. Nicht auf alle ist er persönlich als Erster gestoßen, dafür hat er auch einen großen Stab, der ihm zuliefert. Aber alle Kandidaten hat er sich persönlich angeschaut.

Für ihn dauere der Arbeitstag „18 Stunden“, sagt er, „aber mir macht das riesigen Spaß.“ Fußball sei sein Leben. Das war es schon immer. Manga, in Äquartorialguinea geboren, längst aber auch deutscher Staatsbürger, hat einst für Fortuna Düsseldorf und Alemannia Aachen gespielt, sich nach Ende seiner aktiven Karriere auf das „Scouting“ spezialisiert.

Gerade jetzt, in diesen Tagen, hat er mal ein wenig Muße, zu entspannen. Die sommerliche Transferperiode ist vorbei, erst im Winter wird es auf dem Transfermarkt wieder ernst. Die Spielerbeobachtung, die Suche nach den ungeschliffenen Diamanten, geht freilich weiter. Denn die Spieler werden weit im Voraus gescoutet. „Wir denken natürlich in diesem Sommer schon daran, was im nächsten sein könnte“, sagt er.

Wenn dann zum Beispiel ältere Spieler wie Makoto Hasebe und Marco Russ dem Ende ihrer Karriere entgegenblicken, sollten gleichwertige oder im Idealfall bessere Spieler schon bereitstehen. So hat er es immer gehalten, einst bei der TSG 1899 Hoffenheim oder dem VfB Stuttgart, wo er schon mit Fredi Bobic gearbeitet hat. Und jetzt bei der Eintracht.

Wenn Bobic sagt, „wir müssen immer vorbereitet sein, wenn etwas passiert“, dann denkt er an seinen Vertrauten Ben Manga. Soll heißen: Geht ein Spieler überraschend oder verletzt sich einer langfristig, sollte es kurzfristige Lösungen geben. Der schnelle Transfer ist also ebenso nötig wie der lange vorbereitete.

Großeinkäufer und Schnäppchenjäger in der Bundesliga

Mats Hummels und Neuzugang Renato Sanches wechselten für jeweils 35 Millionen Euro zum FC Bayern. Foto: Matthias Balk
Mats Hummels und Neuzugang Renato Sanches wechselten für jeweils 35 Millionen Euro zum FC Bayern. Foto: Matthias Balk © Matthias Balk
RB Leipzig gab rund 50 Millionen Euro für neue Spieler aus. Foto: Sebastian Kahnert
RB Leipzig gab rund 50 Millionen Euro für neue Spieler aus. Foto: Sebastian Kahnert © Sebastian Kahnert
André Schürrle und Mario Götze stehen beim BVB unter Vertrag. Foto: Guido Kirchner
André Schürrle und Mario Götze stehen beim BVB unter Vertrag. Foto: Guido Kirchner © Guido Kirchner
Die Verpflichtung von Ousmane Dembélé (M) hat sich für den BVB bereits bezahlt gemacht. Foto: Peter Kneffel
Die Verpflichtung von Ousmane Dembélé (M) hat sich für den BVB bereits bezahlt gemacht. Foto: Peter Kneffel © Peter Kneffel
Guido Burgstaller erzielte in der Rückrunde neuen Treffer für den FC Schalke 04. Foto: Ina Fassbender
Guido Burgstaller erzielte in der Rückrunde neuen Treffer für den FC Schalke 04. Foto: Ina Fassbender © Ina Fassbender

In diesem Sommer sei der Transfermarkt „ziemlich schwierig“ gewesen, sagt Boss Bobic. Ben Manga kann das nur unterstreichen. „Vor allem die Vereine in England hatten die Handbremse drin“, sagt er. Und die Engländer haben nun mal das meiste Geld zur Verfügung, geben sie es nicht aus, kommt der finanzielle Kreislauf nicht so richtig in Schwung.

Als „Kaderplaner“ gibt Ben Manga auch die grundsätzlichen Ideen vor, natürlich in enger Abstimmung mit Sportvorstand, Manager und eben auch dem Trainer. Für die Eintracht sei dies der „einzig gangbare Weg“. Dass die diesjährigen Transferaktivitäten in weiten Teilen noch mit dem ehemaligen Trainer Niko Kovac in die Wege geleitet worden sind, liegt in der Natur der Sache.

Das wichtigste Wort rund um alle Verpflichtungen sei „Vertrauen“, hat Ben Manga vor Jahren schon mal in einem Interview gesagt. Es komme darauf an, Vertrauen in den Spieler zu haben, den er empfiehlt. Und es komme darauf an, dass die Verantwortlichen, die den Transfer am Ende realisieren müssen, auch Vertrauen in ihn und sein Urteilsvermögen haben. Zwischen Fredi Bobic und ihm bestehe dementsprechend ein sehr enges Vertrauensverhältnis. Dabei weiß Manga natürlich, dass nicht alle Transfers erfolgreich sein können. In so einem Fall müsse er eben zugeben, „dass ich den Elfmeter versemmelt habe“.

Quelle: op-online.de

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