„Der Mix stimmt noch nicht“

Hütter schlägt Alarm: Der Kader muss verstärkt werden

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Adi Hütter

Gais/Südtirol - Na klar, es war nur ein Testspiel mitten in der Vorbereitung nach schweißtreibenden Einheiten. So gesehen könnte das 0:2 der Frankfurter Eintracht gegen den FC Empoli als Randnotiz vermerkt und abgehakt werden. Doch für Adi Hütter hatte die Begegnung viel Aussagekraft. Von Peppi Schmitt

Dem neuen Trainer wurde in den 90 Minuten vor Augen geführt, was alles noch fehlt. Und das ist viel, sehr viel. „Wir haben noch viel zu tun“, räumte Hütter ein, „von Zufriedenheit bin ich weit entfernt.“ Der Österreicher hatte sich mehr erhofft von seinem Team, das war aus seinen Worten durchaus herauszulesen. Irgendwie hatten die 90 Minuten ihn aber auch bestätigt in der Auffassung, dass das vorhandene Potential trotz schon acht Neuzugängen bei weitem noch nicht ausreichend ist. Dass er mit dem aktuellen Kader noch nicht zufrieden ist, hat er offen angesprochen und dies nicht nur einmal. „Ich möchte meine Mannschaft erst mal sehen, wenn alle da sind“, sagte er nach dem Empoli-Spiel. Ganz ähnlich hatte er es am Vortag bei einem Fest für die Fans formuliert: Eine Saisonprognose wolle er erst abgeben, wenn weitere Verstärkungen da sind.

Die sind dringend nötig, das ist ein erstes Fazit der bisherigen Trainingswochen. Bei aller gebotenen Zurückhaltung in Anbetracht der konditionellen Belastungen und taktischen Neuerungen wird Tag für Tag deutlich, dass es an vielen Ecken und Enden (noch) klemmt. „Zu leichte Ballverluste“ habe sich seine Mannschaft geleistet, „unforced errors“ nahm Hütter einen Begriff aus dem Tennis auf. Das war ein wichtiger Einzelaspekt. Genau wie die mangelnde Chancenauswertung und vielen technischen Unzulänglichkeiten, die womöglich auf Müdigkeit zurückzuführen waren.

Bilder: Eintracht verliert Testspiel gegen Empoli

Grundsätzlich scheint der ganze Kader noch nicht ausbalanciert. Offensichtlich: Es gibt zu viele zentrale Mittelfeldspieler und zu wenige Außenstürmer. Das wiederum führt dazu, dass Hütter sein bevorzugtes 4-4-2-System mangels Außen gar nicht spielen lassen kann. So hat er auf eine Dreierkette gesetzt und zwei Außenverteidiger weit nach vorne geschoben. Was beispielsweise zur Folge hatte, dass David Abraham als rechtes Glied der letzten Kette zu weit nach außen rücken musste und dort verloren wirkte. Ähnliche Detailprobleme gab es viele, ganz abgesehen davon, dass die Neuzugänge Lucas Torró und Chico Geraldes bei seinem ersten Einsatz ziemlich schwach spielten. „Die Sechser haben nicht gut gestanden“, sagt der Trainer. Am Anfang habe viel gepasst, dann nicht mehr. „Ich habe auch ein paar gute Ansätze gesehen, aber der Mix hat noch nicht gestimmt“, sagte Hütter.

Es wird noch personellen Veränderungen geben, innerhalb des Kaders, aber auch von außen. Geht es nach den jüngsten Leistungen, müsste die Eintracht mit Marco Fabián auf jeden Fall weitermachen. Der Mexikaner hat in der letzten halben Stunde die anderen Mittelfeldspieler, die drei Neuen Torró, Geraldes und Souza, deutlich übertroffen. Fabián würde gerne bleiben, sagt aber: „Ich muss das in den nächsten Tagen entscheiden.“ Angebote liegen ihm vor. Der Trainer habe ihm zwar signalisiert, dass er auf ihn setzen wird, aber so ganz scheint Fabián dem Frieden nicht zu trauen. Würde mit ihm ein zweifellos bundesligatauglicher und bundesligaerfahrener Spieler auch noch verkauft, was bei der Vertragssituation (bis 2019) wirtschaftlich sinnvoll sein könnte, wäre es ein weiterer Substanzverlust.

Eintracht Frankfurt im Trainingslager in Gais: Neue Bilder

Wie viel die Eintracht noch investieren wird, hängt direkt mit der Zukunft von Ante Rebic zusammen. War vor einigen Wochen noch scheinbar klar, dass Rebic nach seinem tollen Pokalfinale und der guten WM nicht zu halten sein wird, gibt es jetzt andere Signale. Grund: Es gibt keine wirklich werthaltigen Angebote für den Kroaten, die 30, 40 oder 50 Millionen-Euro-Offerten sind bisher nicht eingegangen. „Wir würden ihn gerne behalten“, sagt Manager Bruno Hübner. Er habe auch keine Angst, dass Rebic die Lust verlieren könnte in Frankfurt, „weil er sich hier wohlfühlt“. Bleibt Rebic, der nächste Woche zum Training erwartet wird, wäre ein Problem gelöst. Geht er doch, die englische Transferliste schließt am kommenden Donnerstag, kann die Konsequenz nur heißen, endlich auch mal einen „gestandenen“ Bundesligaspieler zu verpflichten. Besser zwei.

Positive scheint sich die Torwartfrage zu entwickeln. Zum einen nähert sich Neuzugang Frederik Rönnow im Training einem ersten Einsatz nach seiner Kniereizung an. Zum anderen hat Vertreter Felix Wiedwald in der zweiten Halbzeit gegen Empoli gezeigt, dass auf ihn Verlass ist. Es war also nicht alles schlecht.

Marktwerte der Spieler von Eintracht Frankfurt: Bilder

Quelle: op-online.de

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