Tolle Szenen nach Abpfiff

Eintracht-Gänsehautmomente: SGE-Fans feiern Spieler des Gegners

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Ehre, wem Ehre gebührt. Henri Jaervelaid vom Eintracht-Gegner FC Flora Tallinn lässt sich vom harten Kern der Frankfurter Fans nach dem Abpfiff feiern. 

Pflichtaufgabe erfüllt! Nach einem nie gefährdeten 2:1-Heimsieg gegen den FC Flora Tallinn geht die „Ochsen-Tour“ für die Eintracht Richtung heiß ersehnter Euro-League-Gruppenphase weiter. Die Szenen des Abends gab´s jedoch nach Abpfiff zu sehen.

Frankfurt – Rein sportlich ist das, was sich am Donnerstagabend im Frankfurter Stadtwald ereignete schnell erzählt: Die Eintracht steht nach einem 2:1-Heimsieg und der Wiederholung des Auswärtsergebnisses in der nächsten Euro-Runde. Der Mann des Abends war mit zwei Treffern (37. und 53. Minute) Gonçalo Paciência. Es war wie im Hinspiel noch nicht das Gelbe vom Ei, was die Eintracht den 48.000 Zuschauern zeigte, aber mitten in der Vorbereitungsphase ist dies nach wie vor nicht zu erwarten. Selbst nach dem überraschenden 1:1 (40. Minute) durch Vlasiy Sinyavskiy war das Weiterkommen nie gefährdet. Die Eintracht dominierte den Gegner und ließ defensiv nichts zu. Auch wenn sie beim Handelfmeter, der zum 2:1 führte, viel Glück hatte. Tallins Henri Järvelaid drehte sich zur Seite und blockte den Schuss von Danny da Costa ab. Nach neuer Regel offenbar ein klarer Handelfer. Aber selbst für Eintrachts Vorstand Fredi Bobic ein Witz: „Das war nie Elfmeter.“ In der Tat müsste es wohl in jedem Bundesliga-Spiel zwei bis drei Handelfer geben, wenn die neue Regel derart ausgelegt wird. Soweit zum Sportlichen.

Gänsehautmomente gab´s zunächst vor dem Spiel: Mit großem Getöse wurde die Verpflichtung von Martin Hinteregger bekannt gegeben. Nach langem Hin- und Her konnte sich die Eintracht mit Augsburg auf einen Transfer einigen.

Emotional wurde es dann noch mal nach dem Abpfiff. Für die Kicker des FC Flora Tallinn muss es die Partie ihres Lebens gewesen sein. In Estland spielen sie normalerweise vor maximal 1000 Zuschauern. Und bereits das Hinspiel gegen die Eintracht mit 8000 Fans und mitgereisten 1800 Gästen aus Frankfurt hatte sie sehr beeindruckt. So sehr, dass sich sogar bei den mitgereisten Frankfurtern nach dem Spiel bedankten. Am Donnerstagabend wurde dies noch gesteigert. Sichtlich bewegt von der erneut typisch magischen Europacup-Abend-Stimmung in Frankfurt, sind die Estländer selbstbewusst nach Spielende Richtung Nordwestkurve gelaufen. Und die SGE-Fans quittierten dies mit lautem Applaus und „Tallinn, Tallinn“-Sprechchören. Zwei Spieler wagten sich gar bis zum Zaun, gingen mit dem harten Kern der Fans auf Tuchfühlung. Es wurde geherzt und anerkennend auf Schultern geklopft. Kapitänsbinde und Tallinn-Trikot flogen in die Kurve. Herrliche Szenen, die es so in Frankfurt wohl noch nie gab. Auch SGE-Trainer Adi Hütter war beeindruckt: „Es war toll, was die Fans wieder abgeliefert haben. Aber wie die Fans selbst die Spieler von Tallinn nach so einer kämpferisch tollen Leistung abfeiern, ist außergewöhnlich. Das hat mich sehr berührt.“ Und Gegner-Trainer Jürgen Henn sagte: „Die Fans der Eintracht waren großartig. Wir sind in die Kurve gegangen, um uns zu bedanken, weil das für uns die beste Atmosphäre war, die wir je erlebt haben.“

Für die Eintracht geht´s jetzt in der nächsten Runde nach Lichtenstein. FC Vaduz lautet der kommende Gegner am 8. und 15. August. Ein mehr als schlagbarer Gegner. Aber für Hütter ein ganz besonderes Spiel, denn die Stadt ist nur eine halbe Stunde von seinem österreichischen Heimatort Hohenems entfernt.

Von Oliver Haas

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