Eintracht übt einen „neuen“ Fußball

Spielen wie die Leipziger: Hütter lässt den Ball jagen

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Adi Hütter

Frankfurt - Das Training von Adi Hütter ist anders als das seines Vorgängers Niko Kovac, das machen schon die ersten Blicke auf den Trainingsplatz deutlich. Von Peppi Schmitt

Der neue Trainer der Frankfurter Eintracht geht seinen ganz eigenen Weg, er will taktisch anders spielen lassen und versucht den Spielern in den Übungseinheiten seine Philosophie näher zu bringen. Schon Worte machen den Unterschied deutlich. „Schneller, schneller, drauf, drauf“ - das ist immer wieder zu hören vom 48 Jahre alten Österreicher, der mit seiner Art des Fußballs gerade Young Boys Bern zur Schweizer Meisterschaft geführt hat. Die Eintracht will angreifen in der neuen Saison, im besten Sinne des Wortes.

Am Donnerstagvormittag hatte Hütter die Trainingsgruppe geteilt. In der ersten Dreiviertelstunde standen zehn Spieler auf dem Platz, in der zweiten Dreiviertelstunde zehn andere. Grund für die Verkleinerung der Gruppe: Hütter will das Geschehen „selbst in die Hand nehmen“, sich also intensiver mit einzelnen beschäftigen. Die Spieler spüren diese gewollte Nähe des Coachs. „Der Trainer sucht den Kontakt zu uns, er will herausfinden, wie wir denken, was wir fühlen“, sagte Jetro Willlems, „er ist ein wirklich netter Mensch, er redet viel, Respekt steht bei ihm im Vordergrund.“ Gegenüber Willems hatte Hütter im Vier-Augen-Gespräch schon eine Forderung formuliert. „Er will, dass ich mehr Tore schieße“, lacht der 24 Jahre alte Holländer. Damit kann er sich anfreunden. Schließlich hat er in der letzten Saison in 23 Begegnungen nicht ein einziges Mal getroffen.

Willems hält sowohl seinen ehemaligen sportlichen Chef („Niko hat mir richtig gut getan“) als auch seinen aktuellen für „Top-Trainer“. Mit freilich komplett unterschiedlichen Auffassungen. Das Spiel der Eintracht wird sich in jedem Fall verändern. Der Holländer Willems glaubt, dass die Frankfurter dieses Jahr „spielerisch stärker“ seien und hat Vergleiche gefunden. In der letzten Saison habe die Eintracht gespielt wie zuletzt die Kroaten bei der WM. „Das waren nicht die besten Fußballer, aber sie haben mit Herz und Mentalität die Spiele gewonnen“, sagt er. Diese Siegermentalität hatte auch die Eintracht im Laufe der Saison entwickelt und im Pokalfinale ausgelebt. Das müssten sie beibehalten in Frankfurt. Und andere Qualitäten ins Spiel bringen. Das schnellere Spiel und die höhere Intensität erinnern den Verteidiger an einen Bundesliga-Konkurrenten. „Ein bisschen wie Leipzig“ wolle die Eintracht zukünftig spielen.

Voraussetzung für den „jagenden“ Fußball der Leipziger war immer die Balleroberung. Genau daran feilt Hütter beim Training. Vier gegen zwei auf ganz engem Raum war am Donnerstag eine bevorzugte Übung. Nicht der lockere Kick im Kreis, wie er zum Warmmachen so gerne gespielt wird, sondern ein harter Kampf. Die zwei in der Mitte mussten die Bälle erobern, die vier außen mussten mit zwei Ballkontakten spielen. Hütter nennt es eine „Basisübung gegen den Ball“. Die defensiven Spieler müssten in Unterzahl versuchen durch den Ballgewinn „schnell eine Überzahl zu schaffen“. Die Anweisungen waren deutlich: „Schnell, schnell, durchlaufen“. Hütter forderte vehement den „letzten Schritt“, in diesem Fall den direkten Kontakt im Zweikampf. Die Spieler sollten dahin gehen, wo es wehtut. Es hat also gekracht und geknirscht bei dieser an sich einfachen Übung, es war „hektisch und auch ein wenig provokativ“. Danach war er zufrieden. „Fürs erste Mal, hat es mir gut gefallen“, sagte er. Und am Nachmittag wurde das beim „elf gegen elf“ umgesetzt. Auch da war die „wilde Jagd“ Programm.

Die Arbeit mit dem Ball steht deutlich im Vordergrund. Für Willems die „zweite Seite des Fußballs.“ Der neue Ansatz sei ein „bisschen mehr holländisch“, der alte sei mehr deutsch gewesen. Erfolgreich könne man mit beiden Arten spielen. Für alle, die nun etwa glauben, die Eintracht würde weniger Kondition bolzen, hat er eine klare Antwort. „Wir laufen genauso viel wie vorher“, sagt er. Aber eben mehr mit Ball.

Testspiele gegen Italiener

Die Eintracht hat zwei weitere Testspiele vereinbart. Im Rahmen des Trainingslagers im italienischen Gais treffen sie am 1. August (18 Uhr) in Reischach auf den FC Empoli und am 4. August (16 Uhr) in Gais auf SPAL Ferrara 2013.

Quelle: op-online.de

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