Interview mit dem Mittelfeldspieler

Geraldes vor Comeback: „Bin gekommen, um länger zu bleiben“

+
Francisco „Chico“ Geraldes (rechts) im Zweikampf.

Frankfurt - Er sollte der „Königstransfer“ im letzten Sommer sein. Francisco „Chico“ Geraldes ist bei der Frankfurter Eintracht als Spielmacher vorgesehen. Von Peppi Schmitt

Über Wochen hatte die sportliche Leitung um den 23 Jahre alten Portugiesen gekämpft, um die Modalitäten des Wechsels mit Sporting Lissabon gefeilscht. Herausgekommen ist nur ein Einjahresvertrag ohne Kaufoption. Bislang ist Geraldes neben Torwart Felix Wiedwald der einzige Neuzugang, der noch kein Pflichtspiel absolviert hat. Zu Beginn der Saison war er hinter den Erwartungen zurückgeblieben, dann hat ihn eine schwere Rückenverletzung zurückgeworfen. Nun hat er unserem Mitarbeiter Peppi Schmitt ein Interview gegeben, die anfänglichen Probleme erklärt und seine Hoffnungen für die Zukunft erläutert. „Ich bin gekommen, um länger zu bleiben“, hat er gesagt.

Sie sind seit Anfang Oktober verletzt. Was ist eigentlich genau passiert? 

„Im Spiel gegen Ederbergland bin ich zu einem Kopfball hochgestiegen, ein Gegner hat mich unterbaut, ich bin auf den Rücken gefallen. Es war ein Wirbel angebrochen. Ich habe gleich etwas gespürt, aber ich war voller Adrenalin und habe dann noch 15 Minuten weitergespielt. In der Kabine hatte ich dann richtig Schmerzen. In der ersten Woche danach konnte ich mich nicht richtig bücken, da ist es mir sogar schwergefallen, meine Socken anzuziehen. Ganz normale alltägliche Bewegungen gingen nicht.“

Wie geht es ihnen aktuell? Steht der Zeitpunkt der Rückkehr schon fest? 

„Es wird besser. Mit Lauftraining habe ich begonnen. In zwei Wochen kann ich hoffentlich wieder ganz auf dem Platz stehen. Ganz genau kann ich es noch nicht sagen, aber ich hoffe, dass es klappt. Die Schwierigkeit ist, dass man sich bei dieser Verletzung ja nicht schützen kann wie zum Beispiel mit einer Schiene bei einer Handverletzung. Deshalb kommt es alleine darauf an, wie der Heilungsverlauf vorangeht. Alle zwei Wochen werden Kontrolluntersuchungen gemacht.“

Wie schwer fällt es ihnen zuzuschauen, wenn die Mannschaft so erfolgreich spielt? Wie ungeduldig sind sie?

„Das ist das Schlimmste überhaupt. Ich kann ja meinen Beruf nicht ausüben. Aber ich versuche, immer positiv zu bleiben. Ich bin überzeugt, es fördert den Heilungsverlauf, wenn man positiv an Dinge herangeht.“

Jede Verletzung ist ärgerlich. Aber diese wohl besonders. Denn der Rückstand auf die Kollegen ist natürlich nicht kleiner geworden. Müssen sie sich jetzt schon auf die Wintervorbereitung und die Rückrunde konzentrieren?

„Die Verletzung konnte ich nicht beeinflussen. Wie ich arbeite, hängt aber von mir ab. Welche Chance ich ergreife, hängt von mir ab. Ich kann selbst bestimmen, wie fit ich zurückkomme. Wenn ich zurückkomme, will ich in körperlich guter Verfassung sein. Und wenn ich wieder auf dem Platz stehe, dann bin ich zu hundert Prozent wiederhergestellt. Ab dem 1. Tag im Training will ich mich anbieten.“

Sie haben nur einen Einjahresvertrag. Wie schätzen sie die Chancen ein, über die Saison hinaus bei der Eintracht zu bleiben?

„Ich tue mein Bestes, um wieder spielen zu können, das ist klar. Und ich bin gekommen, um länger zu bleiben. Ich habe meine Heimat nicht wegen einer Saison verlassen. Aber ich weiß nicht, wie es weitergeht.“

Wo lagen denn die Probleme zu Beginn der Saison? Der Trainer hat gesagt, sie müssten sich schnellstens an Tempo und Zweikampfhärte gewöhnen. Hatte er Recht?

„Ich habe ja noch nicht gespielt. Aber es ist sicher intensiver und schneller als in Portugal und man braucht ein paar Spiele, um sich daran zu gewöhnen. Aber man darf sich auch nicht in die Hose machen, weil es ist jetzt Bundesliga ist. Ja, es sind bessere Spieler und bessere Spiele, am Ende des Tages aber ist es Fußball.“

Wie groß ist der Sprung von Portugal nach Deutschland? 

„In Portugal wird mehr gespielt, die Liga ist technischer ausgelegt, es spielen viele Brasilianer in den Klubs. Hier ist es intensiver. Hier hat man weniger Zeit für Entscheidungen, alles ist schneller. Aber daran kann man im Training arbeiten.“

Eintrachts Chefscout Ben Manga, der sie entdeckt hat, glaubt, sie seien genau der Spielertyp, der der Mannschaft noch fehlt. Sie seien ein sehr beweglicher Mittelfeldspieler, einen der den Pass in die Spitze spielen kann. Beschreibt das ihre Stärken?

„Ja, er sieht das in mir. Deshalb hat er mich geholt. Als Zehner ist es meine Aufgabe, die Stürmer in Position zu bringen.“

Wie haben sie die letzten Spiele verfolgt? Konnten sie immer im Stadion sein? Wie haben sie die Stimmung gegen Rom wahrgenommen?

„Die Heimspiele habe ich alle im Stadion gesehen, auswärts im Fernsehen. Gegen Rom wollte ich am liebsten auf den Platz rennen und mitspielen. Solche Erfahrungen machen die Verletzung noch schlimmer. Aber es ist auch eine Motivation, schnell zurückzukehren.“

Eintracht-Zeugnis gegen Fortuna Düsseldorf

Eintracht Frankfurt präsentiert Kevin Trapp
Kevin Trapp: Note 2 © picture alliance/dpa
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Frederik Rönnow: Ohne Note © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Evan Ndicka: Note 2,5 © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Jonathan de Guzman: Note 3 © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Luka Jovic: Note 1 © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Sebastien Haller: Note 1 © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Mijat Gacinovic: Note 2 © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Lucas Torro: Note 3 © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
David Abraham: Note 3 © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Makoto Hasebe: Note 2 © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Marc Stendera: Note 3 © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Danny da Costa: Note 3 © Hübner
Der Kader zur Saison 2018/19 von Eintracht Frankfurt
Branimir Hrgota: Ohne Note © Hübner
Fussball 1.Bundesliga, Eintracht Frankfurt Training
Filip Kostic: Note 2,5 © Hübner

Erschwert die lange Verletzungspause auch die menschliche Integration? 

„Ich vermisse das Training, das ist nun mal so. Da bin ich nicht auf dem Platz bei der Mannschaft. Aber ich bin jeden Tag hier. Darum habe ich die Reha auch hier gemacht und nicht in Portugal, ich wollte einfach nicht weg sein vom Team. Ich habe ein gutes Verhältnis zu den Kollegen und fühle mich wohl.“

Ihr Landsmann Goncalo Paciencia ist auch verletzt. Hat sie das noch mehr zusammengeschweißt?

„Ich kannte Goncalo ja schon vorher. Jetzt wohnen wir in enger Nachbarschaft. Da seine Verletzung (Riss des Außenmeniskus im linken Knie, die Red.) noch schwieriger ist als meine, habe ich ihm ab und zu geholfen. Meine Freundin und ich haben für ihn gekocht. Manchmal gehen wir auch zusammen essen. In Frankfurt haben wir schon zwei gute portugiesische Restaurants gefunden, da gehen wir gerne hin.“

Was macht die deutsche Sprache? 

„Zweimal pro Woche habe ich Unterricht. Es geht Schritt für Schritt voran, aber ich gebe zu: Es ist sehr, sehr schwierig. Inzwischen kann ich mich immerhin schon mal auf Deutsch vorstellen.“

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare