Eintracht verliert weiteren Führungsspieler

Hübner über Boateng: „Es war eine absolute Win-win-Situation“

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Kevin-Prince Boateng

Frankfurt - Nach nur einem Jahr wird Kevin-Prince Boateng die Frankfurter Eintracht wieder verlassen. Am vergangenen Donnerstag hatte der „Anführer“ der letzten Saison bei Sportvorstand Fredi Bobic und Manager Bruno Hübner vorgesprochen und den Wunsch geäußert, seinen noch zwei Jahre laufenden Vertrag aufzulösen. Von Peppi Schmitt

Boateng zieht es nach Sassuolo in die italienische Serie A. Als Grund nannte der 31 Jahre alte Mittelfeldspieler die Nähe zu seiner Familie, die in Mailand lebt. Ganz ähnlich hatte das vor einem Jahr geklungen, als Boateng von der Kanareninsel Gran Canaria aus Las Palmas nach Frankfurt gekommen war. Wie damals wird der Wechsel auch diesmal ohne Ablösesumme vollzogen werden. „Wir halten uns an die Absprachen und wir respektieren seinen Wunsch“, sagte Hübner am Dienstag.

Bobic habe zwar kurz versucht, Boateng vom Bleiben zu überzeugen, habe aber schnell gemerkt, dass die Entscheidung längst gefallen war. „Er will einfach näher zu seiner Familie“, sagt Hübner, es gehe weder ums Geld noch um fußballerische Belange. Das ist nachvollziehbar, denn beim italienischen Durchschnittsklub Sassuolo wird Boateng weder mehr verdienen können als in Frankfurt noch kann er international spielen. Für die Eintracht ist der Verlust von Boateng ein weiterer schwerer Schlag. Die Pokalsiegermannschaft ist damit auseinandergebrochen, mit Torwart Lukas Hradecky, Mittelfeldspieler Omar Mascarell und Angreifer Marius Wolf hatten sich ja schon drei weitere Leistungsträger verabschiedet. Zudem müssen sich die Frankfurter ja auch auf einen Abgang von Stürmer Ante Rebic einstellen.

Boateng geht als Star, der in Frankfurt vor allem mit Leistung und Haltung überzeugt hat. Auf dem Platz sowieso, aber auch mit politischen Positionierungen gegen Rassismus oder die AfD. „Er ist eine echte Persönlichkeit, hat gerade in kritischen Phasen die Aufmerksamkeit auf sich gezogen“, trauert Hübner dem Mittelfeldspieler hinterher, „natürlich ist er für uns ein echter Verlust.“ Gerade auf dem Spielfeld wird er fehlen. Boateng hat immerhin sechs Tore geschossen und über weite Strecken der Saison das Spiel der Eintracht mitbestimmt. Im Pokalfinale hatte er sich zu einer überragenden Leistung aufgeschwungen und mit dem Pass auf Ante Rebic, den dieser zum 1:0 nutzte, den Sieg eingeleitet. Legendär war Boatengs Auftritt bei der Pokalfeier auf dem Römer mit dem Spruch über Ante Rebic: "Er hat mit seinem super Deutsch zu mir gesagt: 'Bruda, schlag den Ball lang!' Und dann hab ich gesagt: Bruda, ich schlag den Ball lang!"

Die coolsten Eintracht-Sprüche nach dem Pokalfinale

Boateng hat im Herbst seiner Karriere nach schweren Stunden in der Bundesliga bewiesen, dass er noch mehr als mithalten kann. Er reißt eine Lücke, die kaum zu schließen sein wird. „So einen Spieler findet man nicht so einfach“, räumt auch Hübner ein. Doch verhindern konnten sie in Frankfurt den Abschied zwei Tage vor dem Saisonstart nicht. Böse Worte fallen keine. „Es war eine absolute Win-win-Situation“, sagt Hübner. Gemeinsam mit Fredi Bobic habe er sich bei Boateng für ein tolles Jahr bedankt. Offiziell ist der Wechsel in die italienische Fußball-Provinz noch nicht perfekt, einige Modalitäten seien noch zu klären.

Quelle: op-online.de

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