Warten auf Rönnow und Rebic

Die Neuen der Eintracht tun sich noch schwer

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Das Trainingslager der Frankfurter Eintracht in Gais in Südtirol hat mehr Fragen aufgeworfen als Antworten gebracht.

Gais/Frankfurt - Ein neuer Trainer, der ein neues System spielen lassen will. Ein anderer neuer Trainer, der die Fitness- und Präventionsarbeit auf eine andere Art und Weise angeht. Bislang acht neue Spieler, die sich mehr oder weniger schwertun. Von Peppi Schmitt

Viele Spekulationen um mögliche weitere Ab- und Zugänge. Zwei Niederlagen gegen italienische Erstligisten in zwei Testspielen. Offensichtliche Problemzonen und ebenso klar ersichtliche positive Entwicklungen – das Trainingslager der Frankfurter Eintracht in Gais in Südtirol hat mehr Fragen aufgeworfen als Antworten gebracht.

Während die Spieler nach den anstrengenden Tagen in Italien bis Mittwochvormittag frei bekommen, um wieder „geistige Frische“ zu erlangen, wie der Trainer Adi Hütter sagt, wird er selbst gemeinsam mit seinem Trainerteam, Sportvorstand Fredi Bobic und Manager Bruno Hübner die bisherigen Erkenntnisse auswerten und Schlüsse ziehen. Am nächsten Sonntag kämpft die Eintracht gegen den FC Bayern München um den Supercup (hier die mögliche Eintracht-Aufstellung), sechs Tage später geht es zum Pokalspiel nach Ulm, die Zeit der Experimente wird also so langsam zu Ende gehen müssen.

Hütter weiß spätestens nach den Tagen von Gais, wo der Schuh drückt. Das betrifft Personal und System. „Es ist ein Prozess, den wir uns erarbeiten“, beschreibt er den Weg zu einem anderen, offensiveren Spielstil. Dafür braucht es Zeit und Geduld. „Es hat in Salzburg lange gedauert und auch in Bern eine Zeit lang“, sagt er. Mit Salzburg wurde er österreichischer Doublesieger, mit Bern Schweizer Meister. Doch die Aufgabe in Frankfurt ist ungleich schwerer. Denn Hütter fehlen (noch) die Spieler für sein bevorzugtes System. Der Kader ist nicht ausgeglichen besetzt, es fehlt die Balance. Es gibt zu viele zentrale Mittelfeldspieler und zu wenige Außen. „Wir haben gute Spieler geholt“, sagt Manager Hübner, „der Trainer muss entscheiden, ob er seine Spielphilosophie gleich zu hundert Prozent umsetzt oder einen Zwischenschritt macht.“ Die „totale Offensive“ wird der neue Coach nicht spielen lassen, das ist klar.

Im Test gegen Ferrara wurde kontrolliert angegriffen, nicht immer, sondern nur manchmal „gepresst“. Er habe „gute Ansätze“ gesehen, sagte er später, vor allem die Bereitschaft der Mannschaft, das beim Training Erarbeitete im Spiel umzusetzen, habe ihm große Freude gemacht. Hütter: „Abgesehen vom Ergebnis bin ich mit der Leistung sehr zufrieden.“

Eintracht Frankfurt im Trainingslager in Südtirol: Bilder

Der Trainer muss sein Personal nun ordnen, sortieren. Die Eintracht scheint in der Breite besser aufgestellt als vor einem Jahr, aber in der Leistungsspitze ist sie das ganz sicher nicht. Kein einziger der acht Neuen hat bislang unter Beweis gestellt, dass er die Mannschaft wirklich nach vorne bringen kann. Da ist Geduld gefragt, denn gerade Spieler wie Chico Geraldes oder Goncalo Paciencia betreten ja in jeder Beziehung Neuland. Verteidiger Evan Ndicka hat sicher Qualität, spielt aber zu häufig noch seinem Alter (18) entsprechend, also zu leichtsinnig, halt ein wenig jugendlich. Torwart Felix Wiedwald hat in Abwesenheit seines verletzten Kollegen Frederik Rönnow die Chance vertan, nachhaltig auf sich aufmerksam zu machen. Hütter wartet sehnsüchtig darauf, dass Rönnow in dieser Woche komplett ins Training einsteigt. Lucas Torró ist von den Neuen einem Stammplatz am nächsten, Allan Souza davon am weitesten entfernt. Und Nicolai Müller ist leider verletzt.

Es sind die „Alten“, die den Takt vorgeben und die Verantwortung für das neue System tragen sollen und müssen. Mit Mijat Gacinovic und Marco Fabián haben sich zwei im Mittelfeld in den Vordergrund gespielt. Ihnen ist das System „Attacke“ auf den Leib geschneidert ist. Sie bewegen sich geschickt zwischen den Linien, sind von den Gegnern nur schwer zu fassen. Gerade Fabián hat die Woche in Südtirol genutzt, aus einem Verkaufskandidaten ist fast ein Unverzichtbarer geworden. „Er ist ein toller Spieler“, bezieht Hütter klar Stellung, „er passt gut zur Eintracht“. Hört sich so an, als wäre Hütter nicht begeistert, würde auch der Mexikaner noch verkauft. Das Gleiche gilt übrigens auch für Verteidiger Jetro Willems, der von englischen Klubs umworben wird. Aus sportlicher Sicht kann die Eintracht weder ihn noch Fabián gehen lassen. „Es ist immer eine Frage der Alternativen und der Ablöse“, schränkt Manager Bruno Hübner ein.

Eintracht Frankfurt im Trainingslager in Gais: Neue Bilder

Viele Hoffnungen ruhen auf der Rückkehr von Ante Rebic. Der Pokalheld und WM-Star würde in sein offensives System „super reinpassen“, sagt Hütter, wohl wissend, dass niemand seriös vorhersagen kann, ob Rebic bleibt oder doch noch wechselt. „Er kommt am Montag, dann reden wir und sehen weiter“, sagt der Trainer. Es ist eine der vielen offenen Fragen. Die Unsicherheiten um Willems, Fabián und Rebic machen deutlich, auf welch schmalem Grat sich die Eintracht kurz vor dem Saisonstart noch bewegt. Weitere Substanz abzugeben, könnte sich fatal auswirken. Zumindest aber würde sie die sowieso schon schwere Aufgabe für den neuen Trainer noch viel schwerer machen.

Bilder: Eintracht verliert Testspiel gegen Empoli

Quelle: op-online.de

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