Eintracht setzt auf Qualität

Trotz Europa-League kein größerer Kader

+
Girondins Bordeaux gegen Eintracht Frankfurt (2013): In der nächsten Saison ist Eintracht Frankfurt wieder international unterwegs.

Frankfurt - Offensiv beim Verkauf, defensiv beim Einkauf – so präsentiert sich die sich die Frankfurter Eintracht in diesen Tagen. Der Hintergrund ist klar. Von Peppi Schmitt

Die Frankfurter, seit dem Pokalsieg in einer sportlich wie wirtschaftlich guten Position wollen auf dem aktuell überhitzten Markt nicht unnötig viel Geld ausgeben. Mit Frederik Rönnow für Lukas Hradecky und Nicolai Müller für Marius Wolf wurden die größten Lücken gestopft. „Abgesehen davon haben wir aktuell dieselbe Mannschaft, die das Pokalfinale gewonnen hat“, sagte Manager Bruno Hübner, „wir haben keinerlei Not und überhaupt keinen Druck.“ Und für Frankfurter Verhältnisse viel Geld auf dem Konto, das immer weiter vermehrt wird. Die vorzeitige Vertragsverlängerung mit dem Ausrüster „Nike“ um fünf Jahre spült bis ins Jahr 2024 bis zu zwanzig Millionen Euro in die Kassen.

In der vergangenen Saison hat der Kader 34 Spieler umfasst, darunter allerdings mit Sahverdi Cetin, Renat Dadashov, Nelson Mandela, Noel Knothe und Deji Beyreuter fünf aus der A-Jugend. Zudem hatten zu Beginn ja wegen langwieriger Verletzungen mit Omar Mascarell und Alexander Meier zwei gestandene Profis dauerhaft gefehlt. In Wahrheit also hatte Trainer Niko Kovac 27 Profis. Ganz ähnlich werden die Frankfurter es auch diese Saison angehen, obwohl die Belastung durch die Teilnahme an der Europa-League mit garantierten sechs Gruppenspielen deutlich höher sein wird. Eine quantitative Verbreiterung des Kaders sei „nicht geplant“, sagt Hübner, eine qualitative sehr wohl. Auf weitere Neuzugänge aber müssen die Frankfurter Fans erst noch warten. Die Eintracht will das zur Verfügung stehende Geld, ohne weitere Verkäufe sind dies bis zu 20 Millionen Euro, mit kühlem Kopf einsetzen.

Nach Hradecky, Wolf und den Nachwuchsspielern Dadashov und Leon Bätge stehen weitere Abgänge unmittelbar bevor. Branimir Hrgota ist sich mit Hannover 96 weitgehend einig. Er soll rund eine Millionen Euro Ablöse bringen. Und perfekt ist nun auch der Abgang von Aymen Barkok. Der 20 Jahre alte Juniorennationalspieler wird zu Bundesliga-Aufsteiger Fortuna Düsseldorf wechseln. Die Eintracht hat zunächst den laufenden Vertrag bis 2021 verlängert und Barkok dann an die Fortuna für ein Jahr ausgeliehen. Dort will er unter dem ehemaligen Eintracht-Coach Friedhelm Funkel den nächsten Entwicklungsschritt machen. „Wir sind nach wie vor von Aymens Leistungsvermögen überzeugt“, sagt Manager Bruno Hübner, „deshalb halten wir es für eine gute Lösung, dass er bei Fortuna Düsseldorf die Chance erhält, nachhaltig auf sich aufmerksam zu machen."

SGE-Fan und auf Facebook? Jetzt Fan werden

Aus der eigenen manchmal leidvollen Erfahrungen hat die Eintracht Schlüsse gezogen und in den Vertrag Sicherungen eingebaut. Barkok wird zunächst für rund 500.000 Euro an die Fortuna ausgeliehen. Den Düsseldorfern wird dabei eine Kaufoption eingeräumt. Heißt: Nach Ende der Leihe in gut einem Jahr, können sie Barkok für eine festgeschriebene Millionen-Ablöse fest verpflichten. Die Eintracht ihrerseits hält sich ein Hintertürchen offen falls Barkok durchstartet. In den Vertrag wird eine Rückkaufoption verankert. Für eine ebenfalls festgeschriebene Summe können die Hessen Barkok also zurückholen. Die Eintracht hat also weiter „die Hand drauf“, wie der Volksmund sagt.

Eintracht Frankfurt zeigt neues Heimtrikot: Bilder

Gelernt haben sie dieses Modell bei Omar Mascarell. Der Spanier „gehört“ der Eintracht inzwischen, könnte aber von Real Madrid für vier Millionen Euro zurückgeholt werden. „Die großen Clubs machen das häufig so“, sagt Hübner. Im Vergleich zu Fortuna Düsseldorf gehört die Eintracht inzwischen ja auch zu den Größeren. Nun ist es eine Win-win-win-Situation. Der Spieler kann seine Klasse in einem neuen Umfeld zeigen, die Fortuna bekommt relativ preisgünstig ein großes Talent und die Eintracht hat die Gelegenheit, die Entwicklung des Eigengewächses genau zu beobachten. Übrigens soll es eine ähnliche Vereinbarung auch beim Nachwuchskeeper Bätge geben, der zum Drittligisten Würzburger Kickers gewechselt ist.

Die Frankfurter sind durchaus bereit, weitere Spieler abzugeben. Taleb Tawatha gehört dazu. Ein angebliches Angebot aus seiner israelischen Heimat ist für den Verteidiger freilich (noch) nicht eingegangen. „Stand jetzt, wird Taleb beim Trainingsstart dabeisein“, sagt Hübner. Wohl wissend, dass es gerade in diesem Fall ziemlich schnell Veränderungen geben kann. Weitere Verkaufs- oder Verleihkandidaten sind die 19 Jahre alten Knothe und Beyreuther. Bei Mandela wird zunächst einmal abgewartet wie er nach seinem Kreuzbandriss zurückkommt. Und mit Marc Stendera gibt es einen Profi, der Bundesliganiveau ja schon nachgewiesen hat, unter dem früheren Trainer Niko Kovac aber keine Chance mehr hatte. Stendera will nun beim neuen Trainer Adi Hütter seine Chancen ausloten. Viel Bewegung also. Und zu gegebener Zeit werden die Frankfurter ganz sicher auch ihr Geld einsetzen und noch drei, vier Transfers tätigen.

Quelle: op-online.de

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare