„Sonst wird es ganz, ganz schwer“

Eintracht hofft im Pokalfinale auf schwächelnde Bayern

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Niko Kovac und Kapitän David Abraham auf der Pressekonferenz zum DFB-Pokalfinale in Berlin

Berlin - Die Rollen sind klar verteilt beim 75. Endspiel um den DFB-Pokal. Auf der einen Seite die vermeintlich unschlagbaren Münchner Bayern, die auf ihrem Weg ins Finale unter anderem die Bundesliga-Prominenz aus Leipzig, Dortmund und Leverkusen ausgeschaltet haben, auf der anderen Seite der krasse Außenseiter Eintracht Frankfurt, der sich im Halbfinale immerhin aber beim Vizemeister Schalke 04 durchgesetzt hat.

Das Duell David gegen Goliath wird in 185 Ländern im Fernsehen übertragen, vor Ort werden 74.000 Zuschauer sein. Es ist eine Begegnung mit einer ganz besonders pikanten Note. Der aktuelle Bayern-Trainer Jupp Heynckes trifft im letzten Spiel seiner glorreichen Karriere auf seinen Nachfolger in München, Niko Kovac. Dies sei „nur ein Thema für die Medien“, stellte Heynckes fest. Auch für Bayern-Nationalspieler Mats Hummels hat diese Konstellation „keine Relevanz“. Und Niko Kovac versucht die Zukunft auszublenden. „Das Jetzt ist entscheidend“, versicherte er, „wir haben eine Aufgabe, deshalb sind wir hier, alles andere ist total unwichtig.“ Überraschend immerhin: Kovac versicherte, dass der abermalige Finaleinzug nach dem 1:2 vor einem Jahr gegen Dortmund „das erklärte Saisonziel“ der Eintracht gewesen sei, „vom ersten Tag an.“

Doch sogar bei der offiziellen Finalpressekonferenz im Olympiastadion wurde die Rollenverteilung deutlich. Die Münchner Heynckes und Hummels traten total locker auf, mit dem Selbstverständnis eines Meisters und der Erfahrung mit Spielen ähnlicher oder größerer Bedeutung. Es klang eher pflichtbewusst, wenn Hummels darauf hinwies, „dass die Eintracht sehr schwer zu bespielen ist.“ Und Heynckes ergänzte, „dass ich die Favoritenrolle gar nicht so deutlich sehe.“

Die Frankfurter Kovac und Kapitän David Abraham dagegen wirkten verkrampft, irgendwie sogar fehl am Platz. Hummels gab schlaue Antworten, wie es so seine Art ist, Abraham war nervös und ließ sich nach inzwischen acht Jahren als Profi im deutschsprachigen Raum tatsächlich noch dolmetschen. Erstaunlich gelöst war auch Jupp Heynckes, der die PK sogar mit einem Späßchen eröffnete. Thomas Müller, der als Kapitän eigentlich vorgesehen war, habe er zu Hause gelassen, „weil er gerne viel redet und wir hier zügig vorankommen wollen.“ Müller, der sich zuletzt mit einem Magen-Darm-Infekt geplagt hatte, könne aber auf jeden Fall spielen. Und auch zu Nationaltorwart Manuel Neuer, der ihn dieser Saison noch keine Minute gespielt hat, nun aber wieder fit sein soll, gab es eine klare Aussage. „Er wirkt im Training topfit und steht im Kader“, sagte Heynckes, „aber er wird nicht von Anfang an spielen.“

Dem Frankfurter Trainer war die Anspannung deutlich anzumerken und anzusehen. Er war blasser als sonst, saß eher verkrampft auf dem Podium. Seine Spieler freilich seien beim morgendlichen Spaziergang „sehr locker“ gewesen, berichtete der 46 Jahre alte Kroate. „Für mich ist das ein schönes Abschiedsspiel von meiner Mannschaft“, sagte er, „es ist schon ein bisschen Wehmut dabei.“ Die Chancen auf einen Erfolg schätzen sie bei der Eintracht realistisch ein. „Wenn beide Mannschaften ihr Maximum erreichen, dann wird es sehr, sehr schwer für uns“, glaubt Kovac. Die Hoffnungen ruhen vor allem darauf, dass die Bayern eben nicht in Bestform spielen werden. Seine Mannschaft müsse „alles abrufen“ und hoffen, „dass wir dann freudestrahlend nach Hause fliegen.“ Nur bei einem Sieg werden die Frankfurter sich am Pfingstsonntag auf dem Römer feiern lassen, bei einer Niederlage werden sich die Wege von Spielern und Trainer schnell trennen.

Die Eintracht vor dem Pokalfinale: Bilder

Die Eintracht vor dem Pokalfinale: Bilder
Morgen stehen sich Bayern München und Eintracht Frankfurt auf dem Platz gegenüber - heute wurden noch die Fragen der Presse beantwortet. © dpa
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Morgen stehen sich Bayern München und Eintracht Frankfurt auf dem Platz gegenüber - heute wurden noch die Fragen der Presse beantwortet. © dpa
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Morgen stehen sich Bayern München und Eintracht Frankfurt auf dem Platz gegenüber - heute wurden noch die Fragen der Presse beantwortet. © dpa
Die Eintracht vor dem Pokalfinale: Bilder
Morgen stehen sich Bayern München und Eintracht Frankfurt auf dem Platz gegenüber - heute wurden noch die Fragen der Presse beantwortet. © dpa

Während bei den Münchnern die Mannschaftsaufstellung ziemlich klar ist, hat Kovac für seine Verhältnisse viel Auswahl und hat darüber wenig verraten. Dass Lukas Hradecky in seinem letzten Spiel für die Eintracht im Tor stehen wird, ist klar. „Lukas ist ein feiner Mensch und ein toller Torhüter“, stellte Kovac dem Finnen das beste Zeugnis aus. Vor Hradecky wird Makoto Hasebe den Abwehrchef geben. Der Japaner konnte sich zuletzt wegen einer Sperre in der Liga ausruhen. Abraham wird spielen, natürlich auch Omar Mascarell und Kevin-Prince Boateng. Marius Wolf, der wohl zu Borussia Dortmund wechseln wird, und Ante Rebic sind ebenfalls „gesetzt“. Um einige andere Positionen gibt es noch internes Gerangel. Selbst die Bankplätze sind begehrt und umkämpft. Da geht es vor allem auch darum, ob Kovac sich für Alex Meier als einen der „Joker“ entscheidet. Es wäre ganz am Ende seiner Amtszeit noch einmal eine Geste gegenüber dem erfahrensten und beliebtesten Profi seines Aufgebotes, der selbst noch um einen neuen Vertrag kämpft. (ps)

Eintracht: Hradecky - Da Costa, Abraham, Hasebe, Salcedo, Willems - Mascarell, Boateng - Wolf, Jovic, Rebic.- Bank: Zimmermann, Chandler, Russ, de Guzman, Fabián, Haller, Meier (Gacinovic).

Quelle: op-online.de

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