Kritik an der Trainingssteuerung

Hradecky: „So haben wir in Europa auch nichts verloren“

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Frankfurt - Es war zu erwarten: Als die Frankfurter Eintracht dann auf Schalke 0:1 (0:1) verloren und die Europa-League-Chancen über die Liga in den Sand gesetzt hatte, konnten die Verantwortlichen nicht widerstehen. Von Peppi Schmitt

Trainer und Sportvorstand versuchten die Saison verbal zu retten. „Wenn man unser Budget sieht, dann ist das in Ordnung, Geld schießt eben doch Tore“, sagte Fredi Bobic. „Wir können stolz auf den achten Platz sein“, sagte Niko Kovac. Das kann man so sehen, wenn man die Ausgangsposition vor der Saison als alleinigen Maßstab anlegt. Das darf man nicht so sehen, wenn man die letzten Wochen in die Beurteilung einbezieht. Die Eintracht hat eine riesengroße Chance auf sportlichen und finanziellen Erfolg und damit auf einen weiteren Entwicklungsschritt ziemlich leichtfertig aus der Hand gegeben. An den letzten neun Spieltagen haben sie gegenüber dem neuen Tabellensiebten, dem VfB Stuttgart, als Aufsteiger auch nicht gerade mit üppiger Finanzkraft ausgestattet, stattliche neun Punkte verloren. Platz sieben wurde geradezu hergeschenkt, Millionen Euro aus der Hand gegeben. Dafür gibt es Gründe, die auf Schalke deutlich zu Tage getreten sind.

Der Wechsel des Trainers zum FC Bayern München und die dubiosen Umstände der Bekanntgabe am 13. April haben den ganzen Verein inklusive der Mannschaft ins Mark getroffen. „Wir haben die Europa League nicht heute verloren, sondern in den letzten sechs Wochen“, sagte Lukas Hradecky, „da waren wir schlecht.“ Der Torwart, einmal mehr der beste Spieler seiner Mannschaft, gehörte zu den wenigen, die Klartext gesprochen haben. Das hat einen einfachen Grund: Hradecky wird den Verein verlassen, vermutlich Richtung Leverkusen, und hat keinen Grund und keine Lust mehr, auf irgendwen Rücksicht zu nehmen. „Ich werde weiter in der Bundesliga spielen“, sagte der 28 Jahre alte Finne nach dem Spiel, „wo steht noch nicht fest“. Kovac hat innerhalb des Teams seit Wochen einen Vertrauens- und Autoritätsverlust hinnehmen müssen, der sich schließlich in den Leistungen auf dem Platz niedergeschlagen hat.

Die erste Halbzeit auf Schalke war erbärmlich. Da gab es im Grunde kaum Gegenwehr, Zweikämpfe wurden nicht gewonnen, weil meistens nicht geführt, spielerisch lief wie schon seit Wochen wenig bis nichts zusammen. „Kein Tempo, wenig Ballbesitz“, sagte Hradecky treffend. Dies habe zum großen Teil an starken Schalkern gelegen, argumentiert der Trainer. In der Tat waren die Vizemeister mit viel Ehrgeiz und Bereitschaft ins Spiel gegangen. Die Aufstellung der Eintracht hatte ihnen freilich auch in die Karten gespielt. Kovac hatte Jonathan de Guzman und Ante Rebic zunächst draußen gelassen. Timmy Chandler, Marco Fabián und Alex Meier waren gleich ganz zu Hause geblieben. Zudem hatte sich Kapitän David Abraham mit Schüttelfrost kurzfristig abgemeldet. „Katastrophal“ beschrieb Hradecky den Auftritt im ersten Abschnitt, „so haben wir in Europa auch nichts verloren.“ Marco Russ wurde ähnlich deutlich. „Man kann auf Schalke verlieren, aber nicht auf diese Art und Weise“, sagte der Routinier, „dann hat man es auch nicht verdient in Europa zu spielen.“ Dabei war dies auch intern vor ein paar Wochen als Ziel ausgegeben worden. „Den siebten Platz hätten wir schon ganz gerne genommen, das ist kein Verliererplatz“, betonte Boss Bobic.

Frankfurt verspielt Europa League: Bilder

FC Schalke 04 gegen Eintracht Frankfurt: Bilder
FC Schalke 04 gegen Eintracht Frankfurt: Bilder © dpa
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Doch ganz ähnlich wie in der letzten Saison sind die Frankfurter am Ende eingebrochen. „Ein Deja Vu“, sagte Hradecky. Auf Schalke wirkten sie ausgebrannt, körperlich und vor allem auch mental nicht mehr auf der Höhe. Nur ein paar wenige Spieler sind in die Nähe ihres Leistungsvermögens gekommen, dazu gehörten neben dem Torwart noch Marco Russ, Jetro Willems und die nach der Pause eingewechselten de Guzman und Rebic. Andere aber blieben weit unter Form. Besonders augenfällig war dies bei Marius Wolf, dem ganz eindeutig die Kräfte schwinden, Mijat Gacinovic, der eine weitere wirklich schwache Leistung gezeigt hat und der bemitleidenswerte Sébastien Haller, der kaum einen Ball an den Fuß bekam und wenn er das Spielgerät mal hatte, es leichtfertig wieder hergab. Ein besonderes Kapitel schreibt in diesen Tagen und Wochen Kevin-Prince Boateng. Natürlich sei dies alles auch Kopfsache, räumt Hradecky in seiner Analyse ein, „aber wenn der Körper nicht funktioniert, geht es auch nicht.“

Längst ist Kovacs Trainingssteuerung intern wie extern zum Thema geworden. Alles habe „mit Energie“ zu tun, formuliert Hradecky vorsichtig. Der Einbruch sei diesmal „nur ein bisschen später gekommen wie letztes Jahr“, womöglich weil die Eintracht einen breiteren Kader hat. Dass ausgerechnet in der Woche vor dem letzten Spiel das Training noch einmal intensiviert worden war, war innerhalb des Teams schon vorher auf Unverständnis gestoßen. „Brutal“ seien die Anforderungen gewesen, hatte Gelson Fernandes schon am letzten Mittwoch die Einheiten beschrieben. Vor dem Pokalfinale wird Kovac nun genau überlegen müssen, wie er vorgeht. An Konzentration und Motivation wird es sicher nicht mangeln. Da macht sich auch der famose Torwart keine Sorgen. „Übers Training müssen wir vielleicht ein bisschen diskutieren“, rät er mit einem Lächeln im Gesicht. Das ist deutlich.

Quelle: op-online.de

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