6:1-Niederlage in Leverkusen

Eintracht Frankfurt: „Es ist alles in die Hose gegangen...“

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Symbolbild: Martin Hinteregger ist nach dem Spiel gegen Leverkusen niedergeschlagen. 

Die Frankfurter Eintracht hat bei Bayer Leverkusen ein absolutes Debakel erlebt. Die Verantwortlichen bei den Hessen waren nach dem Spiel schockiert.

Leverkusen/Frankfurt - Fredi Bobic wählte den treffenden Vergleich zum Boxen. „Es war ein Niederschlag, aber wir werden wieder aufstehen“, sagte der Sportvorstand der Frankfurter Eintracht nach der 1:6 (1:6)-Niederlage bei Bayer Leverkusen. Die Frankfurter waren schon nach einer Halbzeit auf den Brettern und drohen nun im Endspurt der Saison alles zu verlieren, was sie sich in den letzten neun Monaten aufgebaut und erkämpft hat. Zwei Spieltage vor Schluss stehen die Frankfurter zwar immer noch auf dem vierten Platz, doch die aktuelle Form und der Spielplan mit dem Derby gegen Mainz und dem Spiel beim designierten Meister Bayern München legen nahe, dass nach dem spielerischen Absturz auch der Absturz in der Tabelle folgen könnte. 

Trainer Adi Hütter war konsterniert. „Für uns war es ein rabenschwarzer Tag und für mich die schlimmste Halbzeit, die ich als Trainer miterleben durfte“, sagte der Österreicher. Die Erfolge im Europacup fordern nun ihren Tribut, das ist schade, aber nicht mehr zu übersehen. In Leverkusen jedenfalls hat die Eintracht gespielt wie ein Abstiegskandidat. „Es war ein gebrauchter Tag“, sagte Bobic, „ich habe die Mannschaft gar nicht wieder erkannt.“

Eintracht Frankfurt: Debakel gegen Bayer Leverkusen – Ursache lag schon in der Aufstellung

Natürlich kann die Eintracht nach den vielen Spielen in Liga und Europapokal nicht mehr frisch und spritzig sein, aber das Debakel hatte damit nur indirekt zu tun. Eine Ursache lag schon in der Aufstellung. Nach dem Spiel gegen Chelsea hatte sich der Trainer entschlossen, kräftig zu rotieren und dabei nicht nur personell sondern auch taktisch völlig daneben gegriffen. Die sonst so stürmische Eintracht wollte erstmal nur verteidigen und spielte mit acht eher defensiven Akteuren das ging völlig daneben, weil es diese Mannschaft einfach nicht kann und weil sie es auch nie so geübt hat. 

Erstaunlich, dass den sonst so mutigen Trainer ausgerechnet jetzt der Mut verlassen hat. Hütter übte Selbstkritik. „Wenn man glaubt, dass man besser verteidigt, wenn mehrere Verteidiger spielen, ist das ein Irrtum“, räumte er ein, „ich habe es mit einer anderen Grundordnung versucht, aber wir haben es nicht auf Reihe gebracht.“ Kritik an ihm sei darum durchaus berechtigt. Grundsätzlich aber habe die Pleite weniger mit der Aufstellung , dafür mehr mit der Einstellung zu tun. „Die körperliche und die geistige Frische haben gefehlt“, sagte der Eintracht-Coach,„wir sind nicht in die Zweikämpfe gekommen, waren immer einen Schritt zu spät“, sagte er. Sportchef Bobic wurde deutlich: „Es ist alles in die Hose gegangen“...

Außenbahnen der Eintracht offen wie ein Scheunentor

Erstaunlich, dass ausgerechnet jene Spieler, die frisch und spitzig hätten sein müssen, komplett versagt haben. Evan Ndicka war auf der linken Seite ebenso überfordert wie auf der anderen Seite Almamy Touré. Und was Jetro Willems gezeigt hat, war einmal mehr nahe an der Lustlosigkeit. Die Leverkusener Außen wollte Hütter „doppeln“, doch sie standen jeweils nur „doppelt“ daneben. Touré und Abraham rechts, Ndicka und Hinteregger links verteidigten dilettantisch. Die Außenbahnen waren offen wie ein Scheunentor und in der Mitte brach dann das Unheil über die Eintracht herein. Vor der Abwehr trabte Jetro Willems, wie schon seit Wochen gewohnt, einfach so übers Feld, ohne Leidenschaft, ohne Ehrgeiz, als ginge ihn das Ganze nichts an. Da Costa und Kostic bekamen kaum einen Ball und Rebic stand ganz vorne noch mehr auf verlorenem Posten. Es war ein unglaubliches Desaster für die Eintracht, ohne einen einzigen Spieler, der sich gegen die sportliche Hinrichtung so richtig wehrte.

Die Kritik an der gesamten Mannschaft fiel milde aus („Draufhauen bringt nichts“). Einzelne Spieler wollte Hütter später nur vorsichtig kritisieren. Die Leistungen von Toure, Ndicka und Willems seien „zu wenig“ gewesen. „Wir gewinnen gemeinsam und verlieren gemeinsam“, sagte Hütter, „das beginnt beim Trainer, mal macht er es gut, mal weniger gut.“ Diesmal war es schlecht.

Fazit: Die Umstellung in der Abwehr, die Umstellung des Systems hatte die gesamte Ordnung durcheinander gewürfelt, so schlecht waren die Frankfurter noch nie aufgetreten in dieser Saison. Was im Grunde für alle Spieler galt. Nach 38 Minuten zog der Eintracht-Coach Konsequenzen, brachte für Ndicka und Willems, die schwächsten der Schwachen mit Luka Jovic und Mijat Gacinovic zwei Stammspieler. Das war allerdings viel zu spät, da stand es sage und schreibe schon 6:1. 

Werkself zaubert, Eintracht Frankfurt steht nur staunend dabei

Die Leverkusener waren durch die Deckung spaziert, als sei sie überhaupt nicht vorhanden. Sie trafen wie sie wollten. Kai Havertz schon nach 110 Sekunden, als er völlig freistehend von der Strafraumgrenze aus schießen konnte. Julian Brandt erhöhte in der 13. Minute auf 2:0. Nur eine Minute später schöpfte die Eintracht durch einen Zufallstreffer ein wenig Hoffnung. Kostics Weitschuss wurde von Tah unhaltbar ins eigene Tor abgefälscht.

Doch dieser Anschlusstreffer verführte die Frankfurter dazu, den offenen Schlagabtausch zu wagen. Eine fatale Fehleinschätzung der eigenen Möglichkeiten, denn diese Einstellung spielte Bayer in die Karten. Die „Werkself“ zauberte, die Eintracht stand staunend dabei. Innerhalb von dreizehn Minuten wurde es dann ganz, ganz bitter. Lucas Alario in der 23. Minute, Charles Aranguiz in der 28. , wieder Alario in der 34. Minute und schließlich Martin Hinteregger mit einem blitzsauberen Eigentor per Kopf sorgten bis zur 36.Minute für eine 6:1-Führung der Gastgeber. Alle Tore wurden von den Leverkusenern mit einer spielerischen Leichtigkeit erzielt, der jeweilige Schütze brauchte gegen wehrlose Frankfurter nur noch einzuschieben. Torwart Trapp konnte einem bei diesem Scheibenschießen nur noch leid tun. Unglaublich!

Nach der Pause plätscherte die Partie lange Zeit vor sich hin. Leverkusen musste nicht mehr viel tun, die Eintracht konnte es nicht und war froh, halbwegs ungeschoren davon zu kommen. Sie verteidigten etwas engagierter, zweistellig wollte dann doch niemand verlieren. Zudem konnte sich Torwart Trapp bei der einen oder anderen Gelegenheit der Gastgeber auszeichnen. Eigene Chancen herauszuspielen, das schaffte die Eintracht an diesem bitteren Sonntagabend nicht nicht mehr. Und das gab es sogar ausd er nimmermüden Fankurve noch einmal Beifall für einen Frankfurter, als nach langer Verletzungspause inklusive Knieoperation Timmy Chandler eine Viertelstunde vor dem Ende eingewechselt wurde.

Eintracht-Noten in Leverkusen

  • Kevin Trapp 3,0
  • Almamy Touré 5,5
  • David Abraham 5,0
  • Makoto Hasebe 5,0
  • Martin Hinteregger 5,0
  • Evan Ndicka 5,5
  • Danny da Costa 4,5
  • Gelson Fernandes 5,0
  • Jetro Willems 6,0
  • Filip Kostic 4,0
  • Ante Rebic 4,0
  • Mijat Gacinovic 4,0
  • Luka Jovic 4,0
  • Timothy Chandler -

Von Peppi Schmitt

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Quelle: op-online.de

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