Beyreuther erzielt goldenes Tor

U19 der Eintracht verhindert Abstieg in letzter Sekunde

+
Deji-Ousman Beyreuther (hier im Testspiel der Profis gegen Sandhausen) erzielte den goldenen Treffer zum Klassenerhalt in der letzten Sekunde.

Frankfurt - Alle bei der Frankfurter Eintracht haben am letzten Samstag vom Tor von Alex Meier geschwärmt. Es war aber nicht der einzige „märchenhafte“ Treffer eines Frankfurters an diesem Wochenende. Von Peppi Schmitt

Zweieinhalb Stunden vorher hatte der Klassenerhalt der Eintracht-U19 in der Bundesliga Süd/Südwest an einem seidenen Faden gehangen, ehe Jungprofi Deji-Ousman Beyreuther (18) in der Nachspielzeit den 2:3-Anschlusstreffer für die Eintracht beim FC Heidenheim erzielte. Dieses eine Tor reichte, um den SV Wehen Wiesbaden vom elften Platz zu verdrängen, selbst in der Liga zu bleiben und die hessische Konkurrenz in die Hessenliga zurückzuschicken.

„Wir waren erleichtert, aber auch total leer“, sagte später Armin Kraaz, Leiter des Nachwuchsleitungszentrums, „wir sind mit einem blauen Auge davongekommen“. Wie bei Meiers Comeback ist die Geschichte um Beyreuthers Tor fast zu kitschig, um wahr zu sein. Da gibt es die nackten Zahlen: Wehen (1:1 gegen Nürnberg) und die Eintracht hatten am Ende je 27 Punkte, beide eine Tordifferenz von minus 15. Wehen kam auf ein Torverhältnis von 33:48, die Eintracht von 34:49. Ein Törchen hat also über Abstieg und Rettung entschieden. „Es war wie bei Jan-Aage Fjörtoft und Alexander Schur“, erinnert Ex-Profi Kraaz an Beispiele von besonderer Dramatik in der Frankfurter Bundesliga-Geschichte. Fjörtoft hatte die Eintracht 1999 mit seinem Tor zum 5:1 in letzter Minute gegen Kaiserslautern zum Klassenerhalt geschossen, Schur 2003 mit seinem Tor zum 6:3 in letzter Minute gegen Reutlingen die Eintracht zum Aufstieg.

Jetzt also die A-Jugend in Heidenheim. Das Glück hatte sich schon vor dem Anpfiff angekündigt. „An unserer Kabine hat die Tür gefehlt“, schüttelte Kraaz noch zwei Tage später den Kopf. Darum habe man kurzfristig die Kabine wechseln müssen, um Trainer Frank Leicht, der vor einigen Wochen die Frankfurter „Kultprofis“ Alexander Schur und Uwe Bindewald abgelöst hatte, wenigstens eine Kabinenansprache ohne Zuhörer zu ermöglichen. Die fehlende Tür und der Kabinenwechsel führten zu einer zehnminütigen Verspätung des Anpfiffs. In Heidenheim ging es um 13.10 Uhr los, in Wehen hatte das Spiel gegen Nürnberg um 13 Uhr begonnen. Zehn Minuten, die am Ende wichtig wurden.

Die Eintracht lag kurz vor Schluss mit 1:2 zurück und musste volles Risiko gehen. „1:2 oder 1:3, wir wären mit beiden Ergebnissen abgestiegen gewesen“, erläuterte Kraaz die besondere Abstiegsarithmetik. Denn in Wehen war längst Schluss, Endstand 1:1. Aktuell waren die Wiesbadener und die Frankfurter punkt- und torgleich gewesen. Der dann zu Rate gezogenen direkte Vergleich hätte wegen der mehr erzielten Auswärtstore für Wehen gesprochen, sie hatten das Hinspiel am Riederwald 2:1 gewonnen, die Eintracht das Rückspiel auf dem Halberg 1:0. Die Eintracht stürmte also ohne Rücksicht auf Verluste und lief in einen Konter. Vier Minuten vor Schluss stand es 3:1 für Heidenheim.

Doch dann kam Beyreuther. Drei Minuten zeigte der Schiedsrichter als Nachspielzeit an. Die Frankfurter hatten längst genau gerechnet und wussten, ein Tor musste her. „Natürlich haben das alle reingeschrieen“, erzählt Kraaz. In der zweiten Minute der Nachspielzeit gab es Freistoß für die Eintracht. Beyreuther legte sich den Ball zurecht und schoss nicht aufs Tor, sondern passte auf außen. Der Schiedsrichter pfiff zurück, der Freistoß war zu schnell ausgeführt worden. „Ich war stinksauer“, gab Kraaz zu. Der Freistoß wurde wiederholt. Nun wählte Linksfuß Beyreuther, der im letzten Jahr schon im Kader der Profis beim Pokalfinale dabei war und nächste Saison dem Profikader fest angehören wird, den Direktschuss. Mit links von halblinks, diagonal über die Mauer ins „lange Ecke“. Und der Ball schlug tatsächlich ein. Nur noch 2:3, die Rettung. Das Spiel wurde nach dem Anstoß sofort abgepfiffen.

Die Freude war riesig. „Das war Glück pur nach einer extrem unglücklichen Saison mit ganz vielen Verletzten“, sagte Kraaz. Und dachte an den unglücklichen hessischen Nachbarn. „Die Wehener tun mir leid“, sagte er, „aber so ist Fußball, sonst wären wir wegen eines Tores abgestiegen“.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.