Nach 1:4-Niederlage

Bobic stinksauer: „Das war eine Nichtleistung“

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Bei Bayern München gab es nichts zu holen für die Eintracht.

Frankfurt - Alles ist gut, die Mannschaft ist in hervorragender körperlicher Verfassung, das Trainerthema belastet niemanden, wir verfolgen unsere Ziele - das waren die Aussagen der letzten Wochen. Die Wahrheit ist eine andere.

Die Frankfurter Eintracht scheint am Ende, körperlich, mental, auch kämpferisch. Das 1:4 (0:1) beim FC Bayern München war der Offenbarungseid einer Mannschaft, die noch vor vier Wochen für ihr mutiges Spiel, ihre Spielkultur und die persönlichen Fortschritte fast jeden Spielers gelobt wurde, mit dem bekannt geworden Trainerwechsel und den peinlichen Umständen drumherum aber jede innere Balance verloren hat. Denn die Frankfurter haben in München eben nicht gegen den Meister verloren, sondern gegen eine mit drei gestandenen Profis verstärkte und vier Jugendlichen aufgefüllte C-Mannschaft. Sollte irgendwo in der Sportwelt ein Leitfaden gesucht werden, wie man eine Saison zerstört, die man nicht mehr zerstören kann, die Eintracht könnte womöglich helfen. „Nichtleistung, Mentalitätsproblem, Passivität“, schimpfte Sportvorstand Fredi Bobic.

Der Chef war stinksauer. Bobic sieht, dass der Eintracht die Felle davonschwimmen. Und das passt so gar nicht in die Aufbruchsstimmung der letzten Wochen und Monate. Am Ende wird wahrscheinlich wieder der siebte Platz herausspringen, von einem Pokalsieg ganz zu schweigen. In dieser Verfassung werde die Eintracht gegen „keine Mannschaft der Bundesliga gewinnen“, sagte er. Der Hamburger SV und Schalke 04 dürfen sich freuen an den letzten beiden Spieltagen.

Bobics Analyse waren Tiefschläge gegen die Mannschaft und ein Stück weit auch gegen den scheidenden Trainer, auch wenn der Name Kovac nie explizit gefallen ist. Ein wenig würden ihm „die Worte fehlen“, hatte Bobic seine Ausführungen begonnen, aber dann doch klare Worte gefunden. „Das war eine Nichtleistung“, sagte er, „zu viele Gegentore, das Defensivverhalten schlecht, offensiv harmlos“. Die Aufstellung der Bayern war nahe an der Wettbewerbsverzerrung, doch die Eintracht hat sich als „fairer“ Gast erwiesen. Die Münchner Anfangself sei zwar kein „Selbstläufer“ für den Sieg gewesen, formulierte Bobic, „aber sie war so, dass wir uns eine Chance ausrechnen konnten“. Doch daraus hat die Mannschaft nichts gemacht. „Wir waren davon ganz weit entfernt, haben zurecht verloren und auch in dieser Höhe“, schimpfte er. Die Tore zum 0:2, 1:3 und 1:4 waren einfach nur peinlich.

Dem ehemaligen Nationalspieler hat vor allem die Einstellung nicht gefallen. Der absolute Wille habe gefehlt, darum habe man die wenigen guten Chancen auch nicht genutzt. „Da braucht man Überzeugung und Wille“, sagte der ehemalige Torjäger. Er habe aber das Gefühl gehabt, die Spieler seien mit einem anderen Motto auf den Rasen gegangen: „Wir probieren es halt mal, mal sehen, ob er reingeht“. Ist er bei Luka Jovic und Mijat Gacinovic aber nicht. Und so ist die Eintracht statt mit einem 1:0 mit einem 0:1 in die Halbzeit gegangen, weil die Bayern ihre erste Chance in der ersten Halbzeit genutzt haben. Passenderweise durch den Jugendspieler Niklas Dorsch. Das war der Anfang vom Ende. Und Bobic war sauer: „Wir haben es nicht richtig gemacht, wir waren passiv statt aktiv.“ An der Taktik des Trainers habe es nicht gelegen, fügte er hinzu. „Der Trainer hat die Mannschaft richtig eingestellt“, sagte er, „aber die Mentalität hat nicht gestimmt.“ Kein gutes Zeichen für die letzten drei Spiele, wenn das Team dem Trainer nicht mehr folgt oder folgen kann.

Eintracht Frankfurt unterliegt bei Bayern München: Bilder

Fredi Bobic versucht nun den Laden zusammenzuhalten. Kovacs Wechsel zu den Bayern und die Begleitumstände haben ein scheinbar stabiles Gefüge in kürzester Zeit ins Wanken gebracht. Nun droht alles zusammenzubrechen. Am nächsten Samstag in der ausverkauften Arena gegen den HSV geht’s um nicht weniger als um die Rettung der Saison. Eine weitere Niederlage würde der Eintracht niemand verzeihen. Und dem Trainer schon gar nicht. Bobic: „Wir müssen uns vor unseren Fans rehabilitieren. Ich erwarte eine andere Einstellung und einen Sieg.“ Ob die Mannschaft zu in der Lage ist?

Quelle: op-online.de

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