Elfmeter ein doppelter „Wahrnehmungsfehler“

Eintracht sauer auf Schiedsrichter und Videobeweis

Frankfurt - Dass es die spielentscheiden Szene war, darüber waren sich hinterher alle einig. In der 55. Minute hatte Schiedsrichter Sascha Stegemann Elfmeter für Hertha BSC gepfiffen, der drei Minuten später nach Diskussionen und Video-Studium zur Berliner Führung führte. Von Peppi Schmitt

Die Frankfurter Eintracht erholte sich im „Glutofen“ (so Sportchef Bobic) von diesem Rückstand nicht mehr und unterlag 0:3. „Wer bei dieser Hitze 1:0 führt, ist auf der besseren Seite“, sagte der Frankfurter Trainer Niko Kovac.

Die Eintracht, am Mittwoch auf Schalke selbst Profiteur einer Fehlentscheidung, litt diesmal darunter. Makoto Hasebe hatte im Strafraum Davie Selke berührt, leicht, hauchzart. Der Berliner sprang ab, als sei er vom Blitz getroffen. Und bekam erstaunlicherweise dafür auch noch einen Elfmeter. Frankfurts Sportvorstand Fredi Bobic sprach später Klartext. „Wahrnehmungsfehler“ könnten passieren, sagte er. 

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Er sei aber sicher gewesen, dass der Unparteiische nach dem Blick in die Review-Area seine Entscheidung ändern werde. Tat er aber nicht. Dass der Elfmeter Bestand hatte, konnte niemand verstehen. „Selbst die Berliner haben geschmunzelt“, sagte Bobic, „womöglich war der Video-Beweis überhitzt.“ Jedenfalls habe Stegemann die Meinung, dass dies ein Strafstoß gewesen sein könnte, „exklusiv“. Ein doppelter Wahrnehmungsfehler, das ist die neueste Variante des Video-Beweises. Trainer Kovac blieb etwas moderater. „Da hat er danebengelegen“, sagte er, „alle haben gesehen, was da passiert ist“. Nur einer hat es eben nicht gesehen. Genauer gesagt zwei. Denn aus dem Kölner Video-Keller, scherzhaft nur noch „Darkroom“ genannt, wurde er vom Video-Assistenten Dr. Jochen Drees im Stich gelassen.

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Es war nicht die einzige Fehlentscheidung des insgesamt ganz schwache Referees, der so pfiff, als habe er mit dem Fußballspiel an sich nicht viel zu tun. Dass der Provokateur Selke, der schon in der ersten Halbzeit unfair gegen Torwart Hradecky nachgestochert hatte, ein ums andere Mal ungeschoren davonkam, war ein schlechtes Beispiel für die Kultur auf dem Platz und wäre einem erfahrenen Referee niemals passiert. Einen klaren Elfmeter für die Eintracht hatte er auch übersehen. Luka Jovic war im Strafraum von Per Skjelbred zu Boden gezogen worden. Wo war da der Video-Beweis?

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Zweifellos richtig aber war der Platzverweis von Makoto Hasebe, der sich von Selke zur Weißglut hatte treiben lassen. Nach einem Trikotziehen des Berliners, schlug der Japaner mit dem Ellbogen zu. Drei Wochen Sperre werden sicher folgen, in dieser Bundesliga-Saison wird Hasebe also nicht mehr spielen dürfen. „Das darf nicht passieren“, sagte Kovac, „das war eine klare rote Karte.“ Die personellen Probleme der Eintracht hat die Unbeherrschtheit des Routiniers noch weiter vergrößert. Die Decke wird immer dünner.

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Quelle: op-online.de

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