Verletzter Stürmer im Interview

Goncalo Paciencia: "Die Kraft der Mannschaft strahlt auf mich ab"

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Goncalo Paciencia arbeitet an seiner Rückkehr auf den Platz.

Frankfurt - Spätestens zu Beginn der Rückrunde im neuen Jahr will Goncalo Paciencia (24) bereit sein, der Frankfurter Eintracht wieder auf dem Platz zu helfen. „Ich will endlich beweisen, warum ich hier bin“, sagt er in einem Interview mit unserem Mitarbeiter Peppi Schmitt.

Seit Anfang September war er wegen einer Knieverletzung außer Gefecht, nach einer Operation ist er nun wieder fit. Von seinem neuen Arbeitgeber ist er begeistert. „Von diesem Verein geht eine unglaubliche Energie aus“, sagt er.

Was ist eigentlich an jenem 11. September im Training passiert? 

„Es hatte was von einem Attentat. Ich habe mir das Knie verdreht und bin hängen geblieben. Ich habe sofort gemerkt, dass etwas kaputt gegangen ist. Es war der Außenmeniskus, der war eingerissen. Er wurde jetzt genäht. Man hätte das vielleicht auch anders machen können, ihn entfernen, aber ich denke, dass es für einen Spieler wichtig ist, dass der Meniskus drinbleibt.“

Wie geht es Ihnen jetzt? 

„Ich bin noch nicht spielfähig, aber auf einem guten Weg. Ich habe drei schwierige Monate hinter mir. Ich erhole mich aber insgesamt gut und fühle mich von Tag zu Tag besser: Es ist wichtig, dass ich die Unterstützung von allen im Verein gespürt habe, von den Trainern, Medizinern und Spielern.“ 

Warum haben sie sich in Ihrer portugiesischen Heimat operieren lassen?

„Dort wurde ich früher schon mal operiert. Und ich wollte, dass mich jemand operiert, der mich kennt. Es war auch wichtig, dass meine Familie gleich nach der OP in der Nähe war.“ 

Wann kehren Sie auf den Platz zurück? 

„Ich bin immer von drei Monaten ausgegangen. Jetzt werden es drei Monate sein. Ich werde Schritt für Schritt wieder ins Training einsteigen.“ 

Wie haben Sie zuletzt Ihre drei Stürmerkollegen gesehen? 

„Unglaublich, sie spielen eine großartige Saison. Das ist auch für mich okay, denn es ist wichtig in eine gute Mannschaft zurückzukommen. Ich würde mir also wünschen, dass wir weiter erfolgreich sind, denn es ist für einen Comebacker immer wichtig, wenn es läuft. Man nimmt die Stimmung ja mit, die Kraft der Mannschaft strahlt auch auf mich ab. Es geht von diesem Verein eine unglaublich positive Energie aus.“ 

Sie sind ein ganz anderer Stürmertyp als die drei „Büffel“. 

"Stimmt, jeder hat seine Eigenschaften. Ich habe große Lust und brenne darauf, dass ich meine Fähigkeiten dem Publikum zeigen kann. Bisher konnte ich mich ja leider noch nicht präsentieren. Gerade als ich das Gefühl hatte, das Niveau der anderen erreicht zu haben, ist es passiert.“ 

Sind die Erfolge der Mannschaft Motivation für die Rückkehr oder eben Frust, weil Sie nichts beitragen konnten? 

„Ich bin natürlich frustriert wegen der Verletzung. Aber ich bin hochmotiviert und werde stark zurückkommen. Dann will ich Vertrauen zurückzahlen und schnell zeigen, warum ich überhaupt hier bin.“ 

Wie schwer war die Reha? 

„Ich kenne das ja, ich hatte ja schon die eine oder andere Verletzung. Es sind nie leichte Zeiten, aber Timmy Chandler und ich haben versucht, jeden Tag so zu gestalten, dass wir auch Spaß und Freude haben. Schlechte Stimmung würde zu negativen Gedanken führen, das haben wir bewusst vermieden und sind immer positiv geblieben.“

Hatten Sie Zeit während der Reha die Stadt näher kennenzulernen?

„Am Ende verbringt man den kompletten Tag hier. Man kommt um 8 Uhr morgens und geht um 8 Uhr abends. Ich bin auch eher der Typ, der in der dunkleren Jahreszeit gerne zu Hause ist. Aber trotzdem kenne ich die Stadt ein wenig.“ 

Bilder: Diese Verträge bei Eintracht Frankfurt laufen aus

Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Luka Jovic: Der Stürmer ist noch von Benfica Lissabon ausgeliehen, doch die Eintracht hat eine Kaufoption. Es gilt als sicher, dass sie diese auch zieht. © Hübner
Eintracht Frankfurt präsentiert Kevin Trapp
Kevin Trapp: Kurz vor dem Ende der Sommertransferperiode gelang der Eintracht die Rückholaktion von Kevin Trapp. Auch wenn die Verantwortlichen ihn gern über die Saison hinaus halten wollen, ist fraglich, ob dies gelingt. © dpa
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Jan Zimmermann: Der Ersatzkeeper kehrte 2017 zur Eintracht zurück und ist seit dieser Saison einer von vier Torhütern. Über eine mögliche Verlängerung ist bislang nichts bekannt. © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Marco Fabián: Der Wechsel des Mittelfeldspieler im Sommer platzte kurzfristig, viel Spielzeit hat er seitdem nicht bekommen. Ein Wechsel im Winter steht im Raum. © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Allan Rodrigues de Souza: Der Leihspieler aus Liverpool konnte sich bisher noch nicht bei der Eintracht beweisen. Dennoch strebt er einen Verbleib über die Saison hinaus an. © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Branimir Hrgota: Der Stürmer steht seit 2016 unter Vertrag, spielt aber immer seltener eine Rolle. Die Zeichen stehen auf Abschied. © Hübne r
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Taleb Tawatha: Der Linksverteidiger kommt nur selten zum Einsatz. Ein Wechsel nach Spanien steht im Raum. © Hübner

Wie war die Kommunikation mit dem Trainer? 

„Er fragt ständig und erkundigt sich nach meinem Befinden. Schon das Begrüßen und das kurze Sprechen gibt mir Kraft. Das ist wichtig für einen Spieler, der verletzt ist. Weil man sich in dieser Zeit ja nicht wirklich nützlich machen kann.“  

Wie empfinden Sie den Unterschied zwischen dem deutschen und dem portugiesischen Fußball? 

„Hier gibt es eine größere Fußballkultur, eine Tradition zum Fußball zu gehen. Hier sind die Stadien immer voll, das ist in Portugal anders. Wenn dort nicht die Großen spielen, wird es nicht voll. Bei allem Respekt vor Fortuna Düsseldorf, selbst da hatten wir ein volles Haus. Man freut sich hier auf jedes einzelne Spiel. Der Fußball ist intensiver, der Wettbewerb ist stärker, umkämpfter, mit mehr Qualität. Wir sprechen von einer der drei besten Ligen der Welt. In Portugal sind Benfica, Sporting und Porto auf einem ähnlichen Niveau wie wir hier bei der Eintracht. Und sie haben auch eine ähnliche Fanbasis. In Portugal liegt der Fokus aber oft auch auf den Schiedsrichtern, es wird mehr über sie gesprochen als über das reine Spiel. Die größte Qualität im portugiesischen Fußball ist die Nachwuchsarbeit.“ 

Waren Sie die sportliche Rundumbetreuung aus Ihrer Heimat so gewohnt? 

„Ich bin ja aus einem großen Klub gekommen, dem FC Porto, da sind die Bedingungen vergleichbar.“ 

Wie schwer ist es auf der Tribüne? 

„Für uns Verletzte ist das ziemlich schwierig. Jeder, der nicht spielt, ist automatisch ein Stück trauriger. Wenn du nicht spielst, bist du automatisch weg von der Mannschaft. Ich würde gerne nach dem Spiel mit den Kollegen und den Fans den Sieg feiern. Da bin ich schon manchmal traurig, weil man halt nicht wirklich helfen und sich nicht wirklich nützlich machen kann.“ 

Würden Sie gerne in der Europa-League gegen Benfica oder Sporting spielen? 

„Eigentlich ist es egal wer kommt. Ich hätte aber nichts gegen eine Rückkehr nach Portugal einzuwenden, alleine schon aus meteorologischen Gründen im Februar. Das wird es wärmer sein als hier.“ 

Ist diese EL-Runde Ihr Ziel?

„Ich hoffe, dass ich nach dem Trainingslager wieder komplett einsatzfähig bin. Dann möchte ich der Mannschaft in beiden Wettbewerben helfen. Ich muss mich so gut es geht präsentieren, dass der Trainer mich guten Gewissens auf die Meldeliste setzt.“

Quelle: op-online.de

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