Eintracht Frankfurt

Ein Spielmacher als Geschenk: Daichi Kamada überzeugt

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Daichi Kamada ist bei Eintracht Frankfurt angekommen. 

Daichi Kamada hat sich während seiner Leihe in Belgien sehr verändert. Der Japaner reift zum Spielmacher hin. Eintracht Frankfurt freut das. 

Frankfurt - Spielmacher sind rar in der Fußball-Bundesliga. Spielmacher sind auch seit vielen Jahren rar bei der Frankfurter Eintracht. Man muss schon ziemlich weit zurückgehen, um sich an Beispiele wie Uwe Bein oder an Lajos Detari zu erinnern. Ein paar andere, die es in den letzten Jahren im zentralen Mittelfeld versuchen durften, haben nicht wirklich die Erwartungen erfüllt. Erinnert sei hier an Marco Fabián oder gar an Francisco Cheraldes, beide längst nicht mehr im Klub. Und Kevin-Prince Boateng war eher ein mentaler denn ein spielerischer Anführer. 

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In diesem Sommer aber hat sich die Eintracht selbst einen Spielmacher geschenkt. Daichi Kamada ist so eine Art Überraschungsgast in der Stammformation. Ein Jahr zuvor noch für zu leicht befunden und zur sportlichen Gewichtszunahme nach Belgien zu VV St. Truiden geschickt, könnte der 23 Jahre alte Japaner nun ein spielerisches Schwergewicht werden. „Ein ganz feiner Spieler, ein ganz feiner Charakter“, lobt Trainer Adi Hütter schon seit dem ersten Trainingstag Anfang Juli.

Eintracht Frankfurt: Daichi Kamada hat sein Verhalten geändert

Kamada war nach der erfolgreichen Leihe mit insgesamt 36 Pflichtspielen in Belgien und 16 Toren zurückgekehrt. Eigentlich nur, weil der Vertrag bei der Eintracht noch bis 2021 lief, mit der Perspektive auf eine weitere Ausleihe. Aber auf der Rechnung hatten ihn nicht viele, eigentlich fast keiner. Doch Kamada kam, sah und siegte im ganz persönlichen Sinne. „Er hat sich mehr geöffnet, er spricht englisch, lernt fleißig Deutsch und geht auf die anderen zu“, beschreibt der Trainer die erstaunlichen Verhaltensänderungen des Spielers. Als Kamada im Sommer 2017 von Sagan Tosu für eine Ablösesumme von 1,6 Millionen Euro gekommen war, schien er mit der neuen beruflichen Welt komplett überfordert. Drei Bundesligaeinsätze hatte er unter dem damaligen Trainer Niko Kovac, das Urteil war einhellig: Der deutsche Ligafußball war eine Nummer zu groß. Seine Zukunft in Frankfurt schien er schon hinter sich zu haben. Trainer Hütter hatte im Sommer 2018 keine Verwendung für ihn.

Daichi Kamada ist bei Eintracht Frankfurt und den Fans angekommen

Nach dem Ausflug nach Belgien hat sich das alles komplett geändert. Jetzt steht ein anderer Kamada auf dem Platz, energischer, selbstbewusster, besser in allen Bereichen. „Ich bin froh, dass er hier ist“, sagt der Trainer, „ich bin auch froh, dass wir das gleich so entschieden haben.“ Noch vor dem ersten Trainingslager in der Schweiz hatte der Japaner erste Zeichen gesetzt und die sportliche Führung überzeugt. Seitdem hat die Eintracht wieder einen „Spielmacher“, einen Profi, der genau Pässe schlagen kann, der Gefühl für das Spiel entwickelt, der auch Talent zur Torgefahr hat. Noch hat er das Spiel nicht komplett an sich gerissen, so etwas braucht Zeit. Viele Angriffe laufen über Kamada, aber noch nicht alle. Er darf Freistöße und Eckbälle ausführen, ein sicheres Zeichen für Qualität und eine höhere Position in der internen Hierarchie.

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Spätestens als die Eintracht ihm nach der Vorbereitung eine feste Nummer zugeordnet hatte, die „15“, und er für die Europa-League-Qualifikation gemeldet wurde, war er angekommen im Klub und auch bei den Fans. In den bisherigen Europacupspielen hatte er Gelegenheit sich auf nach und nach ansteigendem Niveau zu steigern. Das ging bis hin zu seiner Glanzleistung im Rückspiel gegen Straßburg. Auch in der Liga konnte er gegen Hoffenheim, in Leipzig und gegen Düsseldorf überzeugen. 

Eintracht Frankfurt: Daichi Kamada ist auf einem guten Weg

Ob er tatsächlich einmal die Klasse eines Uwe Bein erreichen wird, ist natürlich längst keine ausgemachte Sache. Da liegt die Messlatte hoch, die heutige Eintracht-Legende war immerhin Nationalspieler und Weltmeister. Aber Kamada ist auf einem guten Weg. „Er hat gute Ideen auf dem Platz“, sagt sein Trainer „und er hat gelernt, in den Zweikämpfen dagegenzuhalten.“ Ein Sprinter ist der Japaner nicht, aber auch nicht langsam, die menschlichen Qualitäten inklusive Einstellung zum Beruf stehen sowieso außer Frage. Wenn er jetzt noch ein bisschen mehr aus sich herausgeht, wenn er noch einen Tick torgefährlicher wird, könnte er für die Eintracht das „Schnäppchen des Jahres“ werden. Das beste Beispiel für gutes Scouting gepaart mit ein wenig Geduld ist er schon jetzt.

Von Peppi Schmitt

Quelle: op-online.de

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