Die Eintracht zwischen Romantik und Realität

Welches Spiel ist wichtiger? In Chelsea oder gegen Mainz

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Eintracht Frankfurt zwischen Romantik und Realität

Eintracht Frankfurt zwischen Romantik und Realität: Am Sonntag kommt Mainz 05 zum letzten Heimspiel, da bietet sich der SGE die letzte realistische Chance in der Liga den Champions-League-Platz 4 oder zumindest die Anwartschaft auf einen Rang unter den ersten Sieben zu verteidigen.

Frankfurt - Für die Fans der Frankfurter Eintracht ist die Sache klar. Schon in der ersten Halbzeit des Spiels in Leverkusen haben sie lauthals vom „Europapokal“ gesungen. Das 1:6 gegen Bayer? Kann passieren und wurde schnell verziehen. Es gab nach dem Abpfiff des schwächsten Spiels der Saison, das zum Desaster geriet, keinen einzigen Pfiff gegen die eigene Mannschaft, sondern aufmunternden Beifall. Europapokalstimmung eben, denn am Donnerstag muss die Eintracht ja zum Halbfinal-Rückspiel beim FC Chelsea antreten. Die Fans träumen weiter vom Endspiel, so schwer die Ausgangposition nach dem 1:1 im Hinspiel auch ist. Sportvorstand Fredi Bobic sind nach der Blamage von Leverkusen, die die Europacup-Möglichkeiten für die kommende Saison stark in Frage stellen, für einen Moment ein paar Zweifel gekommen. „Was ist wichtiger, Donnerstag oder Sonntag?“, fragte Bobic, also Europacup oder Liga, „wir wissen es nicht.“ Am Sonntag kommt Mainz 05 zum letzten Heimspiel, da bietet sich der Eintracht die letzte realistische Chance in der Liga den Champions-League-Platz 4 oder zumindest die Anwartschaft auf einen Rang unter den ersten Sieben zu verteidigen.

Eintracht Frankfurt: Spagat fällt Spielern immer schwerer

Es ist dieser Spagat, der den Spielern seit einigen Wochen immer schwerer fällt. Der Trainer will nicht ablassen von seinen hohen Zielen. „Wir müssen Mainz schlagen, wenn wir weiter um die Champions-League spielen wollen“, hat er weiter von der „Königsklasse“ gesprochen. Das ist sehr ambitioniert angesichts von inzwischen vier Spielen ohne Sieg in der Liga und einer von Woche zu Woche fallenden Leistungskurve. Gegen Augsburg, Wolfsburg, Berlin, jetzt Leverkusen, wurde deutlich, dass die Eintracht ihr große Form aus dem frühen Frühjahr verloren hat. Boss Bobic hat dem kurzen Anfall von Zweifel schnell eine klare Ansage folgen lassen. „Wir schauen jetzt erst einmal aufs nächste Spiel“, sagte er, „vielleicht können wir für eine Sensation sorgen.“ Die Eintracht sei in der Lage, sich in London von der Atmosphäre im Stadion an der „Stamford Bridge“ anstecken zu lassen. Es sei „das Romantische“ am Fußball, dass selbst nach einem Spiel wie in Leverkusen eine neue Chance auf dem Fuße folgt. „Und dann ist eine Leistung möglich, mit der heute keiner rechnet“, glaubt Bobic.

Die Frankfurter haben in der gesamten Saison bislang Bundesliga und Europacup mit gleicher Intensität bespielt. Daran wollen sie auch jetzt nichts ändern, obwohl immer deutlicher wird, dass viele Spieler vor allem im mentalen Bereich an Grenzen stoßen. Die Diskussionen nach dem 1:6-Debakel (Bobic: „Wie im falschen Film“) drehten sich hinterher einerseits um die defensive Aufstellung, die der Trainer gewählt hatte, andererseits um die fehlende geistige und körperliche Frisch der Spieler nach dem jetzt 47. Saisonspiel. Also falsch aufgestellt und zu müde? Beide Argumentationen greifen nicht wirklich, sind zu einfach.

Reines Defensivkonzept liegt nicht in der DNA

Sicher hat die Taktik nicht gepasst, ein reines Defensivkonzept liegt nicht in der DNA der Mannschaft. Hütter nahm zwar die Schuld auf sich, („Die Kritik muss ich mir gefallen lassen“), wies aber auch auf die krassen individuellen Fehler hin. Der erste Gegentreffer nach 110 Sekunden hatte die Linie vorgegeben und gezeigt, dass die Spieler einfach nicht richtig bei der Sache waren. Es war also weniger die Aufstellung, mehr die Einstellung. Dazu kommt ein alarmierender Formverlust bei vielen Spielern. David Abraham ist lange nicht mehr so stark wie vor seiner Verletzung, das gleiche gilt für Martin Hinteregger. Almamy Touré war besser als er im Winter gekommen ist und Evan Ndicka hat völlig den Kompass verloren. Von Jetro Willems gar nicht zu reden, dem auch der rechte Wille zu fehlen scheint.

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Und die vielen Spiele? Sie könnten bei Filip Kostic oder Danny da Costa Erklärungsansätze bieten, weil dieses Duo im Grunde immer dabei ist. Kostic war aber in Leverkusen der beste Feldspieler, besonders gelobt von seinem Trainer. Für andere gilt die Theorie der fehlenden Kraft nicht. Rebic (26/ Einsätze in der Liga/ 8 im Europacup), Ndicka (27/9), Gacinovic (27/13), Willems (23/11) oder Touré (7) sollten als Fußballprofis in der Lage sein, diese Anzahl von Spielen ohne Leistungseinschränkungen zu absolvieren, zumal sie bei weitem nicht immer die komplette Spielzeit auf dem Platz gestanden haben.

Gründe für den Einbruch bei Eintracht Frankfurt

Es gibt andere Gründe für den Einbruch. Zum einen das Fehlen von Sébastien Haller. Der Wert des Stürmers wird besonders deutlich, wenn er nicht dabei ist. Dazu die Unerfahrenheit mit den Belastungen in zwei Wettbewerben. Und der „Fluch der guten Tat“. Soll heißen: Die Eintracht hat lange besser und erfolgreicher gespielt, als es dem eigentlichen Leistungsvermögen entspricht. „Die ganze Saison ist eine Sensation“, sagt Bobic zu Recht. Der Eintracht-Chef lobt die Fans für ihr „Feingefühl“ und erinnert die Spieler, „dass sie noch alles in der eigenen Hand haben.“ Dazu bedarf es aber noch drei weiteren außergewöhnlichen Spielen.

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Von Peppi Schmitt

Quelle: op-online.de

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