Rebic soll es in London richten

Die „Unkaputtbaren“ leben den Traum von Finale weiter

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Eintracht Frankfurt - FC Chelsea

Es waren die fantastischen Fans der Frankfurter Eintracht, die in der Stunde vor Mitternacht am Donnerstag den Weg vorgegeben haben. Sie haben ihre Mannschaft nach dem 1:1 (1:1) gegen den FC Chelsea minutenlang begeistert gefeiert und ihnen den Auftrag „Auswärtssieg“ erteilt.

Frankfurt - Beim Halbfinal-Rückspiel der Europa-League am nächsten Donnerstag an der Stamford Bridge in London braucht die Eintracht mindestens ein Tor, ein Unentschieden mit mehr als einem Tor oder einen Sieg, um den großen Traum vom Finale am 29.Mai in Baku realisieren zu können. „Chelsea hat die Trümpfe in der Hand, aber auch für uns ist noch alles möglich“, nahm Trainer Adi Hütter den Ball von den Rängen auf. Auch sein Kollege Maurizio Sarri ist sich seiner Sache noch nicht sicher. „Die Eintracht ist weiter sehr gefährlich“, fürchtet der Italiener.

Die Frankfurter hoffen, dass sie noch viel gefährlicher werden können als im Heimspiel. Denn in London wird Ante Rebic wieder dabei sein. Und möglicherweise sogar Sébastien Haller. „Ante kann Chelsea mit seiner Wucht und Schnelligkeit weh tun“, glaubt der Eintracht- Trainer, der am auch nicht mehr ausschließen will, dass der seit Wochen verletzte (Bauchmuskelzerrung) Stürmer Haller nach der „Sonderbehandlung“ bei einem Spezialisten in Österreich gerade noch rechtzeitig zurückkehren könnte. „Die Therapie hat angeschlagen, eventuell kann er für die Spiel in London und gegen Mainz ein Thema sein“, sagte Hütter, „wir sind da ganz zuversichtlich. Zwei frische Stürmer fürs Rückspiel, das wäre genau jener Schub, den die Eintracht gebrauchen könnte. Das Hinspiel hat bewiesen, dass Chelsea bei aller Spielkunst mit ihren Weltklassespielern in der Offensive, in der Defensive durchaus anfällig ist. Als Trainer Hütter in der Schlussphase für Mittelfeldspieler Gelson Fernandes mit Goncalo Paciencia einen weiteren Stürmer aufs Feld schickte, wackelten die Engländer erstaunlicherweise noch einmal, nachdem sie zuvor die Partie bestimmt hatten. Doch sie hatten nicht mehr mit den Frankfurter „Stehaufmännchen“ gerechnet. Die können immer noch einmal nachlegen und den „inneren Schweinehund“ überwinden, wie Sportvorstand Fredi Bobic lobte, „à la bonheur wie die Truppe sich da rausgequält hat“.

Chelsea London lässt über weite Strecken den Ball laufen

Zuvor hatten die Frankfurter nämlich leiden müssen, ganz so wie es ihr Trainer vorher befürchtet und nun fürs Rückspiel wieder angekündigt hat. Chelsea hatte über weite Strecken den Ball laufen und die Frankfurter hinterherlaufen lassen. Und dabei war der eine oder andere durchaus an spielerische Grenzen gestoßen. So konnte Gelson Fernandes technische Mängel nicht mehr immer mit Laufarbeit kompensieren. Mijat Gacinovic war von der zweikampfbetonten Spielführung, die der großartige spanische Schiedsrichter zuließ, so beeindruckt, dass ihm viele kleiner Fehler unterliefen. Torjäger Luka Jovic hatten einen enorm schweren Stand, aber er hat wieder getroffen, zum neunten Mal in der Europa-League. Sein Kopfballtreffer war ein kleines Kunstwerk.

Es sind die „Unkaputtbaren“ aus Frankfurt, die in Europa so imponieren. Als die Kraftreserven eine Viertelstunde vor Schluss am Ende schienen, gelang es den Spielern, noch einmal den Turbo zu zünden. Chelsea war sichtbar beeindruckt. Plötzlich rannten Da Costa und Kostic rechts und links wieder die Linien lang und fütterten die Stürmer mit Flanken und Vorlagen. Und hätte nicht mit David Abraham der „falsche“ Spieler die hundertprozentige Chance zum Sieg gehabt, womöglich hätte es noch gereicht. Doch Abwehrmann Abraham köpfte aus kurzer Distanz freistehend übers Tor.

Eintracht Frankfurt: Remis ein „Achtungserfolg“

Das Publikum spürte einmal mehr die ungeheure Wucht, die diese Mannschaft entfachen kann. Und die Spieler spürten die bedingungslose Unterstützung und das riesengroße Vertrauen von den Rängen. Da ist etwas fast Unbezahlbares in den letzten Monaten zusammengewachsen. „Wir sind immer aggressiv und leidenschaftlich geblieben, darauf bin ich stolz“, sagt Trainer Hütter. Das Remis sei ein „Achtungserfolg“ gewesen. Es war mehr als das: Es war die Bestätigung einer bislang sensationellen Saison. Und der Beweis, dass viele Spieler wie Kevin Trapp, Martin Hinteregger, Makoto Hasebe, Sebastian Rode oder die Außen Danny Da Costa und Filip Kostic mit den ganz Großen der Branche mithalten können. London soll nächste Woche noch nicht das Ende der Europareise sein. „Wir können immer noch nach Baku fahren – und das werden wir“, sagte Fernandes. „Das Gegentor ist zwar bitter, aber ein 1:1 ist trotzdem kein schlechtes Ergebnis“, sagte Makoto Hasebe. „Wir hauen in London alles rein und hoffen auf einen Auswärtssieg“, sagte Gacinovic. Sportboss Bobic: „Ich traue das den Jungs zu“.

Von Peppi Schmitt

Quelle: op-online.de

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