Bangen um Hinteregger, Falette als einzige Alternative

Vor dem Spiel des Jahres: Eintracht mit Abwehrsorgen

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Steht Simon Falette gegen Benfica Lissabon in der Startelf?

Für die Frankfurter Eintracht ist das Viertelfinal-Rückspiel der Europa-League (EL) am Donnerstag gegen Benfica Lissabon das „Spiel des Jahres“. Die Arena ist mit 48.000 Zuschauern schon seit Monaten ausverkauft.

Frankfurt - „Von einem solch außergewöhnlichen Spiel haben wir immer geträumt“, sagt Vorstand Axel Hellmann, „wir werden Benfica einen Hexenkessel bereiten“. Die Vorfreude ist riesig und wird auch durch die 2:4-Niederlage im Hinspiel nur wenig getrübt. Die Chancen aufs Weiterkommen sind nicht mehr besonders groß, aber die Ausgangslage ist auch nicht hoffnungslos. Weniger der Zwei-Tore-Rückstand als der allgemeine physische Zustand der Mannschaft müssen den Frankfurtern Sorgen machen. „Wir brauchen Frische für Donnerstag“, sagte Trainer Adi Hütter nach der enttäuschenden 1:3-Niederlage gegen den FC Augsburg, der der Pleite von Lissabon auf den Fuß gefolgt ist. Dass die Partie gegen Augsburg bei den Aussichten auf ein Champions-League-Platz in der Bundesliga womöglich viel wichtiger war als die Spiele gegen Lissabon, war niemand zu vermitteln. Die Spieler hatten alles gegeben, aber bald gemerkt, dass der Geist willig, das Fleisch aber schwach war.

Der Frankfurter Trainer greift nun zu einer im Allgemeinen ungewöhnlichen, im Speziellen bei der Eintracht aber schon fast gewohnten Maßnahme: Er hat seinen Spielern den kompletten Dienstag frei gegeben. „Das hat ja schon vor dem Spiel gegen Inter funktioniert“, sagt er. Und hofft, dass es sich wieder bewährt. Der Tag im Kreis der Familien, auf der Couch oder im Café bei einem Cappucino soll nicht nur die Muskeln wieder entspannen, er soll vor allem die Köpfe freimachen. Andere Maßnahmen, frische Spieler aufs Feld zu bringen, bieten sich dem Eintracht-Trainer nicht mehr. Das Aufgebot ist ausgerechnet auf der Zielgeraden so ausgedünnt, dass es schwierig werden wird überhaupt noch achtzehn Spieler für das Aufgebot zu finden.

Abwehrnot bei Eintracht Frankfurt

Besonders groß ist die Abwehrnot. Ein Ausfall von Martin Hinteregger würde schwer wiegen. Der Verteidiger musste wegen Oberschenkelproblemen gegen Augsburg ausgewechselt werden und hinterließ schon da eine riesige Lücke. „Vielleicht ist es nur eine Muskelverhärtung“, hat Trainer Hütter die Hoffnung auf seinen österreichischen Landsmann noch nicht aufgegeben. Der eingewechselte Evan Ndicka konnte sie nicht stopfen und wird sie gegen Lissabon schon gar nicht stopfen können, weil er nach seinem Platzverweis aus dem Hinspiel gesperrt ist. Almamy Touré, gegen den FCA aufgeboten, um David Abraham eine Verschnaufpause zu gönnen, ist für Europa nicht gemeldet. Zudem war der Franzose der ganz große Schwachpunkt gegen Augsburg. Der brasilianische Neuzugang Tuta ist ebenfalls nicht auf der EL-Liste. Marco Russ hat am Montag zum ersten Mal seit drei Wochen überhaupt wieder auf dem Platz gestanden. Ihn hatte eine Achillessehnenreizung geplagt. Eine echte Alternative kann der Routinier für das Benfica-Spiel nicht sein.

Bleibt noch Simon Falette. Ein solider Verteidiger, der aber seit dem 26. Januar in Bremen keine Minute mehr gespielt hat. Freilich: In der Europa-League hat Falette schon viermal ordentliche Leistungen abgeliefert. Er hätte zumindest den Vorteil, dass er frisch und ausgeruht ist. Die körperliche Verfassung der meisten Spieler, Ausnahme gegen Augsburg war Filip Kostic, ist in diesen Tagen das Hauptproblem der Eintracht. Die inzwischen zusätzlichen elf Europapokalspiele haben natürlich Spuren hinterlassen. Dauerspieler wie Danny da Costa und im neuen Jahr auch Sebastian Rode ist der Kräfteverschleiß anzusehen. Der Trainer will davon grundsätzlich aber nichts wissen, er hat vielmehr taktische Mängel und individuelle Fehlleistungen als Grund für die Heimniederlage gegen Augsburg ausgemacht. „Wir haben technisch nicht sauber genug und deshalb einfach schlecht gespielt“, stellte er nüchtern fest. Die Niederlage sei „selbst verschuldet“ gewesen und gerade darum „besonders ärgerlich“.

Eintracht Frankfurt: Hütter weckt Optimismus

Erschwerend kommen bei all den Belastungen die unnötigen Platzverweise hinzu, in Lissabon war das „Nesthäkchen“ Evan Ndicka geflogen, gegen Augsburg „Routinier“ Gelson Fernandes. Ein Mann weniger bedeutet für die andern immer die Notwendigkeit mehr zu laufen, bis an die Grenzen zu gehen. Und das geht nun mal nicht beliebig oft. „Es wäre ganz schön, wenn wir mal wieder elf gegen elf bis zum Ende spielen“, sagte Hütter süffisant. Die Spieler waren wieder sehr selbstkritisch. „Es war unser schlechtestes Saisonspiel“, sagte Torschütze Goncalo Paciencia nach der kritischen Aufarbeitung durch den Trainer am Montagvormittag. Hütter habe „mehr motiviert als kritisiert“. Und damit auch wieder den Optimismus geweckt. Die Zuschauer werden uns gegen Benfica eine große Hilfe sein“, glaubt Paciencia, „es wird eine große Herausforderung, aber zwei Tore sind nicht unmöglich.“ Dann müsste aber die Abwehr, die nun in zwei Begegnungen sieben Gegentore gefangen hat, wieder besser stehen. Nur mit wem?

Von Peppi Schmitt

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Quelle: op-online.de

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